Funktionsbereich und Grenzen von Instinkten

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Dieser Artikel behandelt die Gründe dafür, warum natürliche Instinkte unter einigen Umständen nicht zu funktionieren scheinen und erklärt, was getan werden kann, damit sie es wieder tun.

Falsche Annahmen über Instinkte

Für angeborene Instinkte gibt es einen natürlich vorgesehenen Funktionsbereich und es gibt, insbesondere in der heutigen unnatürlichen Lebensumgebung, Bereiche, in denen die Instinkte kaum noch oder nicht mehr funktionieren. Über diese Bereiche gibt es eine Vielzahl von falschen Schlußfolgerungen, die oft wie folgt formuliert werden:

  • "Ich esse ganz instinktiv, mein Braten und meine Pizza riechen und schmecken für mich gut"
  • "Schokolade muß gesund sein, die Tiere fressen sie doch auch, wenn man sie ihnen anbietet"

Wo steckt hier der Fehler? Die Erklärung ist sehr einfach.

Der Ernährungsinstinkt hat sich in Jahrmillionen der Evolution herausgebildet, parallel zur Entwicklung der einzelnen Spezies. Im überwiegenden Teil dieser Evolution hat der Mensch seine Nahrung im rohen, unmanipulierten Zustand verzehrt. Die Tiere haben niemals mit Manipulationen angefangen, weil ihnen dazu der abstrakt denkende Verstand fehlt. Gekochte oder gegrillte Nahrung gab es in der Urzeit höchst selten, beispielsweise, wenn alle paar Jahre einmal ein Waldbrand zustandekam und an den Übergangszonen zwischen völliger Verkohlung und dem Ende der Brandzone halb gegrillte Kleintiere herumlagen, die ein Mensch oder ein Tier sammeln konnte, siehe dazu der Artikel Was ist 100% Rohkost?

Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß Mutter Natur uns mit Instinkten ausgestattet hat, die uns vor Situationen warnen, die in der Urzeit nie oder sehr selten auftraten und in ihrer Seltenheit keine Gefahr darstellten. Im Gegenteil würde eine derartige Austattung einen permanenten Energieaufwand erfordern, dem fast kein Nutzen gegenübersteht. Solcherlei Energieverschwendung wird von der Evolution sehr schnell wegoptimiert.

Beispiele für fehlgeleitete Instinkte

Beispiele für das Verlassen des Funktionsbereichs von Instinkten gibt es zahlreich:

  • Paviane, die sich denaturierte Nahrung von Müllkippen verschaffen und an typischen Zivilisationskrankheiten erkranken
  • denaturiert ernährte fette und kranke Haustiere
  • Kinder die vors Auto laufen
  • Waschbären, die sich bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes in Kanada an den Mülltonnen vergriffen, Karies bekamen und schließlich mit völlig zerstörtem Gebiß verhungerten (die Mülltonnen mußten dann verschlossen werden)
  • Vergiftungen mit Chemikalien
  • Paniksituationen, in denen alle Menschen zu einem einzigen von mehreren Notausgängen laufen und diesen verstopfen

Daraus lassen sich speziell für die Ernährung folgende Schlußfolgerungen ziehen:
Der Ernährungsinstinkt kommt nicht damit zurecht, daß gekochte, gegrillte oder anderweitig manipulierte Nahrung häufig und in großen Mengen zur Verfügung steht. Es gibt keinen Warnmechanismus, der uns oder unsere Mitgeschöpfe im Tierreich vor übermäßigem Verzehr von Kochkost warnt. Mit "übermäßig" ist hier alles gemeint, was die Häufigkeit eines Waldbrandes alle paar Jahre überschreitet.

Instinkt und Lebensmittelqualität

Aus der Tatsache, daß der Ernährungsinstinkt nicht für gekochte und anderweitig manipulierte Nahrung funktioniert, kann also nicht geschlossen werden, daß er gar nicht funktioniert. Er funktioniert sehr gut - aber nur für das Angebot an Nahrung, mit dem er sich entwickelt hat, nämlich rohe und unmanipulierte Nahrung bester Qualität.

Warum die hohe Anforderung an Qualität? Weil es in der Urzeit immer nur "bio" gab: künstlich gedüngte und mit Chemikalien gespritzte Lebensmittel existierten nicht. Damit hat erst der Mensch in der Ackerbauphase angefangen, die es seit ca. 12.000 Jahren gibt, genauer gesagt in den letzten 100 Jahren des Ackerbaus. Eine Anpassung an diese neuen Techniken konnte in dieser für die Evolution sehr kurzen Zeitspanne nicht erfolgen, genau so wenig wie eine Anpassung an das Rauchen von Tabak erfolgen konnte. Hätte eine Anpassung stattgefunden, wären alle Kochköstler und Raucher gesund. Das Gegenteil ist der Fall.

Unnatürliche Situationen

Die Funktionsfähigkeit des Ernährungsinstinkts endet also in Situationen, die es in der Evolution der Menschheit nie gab und die daher als unnatürlich zu betrachten sind. Analog kommt ein Mensch instinktiv auch nicht mit anderen unnatürlichen Situationen zurecht, zum Beispiel wenn ein tonnenschweres Metallgeschoß namens Auto oder Zug auf ihn zurast. Es gibt für diesen Fall keinen Instinkt für Gefahr, wie viele Eltern aus leidvoller Erfahrung bestätigen können. Anders dagegen, wenn ein tonnenschweres Nashorn auf einen zukommt. Für diesen Fall gibt es einen Instinkt für Gefahr und jeder Mensch wird ohne nachzudenken sofort versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.

Diese Überlegungen gelten in besonderem Maße für Kinder, die noch sehr instinktgesteuert leben und mit dem Verstand lange nicht so viel manipulieren wie die Erwachsenen. Man kann also von einem Kind nicht erwarten, daß es ein näherkommendes Auto instinktiv als gefährlich erkennt, und genau so wenig kann man erwarten, daß es ein Schnitzel mit Pommes Frites als ungeeignete Nahrung erkennt und zurückweist. Es wird im Gegenteil auf die manipulierte Nahrung in fast allen Fällen hereinfallen und davon große Mengen essen, weil keine Mengenbegrenzung der Nahrungsaufnahme durch den Ernährungsinstinkt stattfindet.

Die Tatsache, daß Instinkte in unnatürlichen Situationen nicht funktionieren, hat dazu geführt, daß die kochende Menschheit ein grenzenloses Mißtrauen gegenüber ihren eigenen Instinkten und der Natur entwickelt hat. Dieses Mißtrauen ist so verbreitet, daß die Menschheit versucht, alles mit dem Verstand zu regeln, ganz besonders auch ihr soziales Leben. Jedoch entzieht sich dieser Bereich trotz des Vorhandenseins tausender Gesetze der Regelung durch den denkenden Verstand, abzulesen an unzähligen gescheiterten Beziehungen über Familiendramen bis hin zu allfälliger Kriminalität und Kriegen, die auch in dem Jahr, in dem dieser Artikel entstand, immer noch an mehreren Orten auf der Erde geführt werden. Das ist die Tragik einer Menschheit, die ihre eigene Unfähigkeit, gemäß den natürlichen Gesetzen zu leben, auf die Natur projiziert.

Verlassen der Falle

Der richtige Weg, um die Instinkte wieder zum Funktionieren zu bringen, besteht darin, unnatürliche Situationen auszuschließen bzw. zu vermeiden. Eine Falle, die man sich oder anderen Menschen mit dem Verstand gestellt hat, nämlich das Manipulieren von Nahrung oder das Schaffen unnatürlicher Situationen, kann man nur unter Einsatz des Verstandes wieder verlassen. Es ist nicht möglich, daß einem die Instinkte aus dieser Falle heraushelfen. Speziell für Eltern bedeutet dies, daß nur sie in der Lage sind, ihren Kindern aus der Falle der denaturierten Nahrung zu helfen - die Kinder sind dazu bis zu einem Alter von ungefähr 6-16 Jahren, wenn der denkende manipulierende Verstand und die eigene Einsichtsfähigkeit sich entwickeln, nicht imstande. Erwachsene benehmen sich, was ihre Ernährung angeht, oft ebenfalls wie kleine Kinder und sind unwillig, ihren Verstand einzusetzen, um die Falle der manipulierten Nahrung zu verlassen. Dies führt zu dem häufig beobachteten Phänomen des Abrutschens in die gekochte Ernährung. Dieses Problem kann man nur durch Disziplin und den Einsatz des Willens meistern.

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