Bericht: Schwangerschaften mit veganer und instinktiver Rohkost

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Autor: Erika im November 1997

Zustand mit der üblichen gekochten Nahrung

Zum jetzigen Zeitpunkt (November 1997) bin ich seit knapp acht Jahren Rohköstlerin. Im Jahre 1990 stellte ich meine Ernährung von vegetarischer Vollwertkost auf 100% vegane Rohkost um. Was war diesem radikalen Schritt vorausgegangen?

  • 20 quälende Jahre mit chronischen Kopfschmerzen
  • verschiedene Infektionskrankheiten
  • starke Pollenallergie
  • starke Menstruationsbeschwerden
  • häufige Erkrankungen der Nasennebenhöhlen, Ohren und Bronchien
  • unzählige nutzlose Arztbesuche und Behandlungen
  • eine lange, verzweifelte Suche nach einem Weg zur vollkommenen Gesundheit
  • der feste Entschluß, nicht mehr den Ärzten zu vertrauen, sondern den Weg zur Gesundheit selbst zu finden
  • viele, viele Gebete um Gesundheit
  • ein Ausprobieren der verschiedensten Ernährungsformen
  • mehrmalige Fastenkuren, die mir jedes Mal Erleichterung brachten
  • ein Praktizieren von Yoga, Autogenem Training und Meditation, was mir zwar psychisch half, meine gesundheitlichen Beschwerden jedoch nicht zu heilen vermochte.

Umstellung auf Rohkost

Als ich meine Ernährung nach einem Buch von Jamila Peiter auf 100% vegane Rohkost umgestellt hatte, ging es mir innerhalb von drei Wochen zum ersten Mal in meinem Leben gut. Ich war knapp 34 Jahre alt und lernte erstmalig das Gefühl kennen, ohne Schmerzen, ohne Krankheiten zu leben. Diese Erfahrung war für mich überwältigend, sie ergriff mich von Kopf bis Fuß. Ich war überglücklich, ging wie auf Wolken und begann jeden Tag mit einem Dankgebet. Alle meine Krankheiten verschwanden wie durch Zauberhand. Mein Körper verjüngte sich, meine Haut glättete sich, meine Augen leuchteten vor innerer Reinheit und vor Glück. Meine durch die jahrelangen Schmerzen depressive Grundstimmung wich, ich lernte wieder lachen und mich meines Lebens zu erfreuen.

Allmählich sich einstellende Mangelerscheinungen

Alle diese positiven Wirkungen meiner neuen Ernährung hielten an, aber im Laufe der Jahre zeigten sich doch einige Mangelsymptome: Meine Haare wurden immer dünner und fielen stark aus, die Haut wurde trocken und an den Handrücken ganz rauh und rissig, ich verlor immer mehr an Gewicht, fror im Winter ständig und hatte unkontrollierbare Hungeranfälle, die weder durch Obst, noch durch Gemüse, noch durch Nüsse gestillt werden konnten. Alle diese Symptome deutete ich als Eiweißmangel. Mir war klar, daß die vegane Rohkost nur sehr wenig Eiweiß enthält. Eine Ergänzung durch Fleisch oder Fisch wäre zum damaligen Zeitpunkt für mich undenkbar gewesen, da ich praktisch von Kindheit an aus eigenem Antrieb Vegetarierin war, und außerdem von der Richtigkeit der veganen Rohkost fest überzeugt war. Um einem Eiweißmangel vorzubeugen, bezog ich nun vermehrt Wildkräuter in meine Ernährung mit ein und aß auch mehr Nüsse und Keimlinge.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit mit veganer Rohkost

Als meine Tochter 12 Jahre alt war, hatten sich meine Gesundheit und mein Vertrauen in die neue Ernährung so weit stabilisiert, daß ich noch einmal eine Schwangerschaft wagte. Ich war 37 Jahre alt, seit mehr als drei Jahren Rohköstlerin. Meine Erwartungen auf eine schöne, unkomplizierte Schwangerschaft erfüllten sich nicht. Ich hatte während der ersten fünf Monate eine schlimme ROHKOST-KRISE: Meine so geliebte rohe Kost schmeckte mir nicht mehr, mir wurde schon schlecht, wenn ich Gemüse nur ansah, vom Obst konnte ich nur Apfelsinen und Äpfel noch essen, und auch das nicht immer. Ich hatte ständig Hunger und wußte nicht, was ich essen sollte. Voller Verzweiflung versuchte ich es mit kleinen Mengen Kochkost: Kartoffeln oder Reis oder Hirse... Davon ging es mir aber noch viel schlechter als vorher, mein Körper konnte das Erhitzte überhaupt nicht mehr verdauen, ich mußte ständig erbrechen, es ging mir "hundeelend". Da war mir das ständige Hungergefühl dann doch noch lieber, ich aß also fast nichts und magerte immer mehr ab. Vom heutigen Standpunkt her weiß ich, daß ich damals dringend tierisches Eiweiß gebraucht hätte, meine Eiweiß- und B12-Speicher waren durch die lange Zeit der veganen Rohkost-Ernährung leer und nun in der Schwangerschaft war der Bedarf an beidem stark erhöht. Das Obst und Gemüse schmeckte mir deshalb nicht mehr, weil mein Körper etwas anderes brauchte. Aber von instinktiver Ernährung wußte ich damals leider noch nichts. So quälte ich mich Tag für Tag durch die Schwangerschaft.

In den letzten Monaten meiner Schwangerschaft projizierte sich mein starkes Bedürfnis an tierischem Eiweiß auf Käse. Ich träumte von Käse, ich hatte ständigen Heißhunger auf Käse, ich konnte mir nichts anderes zu essen mehr vorstellen. Obwohl ich eine strenge Disziplin gewohnt bin und auch weiß, wie schlimm sich Milchprodukte auf meine Gesundheit auswirken, blieb mir zum damaligen Zeitpunkt nichts anderes übrig, als diesem starken Bedürfnis meines Körpers in begrenzter Weise nachzugeben. Ich war nämlich inzwischen so schwach, daß ich täglich Schwächeanfälle bekam und mir ernstliche Sorgen um mein Kind machte. Ich aß also vom 5. bis zum 9. Monat meiner Schwangerschaft ab und zu Käse, immer nur dann, wenn ich absolut nichts von meiner pflanzlichen Rohkost herunterbekam. Hinterher ging es mir jedes Mal sehr schlecht (Niesanfälle, Schnupfen, Halsweh, Ohrenweh, Bauchweh, Rückenschmerzen usw.), aber ich hatte mein tierisches Eiweiß, wurde wieder etwas kräftiger und nahm auch zu. An dem Tag nach dem Käseverzehr schmeckte mir mein Obst wieder. Trotzdem, wenn ich an diese Schwangerschaft zurückdenke, kommt mir nur das Wort HUNGER in den Sinn. Nie in meinem Leben habe ich soviel gehungert wie in dieser Zeit.

Da ich in den Jahren vor meiner Schwangerschaft keine Menstruation mehr gehabt hatte, wußte ich gar nicht so genau, wann das Kind nun kommen wollte. Aber mir war von Anfang an klar gewesen, daß ich das Baby allein zu Hause zur Welt bringen wollte – ohne Arzt oder Hebamme. Die Geburt meiner Tochter vor 13 Jahren war für mich ein so schlimmes, ja ein traumatisches Erlebnis gewesen; sie fand im Krankenhaus statt und dauerte über 17 Stunden. So etwas wollte ich unter keinen Umständen noch einmal mitmachen.

So brachte ich mein Rohkost-Baby am 10. Mai 1994 allein zu Hause zur Welt, mit etwas Unterstützung von meinem Mann, der mir bei den ärgsten Rückenschmerzen eine Wärmflasche ans Kreuz hielt. Unser Sohn David wurde nach fünf Stunden Wehen geboren, er war vollkommen gesund und rosig, wog 3.300g und war 51cm groß. Die Nachgeburt kam spontan, erst nach einer Stunde Nähe bei mir nabelte ich unseren Sohn ab und reinigte ihn etwas. Die Geburt war zwar wesentlich kürzer und leichter gewesen als die meiner Tochter vor 13 Jahren, aber eben doch nicht so schmerzfrei und sanft, wie es in den vielen Rohkostbüchern immer beschrieben wird und wie ich es mir in der Schwangerschaft insgeheim erhofft hatte. Während der Wehen hatte ich starke Schmerzen, besonders in der Steißbeingegend, und habe dann auch, als David aus dem Becken heraustrat, einen Steißbeinbruch erlitten, der mir noch sechs Wochen lang starke Beschwerden verursachte. Trotzdem habe ich auch nach der Geburt keine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen.

Daß die Geburt nicht so ideal verlaufen war wie es bei Rohköstlerinnen sonst anscheinend üblich ist, schrieb ich natürlich meinem Käseverzehr während der Schwangerschaft zu. Ich probierte es nach der Geburt noch einmal mit Käse, aber da mein Sohn sehr heftig darauf reagierte mit Ausschlag, Schreien, starkem Durchfall (er bekam die fremden Eiweißmoleküle ja über die Muttermilch mit!), ließ ich wie auch in der Zeit vor der Schwangerschaft wieder alle Milchprodukte weg.

Auch mit Kochkost probierte ich es in den ersten zwei Monaten nach der Geburt noch einige Male. Ich hatte während der Schwangerschaft so viel gehungert, daß ich mir ganz fest vorgenommen hatte, mich nach der Geburt mal endlich wieder so richtig satt zu essen. Ich nahm an, daß ich dann nicht mehr so empfindlich reagieren würde wie während der Schwangerschaft. Nun, ich vertrug die Kochkost zwar wieder besser – aber die Reaktion meines Rohkostbabies war katastrophal: David verwandelte sich von einem immer friedlichen, ruhigen und ausgeglichenen Baby zu einem wütend schreienden, sich in Krämpfen windenden Bündel, das uns die Nacht zur Hölle machte. So war ich ganz schnell wieder bei 100% veganer Rohkost. Beim kleinsten Fehler (irgendein Produkt, das nicht vollkommen naturbelassen war) reagierte David sofort. Er war nur reine Natur gewohnt und wollte nichts anderes haben. Es kam auch vor, daß er die Muttermilch ablehnte, wenn ich zuvor etwas Falsches gegessen hatte.

Ich mußte also eine eiweißreiche Nahrung zu mir nehmen, die roh war und mich satt machte. Neben Nüssen waren das während der Stillzeit vor allem Kichererbsen- und Linsenkeimlinge. Im Vergleich zu der Schwangerschaft hatte ich während der Stillzeit weniger Probleme mit meiner Ernährung. Lediglich mein starker Haarausfall machte mir Sorgen, ich verlor etwa die Hälfte meiner Haare. Außerdem fühlte ich mich nach häufigem Stillen ganz ausgelaugt und schwach. Manchmal ließ mich meine und Davids psychische Verfassung einen Vitamin B-Mangel vermuten. Meine B 12 - Speicher waren allerdings durch den Käseverzehr während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft so weit aufgefüllt, daß wir während der Stillzeit keine größeren Probleme bekamen.

Die begannen erst, nachdem David sich im Alter von 16 Monaten abgestillt hatte. Schon als ganz kleines Baby hatte ich ihm neben der Muttermilch auch immer vorgekaute Früchte angeboten. Anfangs nahm er nur Banane und Mango, später auch Apfel, Melone und andere Früchte. Als er etwas älter war (ca. 1 Jahr), gab ich ihm auch pflanzliche Proteine wie Avocados, Nüsse, Sesam oder Sonnenblumenkerne, natürlich alles vorgekaut. Gemüse lehnte er sehr lange Zeit ab. Warum er mit 16 Monaten plötzlich keine Muttermilch mehr trinken wollte, weiß ich nicht genau. Vielleicht war die Milch aufgrund meiner Mangelsituation einfach nicht mehr nahrhaft genug, oder vielleicht reichte sie mengenmäßig nicht mehr aus. Jedenfalls hörte David nicht deshalb mit dem Trinken auf, weil er sich durch die andere Kost optimal ernährt fühlte. Denn er geriet sehr bald nach dem Abstillen in eine Mangelsituation. Er war psychisch unausgeglichen, hatte an den Bäckchen und an den Waden sehr rauhe Haut, kippte beim Laufen öfters um und machte zunehmend Schwierigkeiten beim Essen. Erst lehnte er alles Gemüse, alle Salate und auch Wildkräuter ab, zwei Wochen später dann alle Nüsse und auch andere pflanzliche Proteine, noch später auch Früchte. Als er selbst Bananen -sein Grundnahrungsmittel!- wieder ausspuckte, machte ich mir ernstlich Sorgen. Ich grübelte und grübelte. Ein Kind verweigert doch nicht freiwillig die Nahrung - seine wichtigste Lebensgrundlage - und verhungert. Konnte es sein, daß in der Nahrungsauswahl, die ich ihm anbot, irgendein Produkt fehlte, das er jetzt offensichtlich brauchte? Das Getreide hatte ich bis jetzt immer ausgeklammert, weil ich selbst es in keiner Weise vertrug. Nun probierte ich es bei David mit verschiedenen Getreidesorten, eingeweicht, gekeimt und vorgekaut. Aber er lehnte alles ab, er hatte schon tagelang nichts gegessen und nahm immer mehr ab. Ich telefonierte mit einer bekannten Familie, die sich und ihre Kinder auch seit fünf Jahren mit veganer Rohkost ernährte. Ich bekam die Auskunft, daß meine Freundin mit ihrem jüngsten Sohn im Krankenhaus sei, beide wegen akutem Vitamin B 12-Mangel. Ich war erschrocken. Mir war zwar klar gewesen, daß die B 12-Versorgung bei veganer Rohkost problematisch ist. Aber ich hatte für mich das Problem insofern gelöst, als wir regelmäßig die Spirulina-Algen zu uns nahmen, die laut Literatur sehr viel B 12 enthalten. Was also konnte David fehlen?

Zu diesem Zeitpunkt fiel mir das Buch von Guy-Claude Burger „Die Rohkosttherapie“ wieder ein, das ich vor vielen Jahren einmal gelesen hatte, und das ich voller Ekel vor den rohen tierischen Produkten, die Burger in die Ernährung miteinbezieht, damals schnell weggelegt hatte. Sollte hierin doch ein Fünkchen Wahrheit liegen? Nun, einen Versuch war die Sache wert, ich kaufte Eier im Naturkostladen und bot David ein rohes Eigelb an. Und - oh Wunder - nach einer Woche Nahrungsverweigerung öffnete er den Mund, schluckte den ersten Löffel und sagte „Ach“! („Ach“ sagte er immer dann, wenn ihm etwas besonders gut schmeckte.) Er aß das ganze Eigelb auf, ein paar Stunden später noch einmal eins. Ich bot ihm das rohe Rindfleisch an, das ich immer für unseren Kater kaufte, David verweigerte es aber. Bei meinen verschiedenen Versuchen mit rohen tierischen Produkten verwirrte mich immer, daß David konsequent rohes Fleisch und rohen Fisch ablehnte, obwohl er es doch offensichtlich brauchte. Übertrugen sich da meine Widerstände und mein Ekel auf ihn? Oder war es nur der ungewohnte Geruch/Geschmack? Verfälschte tierische Produkte wie rohen Schinken oder luftgetrocknete rohe Salami nahm er hingegen an. Ich hatte sie ihm aus lauter Verzweiflung angeboten, da er noch immer fast alles ablehnte. Jedenfalls war deutlich, daß es ihm besser ging, nachdem er tierische Produkte gegessen hatte, psychisch und physisch. Er aß danach auch wieder besser, sowohl Obst als auch Gemüse, und er nahm endlich wieder zu. Kummer bereitete mir jedoch noch die Tatsache, daß er von dem Salz im rohen Schinken oder in roher Wurst so aufdrehte, daß er abends erst sehr spät einschlief und nachts öfters aufwachte und weinte. Um wieder einen Zustand vollkommenen Wohlbefindens bei ihm zu erreichen, blieb mir also keine andere Lösung als ihn allmählich an unverfälschte tierische Produkte wie rohes Fleisch und rohe Meeresfrüchte zu gewöhnen. Rohen Fisch lehnte er lange Zeit ganz konsequent ab, rohes Fleisch von Orkos lernte er jedoch nach und nach zu akzeptieren, wenn ich es mit roher Rindersalami zusammen vorkaute und ihm dann in gekauter Form anbot. Daß dieses Vorkauen von rohem Fleisch für mich eine ungeheure Überwindung bedeutete, da ich ja fast mein ganzes Leben lang überzeugte Vegetarierin gewesen war, das kann sich bestimmt jeder Leser ganz gut vorstellen.

David und ich waren beide Lernende auf dem Weg der instinktiven Rohkost – wir brauchten beide dringend Fleisch, und es blieb uns nichts anderes übrig, als uns an den Geschmack zu gewöhnen. Die rohe, luftgetrocknete Rindersalami von "Futura" half uns im ersten Jahr der instinktiven Rohkost dabei, unser Ekelgefühl zu überwinden.

Nachdem ich beobachtet hatte, wie sehr viel besser es David ging, nachdem er Fleisch bekommen hatte, war ich von der Notwendigkeit tierischer Produkte fest überzeugt. Ich hatte nämlich im Laufe der Jahre so viele Mangelsymptome an mir selbst diagnostiziert, die mich an der Richtigkeit der veganen Rohkost zweifeln ließen. Ich fuhr gemeinsam mit David und einer Freundin für eine Woche ins Schloß Montramé nach Frankreich, besuchte dort einen Kurs mit Franz Konz, sprach mit Herrn Burger und unternahm alles, um diese Frage "Tierisches – Ja oder Nein?" für mich endgültig zu klären. Bereichert um viele Erfahrungen und mit dem Kassetten-Kurs "Instinktive Rohkost 1" von Herrn Burger in der Tasche kehrte ich nach Hause zurück. Meine Entscheidung war eindeutig: Jetzt ernähren wir uns rein nach dem Instinkt, mit möglichst großer Auswahl und mit möglichst hochwertigen Produkten. Fleisch, Algen, Nüsse, Samen und Trockenfrüchte bestellte ich nun regelmäßig bei Orkos, ab und zu auch tropische Früchte. Landesfrüchte und Gemüse kaufte ich weiterhin im Naturkosthandel oder bei Biobauern aus der Umgebung. [zu Orkos siehe untenstehender Hinweis].

Sobald ich bemerkte, daß David bei Produkten aus dem Naturkosthandel keine Sperre hatte, wechselte ich in diesem Bereich sofort auf Orkos-Produkte. Das Hauptnahrungsmittel von David waren nun nicht mehr Bananen, sondern Sesam. Natürlich konnte er Sesam noch nicht alleine kauen, ich mußte also vorkauen. Können Sie sich vorstellen, wie lange es dauert, diese kleinen, harten Samen zu einem Brei zu kauen, um diesen dann einem hungrigen Kleinkind zu füttern, das mit geöffnetem Mund geduldig wartet, bis endlich wieder ein Löffel fertig gekaut ist? Es ist sehr mühsam und zeitaufwendig, ein Baby und Kleinkind mit instinktiver Rohkost zu ernähren, darüber sollte sich jede Mutter im klaren sein, die dies plant. Es ist auf keinen Fall einfacher, als ein Kind mit Kochkost zu ernähren. Wie oft ist man verzweifelt, weil das Kind hungrig ist, aber gerade das Produkt nicht findet, das es braucht. Eine ausreichende Auswahl an natürlichen Lebensmitteln ist sehr, sehr wichtig. Nichts und niemand könnte meinen Sohn David dazu bewegen, ein Produkt zu essen, das sein Körper gerade nicht braucht. Die vielen Vorstellungen von Müttern über das, was ihr Kind jetzt eigentlich essen sollte, müssen alle vergessen werden. Das Kind wählt in vollkommener Freiheit das aus, was es zu diesem Zeitpunkt gerade braucht.

Was mich trotz aller Mühe, trotz der Probleme der Nahrungsbeschaffung, der hohen Kosten und der sozialen Probleme dazu bewogen hat, bei der instinktiven Rohkost zu bleiben, ist die Tatsache, daß sie sowohl David als auch mir sehr gut bekommt. Wir sind gesund und ausgeglichen, schlafen gut, genießen unsere Mahlzeiten und haben keinerlei Probleme mit Allergien oder anderen Krankheiten. Auch Kinderkrankheiten sind bei David noch nicht aufgetreten. Er ist ein sehr glückliches, liebes Kind, was von anderen immer wieder bestaunt wird.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit mit instinktiver Rohkost

Damit unser David nicht allein als Kind unter drei Erwachsenen aufwachsen muß, hatte ich den Wunschtraum, noch ein drittes Kind zu bekommen, sozusagen als Spielkamerad für David. Diesem Wunschtraum standen viele Widerstände entgegen:

  1. mein Alter (ich war im Mai 1996 40 Jahre alt geworden)
  2. die Erinnerung an die schwere Schwangerschaft mit David, an die Quälerei mit dem Essen, die Übelkeit, den ständigen Hunger
  3. meine begrenzte Kraft, von der ich mir nicht sicher war, ob sie noch einmal ausreichte für Schwangerschaft, Geburt und die anstrengenden ersten Jahre der Baby- und Kleinkindpflege
  4. unsere verschmutzte Umwelt, das Ozonloch, die Atomgefahr, die Überbevölkerung und dergleichen Bedingungen mehr, die es heutzutage allen Eltern schwer machen, sich für ein Kind zu entscheiden

Trotz all dieser Widerstände siegte mein Gefühl und damit das "Ja" zum dritten Kind. Ich hatte nach einem halben Jahr mit der instinktiven Rohkost schon so viel Vertrauen in diese neue Kost gewonnen, daß ich mir sicher war, in einer Schwangerschaft mit instinktiven Rohkost weniger Probleme mit dem Essen zu bekommen. Seit ich tierische Produkte in meine Ernährung miteinbezog, hatte ich wieder einen regelmäßigen Zyklus und eine Menstruation. Ich konnte also mein drittes Kind ganz exakt planen, wurde sofort zum gewünschten Zeitpunkt schwanger und konnte mir nun auch den Geburtstermin genau ausrechnen. Es gab keine Unsicherheit wie bei David, kaum Übelkeit, keinen unstillbaren Hunger, ja, es wurde eine komplikationslose, schöne Schwangerschaft. Ich konnte in dieser Schwangerschaft beobachten, daß es mir nur dann schlecht ging, wenn ich dringend tierisches Eiweiß brauchte. Ohne Fleisch hätte ich mir diese dritte Schwangerschaft niemals vorstellen können, ich hatte manchmal ein solch tiefes Loch im Magen, das ich nur mit Fleisch stopfen konnte. Am Anfang der Schwangerschaft aß ich neben meiner veganen Rohkost ab und zu getrockneten Fisch, vom 4.-7. Monat Fleisch (natürlich nur von Orkos), gegen Ende der Schwangerschaft wieder eher Fisch. Oft habe ich mich gefragt, wie ich es in der Schwangerschaft mit David nur habe schaffen können ohne tierisches Eiweiß. Natürlich bin ich auch in dieser dritten Schwangerschaft nicht zum Arzt gegangen und habe das Kind auch wieder allein zu Hause geboren, ohne Arzt oder Hebamme.

Am 6. Mai 1997 kam meine kleine Sarah zur Welt, vier Tage vor Davids 3. Geburtstag. Sie wurde unter Wasser geboren, bei Kerzenschein nachts in der Badewanne. Es war eine schöne, sanfte, heilige Geburt, nach nur 3½ Stunden Wehen. Mein Mann und meine große Tochter hockten vor der Badewanne und erlebten dieses Ereignis mit: SCHÖPFUNG... Nie habe ich diese Gnade so intensiv gespürt, an Gottes gewaltiger Schöpfung teilhaben zu dürfen, selbst neues Leben hervorzubringen. Es war eine unbeschreibbare Atmosphäre in unserem Badezimmer, ich hockte mit unserem neugeborenen Baby im blutroten Badewasser, mein Mann und meine Tochter davor, alle drei bewunderten wir schweigend unser neues Familienmitglied. Ich blieb noch eine Stunde im Wasser, ließ Sarah lange an der Brust trinken, wartete auf die Nachgeburt, die etwa eine halbe Stunde nach Sarah kam. Es war eine sehr schöne Geburt, wirklich schmerzhaft waren die Wehen nur in der letzten ¾ Stunde.

Sarah kam mit dichten, langen, dunklen Haaren zur Welt, die nach der Geburt auch nicht aus- fielen. Sie ist ein sehr selbstbewußtes Baby, das genau weiß, was es will und dies dann auch lautstark durchsetzt. Nachts will sie dicht neben mir an der nackten Brust schlafen und trinken dürfen, wann immer sie Bedarf hat. Tagsüber schläft sie am liebsten draußen im Garten an der frischen Luft. Wenn sie wach ist, strampelt sie gern ohne Windel und bewegt sich ganz frei. Ich habe sie den ganzen Sommer über mittags nackt in der Sonne strampeln lassen, den Kopf im Schatten. Sarah hat ein gutes Gespür dafür, was natürlich ist und was nicht. Im Tragesack nah bei der Mutter zu sein ist für sie viel natürlicher als im Kinderwagen zu liegen. Auch meine beiden anderen Kinder habe ich getragen, da schaffe ich es bei Sarah auch noch. Schon in der ersten Lebenswoche hat Sarah auch Obst angenommen, anfangs nur Mango, später auch Banane oder Cherimoya. Ansonsten wird sie voll gestillt.

Jetzt (Anfang November 1997) ist meine Sarah ein halbes Jahr alt. Sie ist gesund und sieht wohlgenährt aus, ein ruhiges, zufriedenes und fröhliches Baby. Sarahs Körper ist sehr rein und somit auch sehr empfindlich gegen naturfremde Nahrung. Mache ich einen Fehler bei der Ernährung, so reagiert sie sofort: entweder mit Schluckauf, oder mit verstopfter Nase, oder mit tränenden Augen. Ich muß ganz konsequent nur absolut naturbelassene Nahrungsmittel essen, damit es uns beiden gutgeht. Wenn ich für eine Weile kein tierisches Eiweiß esse, bekommen wir auch Probleme: Sarah wird von meiner Milch nicht mehr satt, ist unzufrieden, quengelig und schlecht zum Schlafen zu bringen. Dann weiß ich, daß ich wieder Fleisch brauche. Leider funktioniert das mit dem Instinkt bei mir beim Fleisch nicht. Es riecht mir fast nie gut, ich muß es vom Kopf her entscheiden, wann ich welches brauche (je nach meinem bzw. Sarahs Mangelzustand). Bei mir entstehen nach längerer Zeit veganer Rohkost folgende Mangelsymptome: Rauhe, rissige und faltige Haut im Gesicht und an den Händen, häufiges Frieren, die Haare werden grau und fallen aus, ich bin im Gesicht sehr blaß und habe dunkle Ringe unter den Augen, fühle mich allgemein überfordert und bin psychisch unausgeglichen. Bei David wirkt sich der Mangel an tierischem Eiweiß vor allem auf psychischer Ebene aus: Er wird unausgeglichen, bekommt Wutanfälle, schreit viel herum und beißt seine große Schwester (obwohl er sonst überhaupt nicht aggressiv ist).

Abschließende Bemerkungen

Für alle veganen Rohköstler möchte ich betonen, daß ich während unserer zwei Jahre mit instinktiver Rohkost immer wieder versucht habe, für eine Weile wieder nur mit veganer Rohkost auszukommen. Es hat nie lange funktioniert, wir brauchen auch dann tierisches Eiweiß, wenn wir viele ungewaschene Wildkräuter essen. Es ist mir ein Rätsel, wie Franz Konz das langfristig schafft. Aber er ist auch nicht schwanger und stillt nicht. Vielleicht braucht man als schwangere und stillende Mutter ja einfach mehr Eiweiß und Vitamin B 12.

Trotzdem bleibt die vegane Rohkost ein Traum für mich. Sie ist die Ernährungsform, die ich immer noch gerne verwirklichen würde, vor allem aus ethischen Gründen. Ich habe Achtung vor jeder Kreatur und möchte nicht daran schuld sein, daß Tiere sterben müssen. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann wieder, ohne Tierisches auszukommen, wenn ich kein Kind mehr ernähren muß.