Bericht: Mein Weg zur omnivoren Rohkost

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Autor: Jenni im Oktober 2016

Vor meiner Umstellung auf Rohkost habe ich mich neun Jahre vitalstoffreich-vollwertig, ohne Industriezucker, ohne Trockenfrüchte und ohne tierisches Eiweiß ernährt. Mit viel gekochtem Getreide, aber auch mit Rohkost. Salate habe ich immer mit Gekochtem oder Gebackenen ergänzt. In dieser Zeit gingen meine Allergien zurück und auch mein stark asthmatischer Sohn bekam sein Asthma ohne Schulmedizin in den Griff. 2008 kam es dann bei mir zu einem heftigen Borrelioseschub. Ich dachte Laufen und Tanzen, mein ganzes Berufsleben wäre vorbei. Mein Heilpraktiker und der Glaube an meine Ernährung halfen mir aber, weiter für meine Kinder sorgen zu können und arbeiten zu gehen.

Von 2012 bis Mai 2016 habe ich mich dann zu 95% rohvegan ernährt. Wobei roh immer mein oberstes Ziel war. Ausnahmen machte ich bei Sushi-Essen mit meinen Kindern. Mit der veganen Rohkost kam ein Hoch. Ich war schmerzfrei. Ich joggte mit Barfußschuhen durch den Wald. Das ging jahrelang nicht. Ich hatte täglich unter Schmerzen, Schlafattacken und Vergesslichkeit gelitten. Auch die Homöopathie hat damals nicht mehr geholfen. Wenn die Schmerzen an einer Stelle, wie zum Beispiel der Schulter aufhörten, begannen sie an einer anderen, zum Beispiel dem Knie. Es durfte mich zeitweise niemand umarmen, weil dadurch die Nerven am Rücken explodierten.

Das Hoch mit der veganen Rohkost dauerte bis Mitte 2013 an. Dann kamen die Schmerzen wieder. Mein Gewicht fiel von 53 auf 50 Kilogramm, ich sah krank aus und ich war es auch. Ich schob alles auf die Borreliose. Die Foren sind voll davon. Und bis Anfang 2016 habe ich allen erzählt, wie überzeugt ich von der veganen Rohkost bin.

Am 1.1. 2016 begann ich mit Kurzzeitfasten. Das half tatsächlich etwas. Aber die Schmerzen an Fuß und Knie und eine seit zwei Jahren bestehende Wurzelentzündung an einem Zahn blieben hartnäckig. Es kam ein Zusammenbruch, weil ich extrem abgemagert war. Die rohvegane Kost half nicht mehr weiter.

Dank einiger omnivorer Rohköstler wagte ich mich 2016 dann endlich an rohe tierische Lebensmittel heran. Ich begann mit kleinen Mengen von Lachs, Eiern, Markknochen und Rinderfilet. Dann bekam ich den Tipp, es mit Rohmilch zu probieren. Der erste Liter war eine Herausforderung, aber bald hing ich sozusagen an der Flasche. Ich sog die Milch auf wie ein Schwamm. Ich weiß, auch viele omnivore Rohköstler finden das nicht gerade gut. Aber ich nahm zu. Und zwar täglich. Ich war bis zu einem Rohkost-Treffen im Sommer 2016 in Frankreich soweit, dass ich mich im Bikini zeigen konnte. Ich fühlte mich endlich wieder wohl. Und nicht als Hungerhaken.

Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mein Bedarf an Rohmilch gedeckt war. Mein Körper war gesättigt. Dank des Buches "Karies heilen" von Ramiel Nagel traute ich mich, immer mehr tierische Lebensmittel auszuprobieren (Rohmilchkäse, Rohmilchbutter, alles an Fleisch und tierischen Fetten, was ich in guter Qualität bekommen konnte, Eier, Fisch). Sie bekamen mir gut, es ging mir immer besser damit. Das schlechte Gewissen wandelte sich in Dankbarkeit um, dass es mir endlich besser ging.

Ich jogge noch nicht wieder. Zu groß ist die Angst vor den Schmerzen danach. Aber ich kann endlich wieder ohne Schmerzen wandern. Ich kann wieder auf Bäume klettern und Hopserlaufen, einfach mal so. Das ging die letzten Jahre nicht mehr. Wie konnte ich dann als Tanzlehrerin arbeiten? Gute Frage. Das lag an der nackten Panik. Existenzangst. Überlebenswille. Ich wollte kein Hartz IV. So war ich kurzzeitig in der Lage, meine Schmerzen insbesondere bei Auftritten zu überwinden. Danach ging dann oft gar nichts mehr. Meine Tanzkinder mussten ohne mich tanzen, ich lehrte nur noch theoretisch.

Inzwischen werde ich von überzeugten Veganern interessiert gefragt, wie es mir jetzt geht. Was ich verändert habe. Ob ich mal was mitbringen kann. Fragen wie "Wo kaufst Du Deine Rohmilch?" "Wo kaufst du tierische Lebensmittel?" usw. tauchen auf. Denn ich kenne viele Rohveganer, die alle entweder an diversen Symptomen erkrankt sind oder aber substituieren. Ich kenne Rohveganer, die zu dünn sind, aber auch Rohveganer, die zu dick sind. Da frage ich mich dann schon, ob sie wirklich roh sind.

P.S.: Substituieren mit Nahrungsergänzungsmitteln brachte nur den schulmedizinischen Erfolg im Labor. Meine Symptome blieben.


Über die Autorin: Jenni ist Jahrgang 1969, Tanzlehrerin und Mutter von drei Kindern: Jenni Auer - Tanzen und Rohkost