Bericht: Erfahrungen zu Diabetes Typ I

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Autor: Uschi im September 2005

Bei mir wurde mit 41 Jahren im Februar 2005 Typ I Diabetes diagnostiziert und während eines 2-wöchigen Krankenhausaufenthalts wurde ich mehr schlecht als recht auf eine Insulintherapie eingestellt. Für die Diabetiker: Zu Beginn habe ich 1 x täglich Lantus (14 Einheiten) als Basal und zum Essen 3 Mal täglich je nach BE's Apidra 100 als Bolus (1:3, 1:2, 1:3) gespritzt.

Im Krankenhaus (es handelte sich um eine Spezialklinik für Diabetes) wurde mir Folgendes erklärt:

KH: Leider haben Sie Typ I Diabetes, Sie müssen ab sofort ein Leben lang Insulin spritzen, aber keine Sorge, Sie können dank der modernen Insulintherapie essen, was Sie möchten, Sie müssen es nur berechnen.
Frage: Hat es etwas mit dem in meiner Familie väterlicherseits verbreiteten Typ II-Alters-Diabetes zu tun?
Antwort KH: Nein, genetische Ursachen halten wir bei Typ I für eher unwahrscheinlich.
Frage: Hat es etwas mit meiner Ernährung die letzten Jahre zu tun?
Antwort: Nein, Typ I hat mit Ernährung nichts zu tun.
Frage: Woher kommt es dann?
Antwort KH: (Schulterzucken) - Das wissen wir nicht so genau. Es ist eben eine Autoimmunkrankheit. Die Inselzellen in Ihrer Bauchspeicheldrüse wurden durch Ihren eigenen Körper quasi zerstört und das ist leider irreparabel.

Nach 2 Wochen ging mein Insulinbedarf immer mehr zurück. Ich fragte, was nun los ist.

Erklärung KH: Aha. Sie befinden sich in der sog. "Honeymoon-Phase". Das ist eine bei Typ I oft auftretende Remissionserscheinung. Ihre Bauchspeicheldrüse erholt sich gerade und stellt wieder selbst Insulin her.
Frage: Wie... ich dachte, die Inselzellen wurden zerstört - was denn nun - sind sie jetzt doch reparabel?
Antwort KH: Äh - nein, es ist eben eine Remissionsphase. Die hört auch wieder auf und danach müssen Sie sich endgültig auf die Insulintherapie einstellen.
Frage: Wann hört sie denn wieder auf?
Antwort KH: Ach, das ist unterschiedlich. Bei manchen nach Wochen, bei manchen dauert sie Monate bis Jahre...
Frage. Warum hört sie wieder auf?
Antwort KH: (Schulterzucken) - Das wissen wir leider nicht...

Diese beiden Gespräche waren für mich ausreichend, um zu begreifen, dass sie eben gar nichts wissen und mir daher auch nicht wirklich helfen können. Ich bin schon immer eine "schwierige" Patientin gewesen. Ich stelle den Ärzten grundsätzlich Fragen zu dem was sie machen und bin irritiert, wenn sie diese nicht beantworten können, oder aus meiner Sicht unlogisch beantworten. Ein Misstrauen in die Schulmedizin war also schon vorhanden. Zum anderen habe ich in den 90igern nach Fit-For-Life gegessen und weiß aus dieser Erfahrung, was man mit einer Ernährungsumstellung bewirken kann. Diese beiden Grundlagen waren sicher ausschlaggebend für den weiteren Verlauf:

Nach einem Monat (im März also) erhielt ich einen Buchtipp (Unsere Nahrung - Unser Schicksal von Dr. Bruker) von einen guten Freund und stellte ab da meine Ernährung radikal um: Zucker und Weißmehlprodukte wurden sofort gestrichen, meine Ernährung bestand ab diesem Zeitpunkt zu ca. 80 % aus Rohkost. Nach 4 Wochen war ich komplett vom Fremdinsulin weg. Ich musste zwar mit dem Essen aufpassen (es durfte nur wenige Kohlenhydrate enthalten), aber nüchtern lagen meine Werte immer zwischen 70 und 90 - gesunde Werte also.

Danach versuchte ich es mit einer sog. "Low-Carb"-Ernährung und aß ca. 1 Monat lang nach der LOGI-Methode, wodurch mein Blutzucker zwar auch nach dem Essen schön unten blieb (unter 120), aber die massive Zufuhr von tierischem Eiweiß schreckte mich mit der Zeit ab und ich fühlte mich mental irgendwie nicht wohl dabei - da wirkten vielleicht noch die Ansichten zu tierischen Produkten aus der Fit-For-Life-Theorie.

Zu dieser Zeit stieß ich auf Dr. Schnitzer, der verspricht, dass durch eine mehrwöchig durchgeführte Intensivkost (100% Rohkost) Diabetes (auch Typ I) ausgeheilt bzw. sehr stark gelindert werden kann. Herr Schnitzer schrieb mir überraschenderweise sogar persönlich eine Mail, um mir zu bestätigen, dass ich mit der LOGI-Kost auf dem Holzweg sei und sofort jedes tierische Eiweiß aus meiner Ernährung weglassen müsse.

Ich habe daraufhin also 4 Wochen lang 100% Rohkost gegessen und fühlte mich so wohl dabei, dass ich beschloss, diese Intensivkost auf unbestimmte Zeit zu verlängern, also generell Rohköstlerin zu werden. Das ist nun seit Anfang Juni 2005 der Fall. Meinen Blutzucker messe ich nur noch stichprobenartig und wenn ich das tue, ist er wie immer: Die Nüchternwerte zwischen den Mahlzeiten sind 70-90, nach dem Essen geht er zumindest bei den Stichproben nicht über 140. In den letzten 3 Wochen ist der morgendliche Nüchternwert sogar weiter auf 75 gesunken (vorher war das mit 90-110 immer mein höchster Nüchtern-BZ-Wert im Tagesverlauf) - es geht also voran. Ich bewege mich sehr viel und mache zusätzlich 4 bis 5 Mal die Woche ein morgendliches Workout.

Ich habe die ziemlich große Hoffnung, dass sich meine Bauchspeicheldrüse mit der Zeit, wenn ich bei 100% Rohkost bleibe, regenerieren wird. Ich glaube, dass es bei meinem Krankheitsverlauf günstig war, dass ich 1. nur sehr kurze Zeit Fremdinsulin gespritzt habe (so dass der Körper sich an Fremdzufuhr gar nicht erst gewöhnen konnte) und 2. dass ich sehr schnell immer mehr Rohkost in mein Leben integriert habe.

Interessanterweise ist mit meiner Faszination für die Rohkosternährung der Diabetes stark in den Hintergrund getreten. Sie war also so etwas wie ein Auslöser, sie ist aber inzwischen nicht mehr der Grund für das Rohkostessen. Ich fühle mich eher wieder wie damals zu Beginn der Fit-For-Life Phase - ich will wissen, wie mein Körper sich weiter verändert und beobachte dies gespannt mit viel Enthusiasmus.

Das Bronchialasthma, was mich seit ich 16 bin vor allem in den Sommermonaten belastete, hat sich seit der DM-Diagnose ebenfalls sehr in den Hintergrund verzogen – ich habe den Eindruck, dass es momentan nur im Zusammenhang mit Entgiftungskrisen auftaucht. Auch die üblichen allergischen Reaktionen in den Sommermonaten (leichte Heuschnupfensymptome wie morgendliches Nasenlaufen und tränende Augen) blieben bisher fast komplett aus. Das Cortisonspray, mit dem ich das Asthma die letzten Jahre behandelte, nehme ich seit Diagnose des DM nicht mehr (habe es ja auch nicht mehr gebraucht). Besagter Dr. Schnitzer meinte, bei mir läge wohl eine klassische Verschiebung der Intoxikation (? - nach Dr. Reckeweg) vor. –> Als Kleinkind Ekzeme, als größeres Kind Bronchitis, als Teenager Asthma, als Erwachsener Diabetes – denn jede Krankheit wurde für sich nie ausgeheilt, sondern immer nur unterdrückt, woraufhin sich die Toxine eben das nächst schwächere Organ suchen – ein sehr interessanter Gedanke, finde ich.

Dass Cortison Verursacher für Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Typ 1 Diabetes) sein kann, wird immer öfter diskutiert - in einem Diabetesforum haben sich auf meine diesbezügliche Nachfrage direkt mehrere betroffene Diabetiker gemeldet, die bei sich ebenfalls diesen Zusammenhang herstellen konnten, aber vorher nie auf die Idee gekommen sind.

Ich experimentiere momentan noch mit der für mich richtigen Rohkost-Form - zurzeit (September 2005) ist es eine Mischung der beiden Lehren von Müller-Burzler und David Wolfe. Ich versuche also gerade, meine Darmflora in Ordnung zu bringen, mein Restamalgam entfernen zu lassen, meine Verdauung zu stärken und auf eine ausgewogene und gut verträgliche Mischung beim Essen zu achten.

Meine Mahlzeiten bestreite ich hauptsächlich aus sehr wenigen süßen Früchten (morgens als Frühstück und immer zusammen mit Nüssen, die als Fettbremse wirken), nicht-süßen Früchten, viele grünblättrige Salate, Kräuter, Nüsse und Avocados natürlich. In letzter Zeit konnte ich aber den Anteil der süßen etwas Früchte erhöhen, da mein BZ-Werte immer besser werden und eine süße Frucht den BZ nicht mehr so hochtreibt wie noch vor ein paar Monaten.

Es gibt übrigens einen interessanten Bericht von einem Jungen aus den USA, dem seine Mutter bei Ausbruch seines Diabetes Typ 1 Rohkost aufzwang (er bekam es mit 10 Jahren). Sein Verlauf ist ähnlich wie meiner und er behauptet, dass nach 4 Jahren Rohkost sein Diabetes geheilt gewesen sei - das heißt, er kann theoretisch wieder essen, was er möchte, ohne dass seine BZ-Werte aus dem Ruder laufen (was er aber nicht macht - er ist inzwischen 20 und gondelt wohl als Rohkost-Missionar durch die USA).

Ich hoffe, dass andere Diabetiker diesen Bericht lesen und somit vielleicht auch auf die Idee kommen, nicht auf die Ärzte zu hören und die beste Insulintherapie zu finden, sondern die beste Rohkost-Therapie. Es ist manchmal ein einsamer und steiniger Weg - man muss fast alles alleine herausfinden, denn kein schulmedizinisch behandelnder Arzt unterstützt diese Alternative, nur mein naturheilkundlich orientierter Hausarzt fand alles, was ich mache, super. Ich hatte Glück mit meinem Familien- und Freundeskreis, die nach dem anfänglichem Schrecken meine Entwicklung nun begeistert verfolgen - ein im Krankenhaus arbeitender Arzt ist auch dabei, für den bin ich inzwischen ein lebendes Experiment geworden, welches er hochinteressiert beobachtet.

Mein persönliches Ziel jedenfalls ist es, diese sogenannte "Remissionsphase" zumindest aufrecht zu erhalten und idealerweise voranzutreiben.

Wie bereits weiter oben erwähnt: dass eine Bauchspeicheldrüse, die sich plötzlich erholt, um dann angeblich ohne bestimmten Grund wieder total aufzugeben, kann ich einfach nicht glauben. Es ist zumindest wert, darüber einmal nachzudenken. Wenn sie tatsächlich aufgibt oder eben nicht, gibt es dafür sicher Ursachen, auch wenn die Schulmedizin diese nicht kennt. Ich möchte und werde das herausfinden.


Nachtrag vom 9.4.2013

Ich werde in letzter Zeit öfter per Mail auf diesen Bericht angesprochen. Er ja nun schon 6 Jahre alt und mir war nicht bewusst, dass er inzwischen in diesem Wiki gelandet ist. Zur Vervollständigung: Die Remissionsphase dauerte tatsächlich ca. ein Jahr. Auch Rohkost konnte das nicht verhindern.

Ich esse inzwischen mehr oder weniger "normal" vegetarisch und ich spritze Insulin, was mich inzwischen nicht mehr stört. Es geht mir gut. Ich habe meine Leidenschaften auf Tanz, Körper und Spiritualität verlagert. Das Essen nimmt weniger großen Platz ein, aber ich esse bewusst und versuche, die Stimme meines Körpers zu hören. Mir ist bewusst, dass ich den Insulinbedarf mit Rohkost senken könnte. Da ich mich mit der momentanen Ernährung aber wohler fühle, spielt das zurzeit keine Rolle für mich. Meine Insulindosis hat sich seit 5 Jahren nicht sehr verändert. Sie schwankt um die 11 Einheiten Basis morgens und abends. Zum Essen sind es zwischen 2 und 6 Einheiten Bolus.

Fazit meiner fast 2-jährigen reinen Rohkostzeit ist: Es fällt mir relativ leicht, Rohkost zu essen, mein Körper scheint gut damit klarzukommen. Das ist nicht bei allen Menschen so, wie ich mehrfach erfahren konnte. Ich würde wohl bei einer schweren Krankheitskrise wieder darauf zurückgreifen, da ich es für eine gute Heilernährung halte. Auf die Dauer ist es jedoch nicht leicht, sich mit Rohkost umfassend zu ernähren; man benötigt dazu viel Know-how, Zeit und Geld. Qualitativ hochwertig 100% Rohkost essen, ist in einer deutschen Großstadt finanziell und logistisch ein hoher Aufwand. Wer sich nur mit minderwertigem Obst und Salaten aus Supermärkten versorgt, kann mit Rohkost nicht gesund bleiben. Gesund werden vielleicht ja, weil es die ersten Wochen, manchmal Monate, als Entzug/Entgiftung vom Körper genutzt wird, also Heilnahrung ist. Dauerhaft muss aber mehr her als billige Salate und Obst, damit der Körper optimal versorgt ist. Und dabei sollte man immer entspannt bleiben – das Ganze als Experimente sehen und es spielerisch angehen. Fanatismus und Essen mit dem "Kopf", also ohne zu spüren, was der Körper wirklich braucht und benötigt, kann zu nichts Gutem führen. Ich wünsche aber allen, die sich auf diesen Weg begeben wollen, viel Erfolg.

Uschi