Bericht: Mit instinktiver Rohkost von Rheuma befreit

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Autor: Sabine im Februar 2002

Ich heiße Sabine und bin 37 Jahre jung. Ich ernähre mich jetzt seit drei Jahren von instinktiver Rohkost.

Ich schreibe diesen Artikel, um den zahlreichen an Rohkost Interessierten Mut zu machen, diesen Weg versuchshalber zu beschreiten. Denjenigen, die aus Krankeitsgründen mit der Rohkost beginnen (wollen), möchte ich an meinem Beispiel zeigen, daß es einen Ausweg aus der oftmals verzweifelten Situation gibt.

Begonnen hat meine Anfälligkeit für sämtliche Infektionkranheiten schon in der Kindheit, aber so richtig gestreikt hat mein Körper "erst" mit Anfang zwanzig. Eine Angina jagte die nächste, nach der Mandelentfernung, die ich dummerweise vornehmen ließ, rutschte jeder Infekt gleich bis zur Lunge durch. Ich war oft am Morgen schon so fertig, daß ich mir wünschte, es sei bereits abends und ich könnte endlich wieder ins Bett. Meine Familie maß meinem Zustand keine Besonderheit zu. Sie erklärten es sich und mir so, daß ich mit der Erziehung und Pflege dreier Kinder einfach überfordert und lediglich erschöpft sei. Ich spürte, da ist mehr im Argen.

Es fing mit einer harmlosen, aber äußerst schmerzhaften Bindehautentzündung an, die sich behandlungsresistent zeigte und schnell auf die Hornhaut überging. Die Augenärztin meinte, so etwas erst ein Mal vor mir gesehen zu haben und diagnostizierte ein extrem trockenes Auge. Von nun an war Tränenersatzflüssigkeit mein ständiger Begleiter. Ich benötigte ständig mehr davon, zum Schluß konnte ich maximal zehn Minuten ohne nachzutropfen aushalten. Die Augen waren ständig entzündet, besonders im Winter war es oft eine entsetzliche Qual. Auf meine eindringlichen Nachfragen, was i c h denn dafür tun könne, daß sich mein Zustand verbessere, denn schließlich könne es doch nicht so weitergehen, erklärte mir die Augenärztin, daß dies eine Alterserkrankung sei und ich eben damit leben müsse. Damals war ich siebenundzwanzig Jahre. Auch eine andere Augenärztin konnte mir nicht weiterhelfen.

Aus heutiger Sicht - zum Glück - schritt meine Erkrankung rasch vorwärts. Ich wachte morgens mit steifen Fingergelenken auf, bald kamen Muskel- und Gliederschmerzen hinzu. Nicht nur die Tränendrüsen versagten zunehmend ihren Dienst, ebenso die Speicheldrüsen. Ich hatte ständig einen trockenen Mund und Hals, lutschte andauernd irgendwelche Halsbonbons, weil durch den fehlenden Flüssigkeitsfilm und durch mein schwaches Immunsystem sich ständig Entzündungen im Atemwegsbereich ausbreiten wollten. Ich war zunehmend leistungsgemindert, schleppte mich mühsam zur Arbeit und war oft vollends verzweifelt. Meine Hausärztin war mit mir am Ende ihres Lateins angekommen. Da ich so offensichtliche Rheumabeschwerden zeigte, überwies sie mich an eine Spezialistin. Sie stellte recht bald die Diagnose einer undifferenzierten Kollagenose, einer Autoimmunerkrankung des Bindegewebes. Alles, was sie mir in Aussicht stellte, war Kortison für den Fall, daß es gar nicht mehr anders ginge. Dann verwies sie auf einen jungen Mann im Warteraum, der dasselbe hatte wie ich: er war vom Kortison bis zur Unkenntlichkeit aufgeschwemmt und saß bereits im Rollstuhl. Ich konnte es nicht glauben, daß mir dieses Schicksal bevorstehen sollte. Ich wußte, was ein Leben im Rollstuhl bedeutet, da ich zehn Jahre mit ansehen mußte, wie meine Schwester an einer Multiple Sklerose ähnlichen Erkrankung langsam dahinsiechte und schließlich fünfundzwanzigjährig verstarb. Ich hatte doch noch so viel vor und die Kinder waren noch klein und brauchten mich.

Als ich es gar nicht mehr aushielt, begann ich doch mit dem Kortison und bat gleichzeitig umd eine Überweisung in die Charité. Ich dachte mir, daß es dort eventuell schon weitere Erkenntnisse zur Behandlung dieser Erkrankung geben könne. Der dortige Arzt führte zahlreiche Blutuntersuchungen und eine Lippenbiopsie auf seiner Station durch und meinte so nebenbei zu mir, ich könne mich ja schon mal umsehen, ich werde ja nun häufiger zu Gast auf seiner Station sein. Und da hat es bei mir "klick" gemacht. Jetzt war mir klar, es kann mir kein Arzt der Welt helfen, ich muß mich selber kümmern. Zumal die Ergebnisse alles andere als verlockend waren. Die trockenen Augen waren nur der Beginn des Autoimmunprozesses gewesen. Er meinte, daß ich mich gegenwärtig in einem undifferenzierten Stadium der Kollagenose befinde und er mir nicht sagen kann, in welche Richtung sich die Krankheit ausbreiten wird. Möglich waren unter anderem Sklerodermie und meine zunehmend schmerzhaft gespannte Gesichtshaut wies daraufhin oder Lupus erythematodes, einer grundsätzlich tödlich verlaufenden Immunerkrankung. Auch dafür gab es in meinem Aussehen bereits Hinweise.

Nun hieß es für mich die Ärmel hochkrempeln. Da mir das Kortison zu keiner Zeit Linderung gebracht hatte, unterstützte mich der Arzt in meiner Absicht, es wieder abzusetzen. Ich würde es später noch oft genug brauchen.

Da ich sechs Semester Biologie studiert und anschließend eine medizinische Fachschulausbildung absolviert hatte, fühlte ich mich in der Lage, alles Verfügbare an Literatur zu diesem Thema mir einzuverleiben und eigene Schlüsse zu ziehen. Es ging mir zwar nicht besonders, aber ich hatte ein Ziel. Ich gab bald auf. Die Ergebnisse waren überaus entmutigend. Es schien wirklich aussichtslos zu sein, gegen diese Krankheit zu kämpfen.

Ich war trotzdem aus einem unerfindlichen Grunde optimistisch, nachdem ich die Verantwortung für meine Genesung in meine eigenen Hände gelegt hatte. Ich verkündete, ohne den geringsten Anhaltspunkt dafür zu haben, daß ich die Krankheit loswerde. Vermutlich hielt man mich für verrückt. Und dan geschah es: ich las in einer Zeitung den Bericht einer jungen Frau mit nahezu identischen Symptomen. Gleizeitig war ein Hinweis auf ihr Buch geben: "Das trockene Auge ist heilbar" von Petra Schwartz-Klapp und Thorsten Klapp. Ich war hin und hergerissen zwischen Hoffnung und Skepsis. Als ich es endlich in den Händen hielt, las ich es an einem Tag aus. Am Abend war ich unendlich erschöpft und ich weinte vor Freude. Der Weg lag vor mir, wenngleich es auch ein sehr langer Weg werden würde.

Erstmals wurden mir die Auswirkungen von Umwelt-, Wohn- und Nahrungsgiften, Amalgam, Elektrosmog, physischem und psychischem Streß auf das Immunsystem bewußt. Zuallererst stellte ich meine Ernährungsgewohnheiten um. In dem Buch wird darauf verwiesen, daß ein möglichst hoher Rohkostanteil empfohlen wird. Zur Ergänzug wurde Bruker angeführt. Ich las damals alles, was mir zu dieser Thematik in die Finger kam. Morgens aß ich ich einen Frischkornbrei mit Obst. Das warme Mittagessen ersetzte ich durch mitgenommenen Salat. Gleichzeitig schrieb ich an den Bundesverband naturheilkundlicher Zahnärzte und fand eine Zahnärztin in meiner Nähe, die mir das Amalgam entfernte. Ich ging zu einer Heilpraktikerin, die mich auf eventuelle Nahrungsmittelallergien testete. Im Ergebnis war ich auf Weizen, Walnüsse, Birnen und Kabeljau allergisch. Außerdem versuchte sie mittels Chlorella-Algen und Ölziehen meine Entgiftung zu unterstützen und mit Antiazida meine Übersäuerung auszugleichen.

Mir ging es schlagartig besser. Abends aß ich nun auf ihre Empfehlung hin Gemüsepfanne oder Hirsegerichte, um den Darmpilz loszuwerden. Weizenprodukte ersetzte ich durch Dinkel. Insgesamt fand ich die Vollwertküche wesentlich leckerer als alles bis dahin gekannte. Wenn bloß diese viele Arbeit mit dem Vor- und Zubereiten der Nahrung nicht wäre. Meine Familie hatte die Nase bald voll von meinen ständigen Neuerungen und so kochte ich für mich und sie extra. Ein absoluter Graus für jemanden wie mich, der Küchenarbeit noch nie interessant fand. Meine Krankheitssymptome besserten sich aber weiterhin und so behielt ich mein Vorgehen bei. Mir fiel auf, daß ich mich zu rohem Gemüse regelrecht zwingen mußte und ich viel lieber mir irgendein Vollwertgericht kredenzte. Ich wußte, das geht nach hinten los und so war es auch. Hm, soll ich vielleicht ständig gesunde Sachen essen, auch wenn diese mir gar nicht schmecken? In dieser Zeit ging es mir aber zumindest schon wieder so gut, daß ich mir einen großen Traum erfüllen konnte und nochmal ein Studium aufnahm.

So ein Studentenleben hat eindeutig Vorteile. Ich hatte wesentlich mehr Zeit und konnte mich daher intensiv meiner Genesung widmen. Ich machte eine Darmreinigung nach Gray und fühlte mich um viel Dreck in mir erleichtert.

Dann fuhr ich in den Semesterferien mit den beiden jüngeren Kindern zur Mutter-Kind-Kur an die Nordsee. Als wir abends ankamen, lag für mich schon extra Dinkelbrot auf meinem Platz. Morgens bekam ich Dinkelbrötchen. Es gab dort sehr viele unterschiedliche Nahrungsmittelallergiker und besonders zu Mittag mußten die Koche dort ein absolutes Mammutprogramm kochen. Es gab zahlreiche verschiedene Gerichte, aus heutiger Sicht für mich der größte Irrsinn. Damals fand ich das Klasse, wenngleich ich von zu Hause einen wesentlich höheren Obst- und Gemüseanteil gewohnt war. Abends gab es zwar Salat, aber da ich damals auf dem angelesenen Standpunkt stand, Rohes sei nach 18.00 Uhr zu schwer verdaulich und ich ohnehin Verdauungsprobleme hatte, aß ich mein Dinkelbrot. Zum Glück war mein Körper sehr sensibel, er reagierte auf diesen neuerlichen Ballast sofort. Ich bekam die Sinusitis meines Lebens, zusätzlich eine heftige Bronchitis. Völlig erschöpt kam ich zu Hause an. Aber mir war nun sonnenklar, daß ich zukünftig sämtliche erhitzten Kohlenhydrate meiden mußte.

Zeitgleich empfahl mir mein Neffe Wandmakers Kultbuch: "Willst Du gesund sein..." Das war es. Nie wieder kochen, hurra! Meine Mutter war entsetzt, ich werde diesen Wahnsinn doch wenigstens nicht auf die Kinder übertragen?! Gerade aber den Kindern tat meine neuerliche Umorientierung auf einen wesentlich erhöhten Rohkostanteil ausgesprochen gut. Bis dahin waren sie ständig erkältet, litten ebenso wie ich unter Nahrungsmittelallergien und hatten ebenso wie ich Hautausschläge im Gesicht. Ihr Zustand besserte sich sofort. Auch mir ging es ohne Brot und warmem Mittag wieder gut.

Dummerweise habe ich es aber mit dem sauren Obst übertrieben (es war gerade schwarze Jonnisbeerzeit) und bekam eine heftige Magen-Darm-Entzündung. Obst war jetzt die reine Folter, die Säure brannte wie Feuer in meinem Inneren. Damals las ich gerade Halima Neumann: "Stop der Azidose". Hier erfuhr ich, daß zahlreiche Menschen zu übersäuert sind, um Obst zu vertragen. Auch rohes Gemüse kann für extrem Darmgeschädigte zu hart sein. Beides schien bei mir zuzutreffen. Ich folgte ihren Empfehlungen, mit Gemüsesäften und Gemüsebrühe zu fasten, zur Ergänzung Spirulina zu nehmen. Außerdem kaufte ich mir einen Stuplich-Topf, in dem man Gemüse bei 60° garen konnte. Damit rappelte ich mich langsam wieder auf. Ich war in dieser Zeit allerdings sehr abgemagert, wog bei einer Größe von 1,67 Meter nur noch 49 Kilogramm und sah sehr schlecht aus. Die Aufbaukost bestand dann morgens aus Gemüsebrühe und frischen Gemüsesäften, um die in der Nacht entstandenen Säuren auszuschwemmen, anschließend frisch geraspelter grüner Papaya für die weitere Entschlackung, dazu frische Keimlinge und angekeimte Mandeln. Mittags dann das Stuplich-Topf- Gemüse, abends frische Säfte, verrührt mit Avocado und gedünstetem Gemüse oder Pellkartoffeln mit Olivenöl. Hin und wieder stellte ich mir aus angekeimtem Getreide Brot her, welches ich bei 50° im Ofen trocknen ließ.

Ich kam damit gut zurecht, sah auch wieder besser aus, aber diese viele Arbeit. Wenn ich damals nicht Studentin gewesen wäre, hätte ich diesen ganzen Aufwand nicht betreiben können. Ich war ständig mit Vorbereitungen und Besorgungen für die nächsten Mahlzeiten beschäftigt, von dem ganzen Abwasch mal zu schweigen. Es lautete zwar die Empfehlung, zunehmend den Rohkostanteil zu erhöhen, aber das bekam ich nicht hin. Irgendwie war diese Ernährungsform noch nicht das Optimum für mich. Die gekochten Gerichte waren mir mit der Zeit zu labbrig und eintönig, außerdem wurde ich auch nicht mehr richtig satt. Hinzu kamen ständige Diskussionen mit den Kindern, die die gekochten Gemüsegerüche und meine Mischungen von Avocado, Saft und Gemüse schon optisch totel eklig fanden. Insgesamt ging mir dieser ganze Aufwand mächtig gegen den Strich.

Von meiner Zahnärztin hatte ich schon öfter etwas über ihre Ernährungsmethode gehört, sie ernährt sich von instinktiver Rohkost. Aber Rohköstler zu werden, war nie mein Ziel. Mir ging es doch eigentlich ganz gut. Bis ich dann selber eines Tages Burgers "Rohkosttherapie" in den Händen hielt. Ich war fasziniert von der absoluten Logik. Aber ständig Neues auszuprobieren, kostet auch viel Kraft und ich stellte es wieder ins Regal. Genau für einen Tag. Das gelesene ließ mir einfach keine Ruhe. Am nächsten Tag kaufte ich es mir und war begeistert. Sofort begann ich, meine Nahrung instinktiv auszuwählen, selbst Säfte nur nach Bedarf zu pressen, Gemüse aus dem Stuplich-Topf zu essen ebenso. Ich stellte mich allmählich immer mehr auf Rohkost um, aber es dauerte ein halbes Jahr, bis mein Körper das erste Mal frisches Gemüse verlangte. Das war für mich wie ein Fest, das erste Mal wieder einen Kohlrabi und ein Stückchen Möhre roh zu essen und vor allem beschwerdefrei zu vertragen.

Nun lebe ich mittlerweile drei Jahre so. Nennenswerte Ausnahmen hatte ich zu keiner Zeit. Vielleicht liegt das daran, daß mir die normale Kochkost nie ein besonderer Genuß war. Ich war immer auf der Suche nach etwas Besonderem. Das habe ich nun dank instnktiver Ernährung zwei mal täglich. Möglicherweise komme ich auch deshalb so gut mit der Rohkost zurecht, weil ich nie auf die Rohkost fixiert war. Als sie zu einer bestimmten Zeit in mein Leben trat, habe ich sie angenommen und ausprobiert, wie weit ich damit komme. Es war mir eigentlich egal, was mir gegen meine Erkrankung hilft.

Mein Rheuma hat sich nahezu in Luft aufgelöst. So ein bis zwei Mal im Jahr merke ich ganz leichte Symptome, die aber in nichts an vergangene Zeiten erinnern. Ich wiege mittlerweile 58 Kilogramm, dank Datteln und Durian. Mein Studium habe ich im vergangenen Jahr erfolgreich beendet. Um mir Orkos zu finanzieren, habe ich nebenbei gearbeitet.

Den letzten Triumph feierte ich im vergangen Oktober. Da bekam ich das erste Mal nach vier Jahren wieder meine Menstruation. Für mich ist das ein Zeichen, daß der Körper jetzt so weit entgiftet und genesen ist, daß er es auch wieder zulassen würde, neues Leben entstehen zu lassen.

Vielleicht hätte ich etwas schneller zu dem heutigen Ergebnis kommen können, wenn ich mehr über die Heilkraft der Rohkost gewußt hätte.

Für mich hat sich das Leben durch Rohkost total verändert. Nicht nur, daß ich jetzt zu jeder Zeit und an fast jedem Ort problemlos und ohne viel Aufwand essen kann und ich wieder leistungsfähig bin. Fast eine noch größere Veränderung hat sich auf der geistigen Ebene vollzogen. Ich bin viel klarer im Denken geworden, innerlich um vieles gelassener und offener im Umgang mit Neuem. Ich kann mich über Kleinigkeiten freuen (z.B. über die ersten Wildpflanzen am Wochenende) und könnte oftmals vor Jubel anfangen zu tanzen. Daß ich jemals meditieren würde, hätte ich mir vor der Rohkost nie vorstellen können. Ich fühle mich mit dem Universum verbunden, und bin oft selber erstaunt, mit welch weiser Voraussicht es meine Bestellungen bearbeitet. Ich weiß, daß das Universum alle Menschen glücklich machen möchte. Daher sehe ich der Zukunkt mit einer ruhigen Gelassenheit entgegen.

Zukünftig will ich versuchen, die Konz'sche Lehre, insbesondere die Wildkräuter und die Urgymnastik mehr in meine Lebensweise einzubeziehen, natürlich unter instinktiven Gesichtspunkten.


Seit Oktober 2014 schreibt Sabine in einem Tagebuch über ihr Leben mit der instinktiven Rohkost: Sabines Tagebuch