Bärenklau, Wiesen-

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Wissenschaftliche Namen: Heracleum spondylium
Synonyme: Bärentatzen, Bärenpratzen, Deutscher Bärenklau, Herkuleskraut, Wiesenrhabarber.

Systematik

  • Abteilung: Samenpflanzen Spermatophyta
  • Unterabteilung: Bedecktsamer Spermatophytina syn. Angiosperma
  • Klasse: Zweikeimblättrige Bedecktsamer Rosopsida syn. Dikotyledona
  • Unterklasse: Asternähnliche Asteridae
  • Ordnung: Doldenblütlerartige Apiales
  • Familie: Doldenblütler Apiaceae
  • Unterfamilie: Apioideae
  • Gattung: Bärenklau Heracleum
  • Art: Wiesen-Bärenklau

Die Pflanze variiert stark und wird in mehrere, schwer zu unterscheidende Unterarten aufgegliedert. In Deutschland unterscheidet man drei Unterarten:

  • Bergwiesen-Bärenklau Heracleum spondylium ssp. elegans
  • Grünblühender Wiesen-Bärenklau Heracleum spondylium ssp. sibiricum
  • Gewöhnlicher Wiesen-Bärenklau Heracleum spondylium ssp. spondylium
Wiesen-Bärenklau
Wiesen-Bärenklau, Stängel
Wiesen-Bärenklau, junge Pflanze
Wiesen-Bärenklau, Blatt
Wiesen-Bärenklau, Blüte
Wiesen-Bärenklau, Samen

Beschreibung

Blütezeit: Juni bis September.

Vorkommen: Europa, außer Mittelmeerraum; bis 1700 Meter; Wiesen, Ufersäume, lichte, feuchte Laub- und Mischwälder, Auenwälder, Gebüsche, Unkrautbestände, Wegränder; stickstoffliebend, sehr häufig.

Kennzeichen: Fünfzig bis einhundertfünfzig Zentimeter hohe, zweijährige bis mehrjährige Pflanze; Stängel aufrecht, fünf bis zwanzig Millimeter dick, kräftig gerieft, hohl, behaart; Blätter graugrün, groß, in große ungleiche Lappen eingeschnitten, mit bauchigen Blattscheiden; Blüten weiß, oft leicht grünlich oder hell rosa überlaufen, in Dolden mit zwölf bis vierzig Strahlen, Hülle und Hüllchen klein, Kronblätter am Rand der Döldchen größer; Früchtchen abgeflacht, ausgerandet.

Verwechslung: Eine Verwechslung ist mit anderen Doldengewächsen möglich, besonders mit dem Riesen-Bärenklau Heracleum mantegazzianum. Eine Verwechslung ist ferner mit dem Heckenkälberkropf Chaerophyllum temulum möglich, der am Rand gegerbte Fiederblättchen aufweist.

Merkspruch: "Ist der Stängel kantig rauh, ist es der Wiesen-Bärenklau!"

Rohkosttipps und Erfahrungen

Sammelgut und Sammelzeit: Wurzel von September bis in den Winter, von März bis in den Mai, junge Blätter von April bis Mai, Stängel und Blattstängel von Mai bis August, Blütenknospen von Mai bis August, Früchte von Juli bis August.

Die Pflanze riecht aromatisch, der Geschmack der Blätter ist würzig, der Stängel schmeckt mild und leicht süßlich, ähnlich wie Stangensellerie.

Wissenswertes

Namensgebung: Die Form der rauhaarigen Blätter erinnert an die Tatzen eines Bären. Der Gattungsname Heracleum leitet sich von dem griechischen Helden Herakles ab und bezieht sich auf den kräftigen Wuchs. Der Artname spondylium wird einmal mit dem griechischen Wort spondylos = Wirbel in Verbindung gebracht, vielleicht wegen der angeschwollenen Stängelblattscheiden, zum anderen aber auch mit spondyle, einem Insekt, das einen ähnlichen Geruch wie der Bärenklau ausströmen soll.

Heilkunde: Die Wirkung wird als anregend, aphrodisisch, blutdrucksenkend, die Menstruation regelnd und verdauungsfördernd beschrieben.
Das Kraut des Wiesen-Bärenklaus wurde früher manchmal volksmedizinisch gegen Durchfälle und als Hustenmittel verwendet. Dem Wiesen-Bärenklau wird in der Volksmedizin auch eine Wirkung gegen Epilepsie und Hysterie unterstellt. Zudem soll er aphrodisische Wirkungen bei Mann und Frau und eine spezifische Wirkung bei Tuberkulose haben.
In der Homöopathie bei Verdauungsbeschwerden, Husten und Heiserkeit und Hautleiden.

Aus der Arzneimittellehre des Dioskurides:

Seine Frucht scheidet, getrunken, den Schleim durch den Stuhlgang aus; weiter heilt sie, getrunken, Leberleiden, Gelbsucht, Orthopnöe, Epilepsie und Mutterkrämpfe. In der Räucherung weckt sie die von Schlafsucht Befallenen auf. Mit Öl auf den Kopf gestrichen ist sie ein gutes Mittel für solche, die an Gehirnkrankheit, Lethargie und Kopfschmerzen leiden; mit Raute als Umschlag heilt sie Schlangenbisse. Auch die Wurzel wird Gelbsüchtigen und Leberleidenden gegeben. Ringsum abgeschabt und eingelegt bringt sie Wulste in Fisteln zum Verschwinden. Der Saft der frischen Blüten ist ein gutes Mittel gegen geschwürige und eiterflüssige Ohren.

Nutzpflanze: Mit dem getrockneten Kraut lässt sich Wolle in Gelb- oder Olivtönen färben.
Junge Blätter sind ein gutes Viehfutter z.B. für Kaninchen.

Mythos/Geschichte: Früher wurden die Wurzeln des Bärenklaus als Aphrodisiakum verwendet. Er war auch ein häufiger Bestandteil des Kräuterstraußes, der Anfang August zu Mariä Himmelfahrt im Rahmen der Kräuterweihe gesegnet wurde. Ansonsten wurde aber die heimische Engelwurz Angelika archangelica dem Wiesen-Bärenklau vorgezogen, weil sie diesen an Größe und angeblich auch an Heilkraft überragt.

Magie/Brauchtum: Kinder haben früher die ovalen, flachen Früchte als "Geld" verwendet. Aus den hohlen Stängeln wurde allerlei Spielzeug gefertigt, zum Beispiel Röhren für Wasserleitungen, aber auch Blasinstrumente, die im Rheinland "Fimpen" hießen und einen hellen, dünnen Ton geben.