Die Eichung des Ernährungsinstinkts

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Dieser Artikel wendet sich an Personen, die sich vor kurzem auf die Ernährung mit instinktiver Rohkost umgestellt haben und gibt Hinweise, wie die Signale des Ernährungsinstinkts einzuordnen sind.

Einleitung

Wenn man sich im Erwachsenenalter auf die Variante der Ernährung mit Rohkost umstellt, die den Ernährungsinstinkt und seine Manifestation über körperliche (und geistige) Signale einbezieht, dann steht man sofort vor der Frage, wie diese Signale einzuordnen sind. Wäre man von Geburt an mit Rohkost ernährt worden, dann hätte man die Interpretation dieser Signale intuitiv erlernt. Dieses Wissen muß nun mit dem Verstand erworben werden.

Es geht um grundlegende Fragen wie die folgenden:

  • Wie riecht eine Haselnuß im ganzen und im geschälten Zustand, wenn ich Bedarf habe?
  • Wie riecht eine Avocado im ganzen und im aufgeschnittenen Zustand, wenn ich Bedarf habe?
  • Ist es eine Sperre, wenn die Datteln auf einmal sonderbar aber immer noch akzeptabel schmecken?
  • Ist es eine Sperre, wenn eine Frucht faulig schmeckt?

Die folgenden Abschnitte widmen sich der Beantwortung dieser Fragen.

Einordnung von Gerüchen

Haselnüsse ganz und geschält

Jedes natürliche Lebensmittel mit Ausnahme der meisten Wassersorten weist im frischen Zustand einen Geruch auf, der auf einer gedachten Skala von kaum wahrnehmbar bis sehr stark liegen kann. Der Geruch nimmt in der Regel mit fortschreitendem Alter eines Lebensmittels ab, weil Geruchsstoffe flüchtige Substanzen sind, die nach einiger Zeit der Lagerung verdunsten. Es kann in einigen Fällen aber auch infolge fortschreitender chemischer Prozesse zu einer Zunahme des Geruchs kommen. Dies ist beispielsweise bei Fleisch festzustellen.

In jedem Fall stellt sich für einen Anfänger der Rohkost die Frage, wie ein gegebener Geruch einzuordnen ist. Grundsätzlich gibt das Regelwerk der instinktiven Ernährung darauf die Antwort, daß ein anziehender Geruch, der im besten Fall von Speichelfluß begleitet wird, einen körperlichen Bedarf an dem Lebensmittel signalisiert. Genaueres wird in dem Artikel Geruchssinn und instinktive Auswahl erläutert.

In der Praxis treten Lebensmittel allerdings nicht nur in frischem Zustand auf sondern werden wochen- oder monatelang gelagert. Ferner kann ein und das selbe Lebensmittel mitsamt der Schale oder geschält angeboten werden. Dies trifft sehr oft bei Nüssen zu. In allen diesen Fällen sind die geruchlichen Eindrücke verschieden. Wie findet man heraus, welcher Geruch als anziehend einzuordnen ist und welcher als uninteressant?

Wenn der geruchliche Eindruck stark und deutlich ist, beantwortet sich die Frage von selbst, denn was "lecker" (also anziehend) riecht, ist keine Frage des Wissens sondern des Gefühls. Wenn der Geruch nicht so eindeutig ist sondern schwach oder diffus, dann hilft einem der Geschmackssinn weiter. Man kostet das zu prüfende Lebensmittel also und kaut es einige Sekunden lang, jedoch, ohne es herunterzuschlucken. In den meisten Fällen ist die Frage nach dem Bedarf damit beantwortet, denn der Geschmack ist auch bei schwach riechenden Lebensmitteln in der Regel deutlich wahrnehmbar.

Bei mehrfacher Wiederholung dieses Verfahrens merkt man sich den Geruch und den zugehörigen Geschmack und kann nach einiger Übung ohne zu kosten feststellen, ob ein bestimmter Geruch einen Bedarf signalisiert oder nicht. Dies gelingt auch, wenn Lebensmittel in verschiedenen Varianten angeboten werden, also frisch, getrocknet, geschält, usw. Wenn man die gesamte natürliche Lebensmittelpalette auf diese Weise durchgegangen ist, dann hat man seinen Geruchssinn für die instinktive Rohkost geeicht.

Bei Lebensmitteln, die nur eine sehr kurze Saison haben, kann es erforderlich sein, das Verfahren im nächsten Jahr kurz zu wiederholen, weil die Erinnerung an die früheren Gerüche schon etwas verblaßt ist. Abgesehen davon gibt es von jedem natürlichen Lebensmittel in der Regel eine Vielzahl von Sorten, so daß es allein deswegen nötig sein kann, die Eichung zu wiederholen oder zumindest ein bißchen zu justieren.

Einordnung von Sperren

Avocados ganz und aufgeschnitten

Ein rohes Lebensmittel signalisiert stets, wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Mahlzeit mit ihm zu beenden. Die Signale sind um so deutlicher, je naturbelassener und wilder ein Lebensmittel ist. Genaueres ist dem Artikel Die instinktive Sperre zu entnehmen.

So wie der Geruchssinn muß auch der Geschmackssinn geeicht werden, wenn man sich instinktiv ernähren möchte. Grundsätzlich ist jedes negative Signal als Sperre einzustufen. Im Einzelfall kann es nicht leicht sein, eine Sperre, die sich in Form eines Umschlags des Geschmacks äußert, von einem natürlichen Geschmackseindruck zu unterscheiden. Beispielsweise kommt es bei Früchten oft vor, daß eine Sperre in Form eines Umschlags des Geschmacks ins Faulige eintritt. Auf der andere Seite gibt es Früchte, z.B. Datteln, Weintrauben und Hagebutten, die äußerlich einwandfrei sind, innerlich aber verfault sein können. Wie kann man hier die richtige Entscheidung treffen?

Das einfachste Verfahren besteht darin, den Mundinhalt auszuspucken und eine weitere Frucht zu probieren. Schmecken die nächsten 2-3 Früchte auch seltsam oder faulig, dann hat man fast mit Sicherheit das Ende der Mahlzeit erreicht, insbesondere, wenn vor dem ersten Auftreten dieses Geschmacks keine oder fast keine faulige Frucht dabei war.

Wenn sich ein seltsamer Geschmack überhaupt nicht einordnen läßt und nicht schlecht genug ist, um mit dem Essen aufzuhören - dies kann speziell bei Datteln am Anfang vorkommen - dann kann man je nach Temperament entweder vorsichtshalber mit dem Essen aufhören und am nächsten Tag den selben Bestand neu probieren oder weiteressen und schauen, was dann passiert. Spätestens, wenn der Magen voll ist, muß es deutliche Signale geben, die Mahlzeit zu beenden. Stellt man nach der Mahlzeit Symptome der Überlastung an sich fest, dann kann man den unklaren Geschmack im Nachhinein als Sperre einordnen und sich bei allen zukünftigen Mahlzeiten danach richten. Das letztere Verfahren sollte man nur benutzen, wenn einem die verzehrten Lebensmittel bekannt sind, siehe auch Vorsichtsmaßnahmen bei unbekannten rohen Lebensmitteln. Selbst dann verbleibt ein gewisses Risiko, daß die Überlastung zu sehr unangenehmen Symptomen führt.

Auch bei den Sperren ist es nötig, die gesamte natürliche Lebensmittelpalette in allen Stadien von frisch über angetrocknet bis angefault durchzugehen und alle geschmacklichen Signale sorgfältig zu prüfen, bis man seinen Geschmackssinn geeicht hat und seine Signale sicher einzuordnen imstande ist.

Zusammenfassung

Nach der Umstellung auf natürliche Ernährung in der Variante der instinktiven Rohkost ist es nötig, die Signale des Ernährungsinstinkts, die sich u.a. über den Geruchs- und Geschmackssinn manifestieren, zu eichen, um sie zukünftig sofort richtig einordnen zu können. Diese Eichung erfordert es, naturbelassene Lebensmittel aller Arten in möglichst vielen Variationen zu sich zu nehmen und kann daher einige Jahre in Anspruch nehmen.