Rohkost im Winter

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Dieser Artikel behandelt die Besonderheiten, die zu beachten sind, wenn man sich in einem kalten Winter zu 100% von Rohkost ernähren möchte.

Winter 2010 2011.jpg

Umstellung des Stoffwechsels

Mechanismen der Energiegewinnung

Allen Zellen des menschlichen Körpers dient ATP (Adenosintriphosphat) als universeller Energielieferant. Es gibt unterschiedliche Wege, auf denen der Körper ATP bereitstellen kann:

  • über den Kohlenhydrat-Stoffwechsel (aerob oder anaerob)
  • über den Fett-Stoffwechsel (aerob)

Kohlenhydrate bilden in fast allen heutigen Kulturen ganzjährig die Basisernährung. Bei den meisten Menschen wird ATP also hauptsächlich über den Kohlenhydrat-Stoffwechsel bereitgestellt. Dies war mit Sicherheit nicht immer so. So fand man in der Urzeit während der Wintermonate in gemäßigten Klimazonen keine Früchte, die als reichhaltige Kohlenhydratlieferanten dienen konnten. Der Körper hat folglich seine Energie in dieser Zeit höchstwahrscheinlich hauptsächlich über den Fett-Stoffwechsel gewonnen. Dazu können körpereigene Reserven genutzt werden, aber auch fettreiche Nahrungsmittel, die im Winter zur Verfügung stehen.

Der Zustand der Ketose

Ketonkörper

Bei der ausschließlichen oder überwiegenden Energiegewinnung aus Fetten enstehen die sogenannten Ketonkörper Acetessigsäure (Acetacetat), Aceton und β-Hydroxybuttersäure (Hydroxybutyrat). Sie können sowohl im Blut als auch im Urin nachgewiesen werden. Der Körper befindet sich dann im Zustand der sogenannten "Ketose". Dies ist bei gesunden Menschen ein normaler Zustand, der sich bei Rohköstlern, die sich gemäß den klimatischen Bedingungen ernähren, während der Wintermonate von selbst einstellt. Diese an die winterlichen Umstände angepaßte Ernährungsform wird ketogene Ernährung genannt. Da sie fast nur aus Fetten und Eiweißen besteht, ist ihre wärmende Wirkung von allen Varianten der Rohkost die größte.

Es ist möglich, dass die Umstellung zunächst zu einer vermehrten Entgiftung führt, die sich durch Kopfschmerzen und Müdigkeit bemerkbar machen kann. Eine mögliche Erklärung dafür ergibt sich aus einer Studie, die belegt, dass Ketonkörper den durch Chaperone vermittelten Abbau von Zellbestandteilen (= Autophagie) stimulieren: Ketone bodies stimulate chaperone-mediated autophagy. Chaperone sind Proteine, die neu synthetisierten Proteinen helfen, sich richtig zu falten. Ketone sind also u.a. bei der Entfernung ausscheidungspflichtiger Substanzen wie denaturierten Proteinen von Bedeutung.

Ausdauersportler werden kaum Symptome durch die Umstellung bemerken, weil Ausdauertraining die Enzyme des Fett-Stoffwechsels unabhängig von Ernährung und Jahreszeit aktiviert. Sauerstoffkapazität, Mitochondriendichte und kapillarer Blutfluss sind Parameter, die ebenfalls durch das Training verbessert werden und die Fettverbrennung erleichtern.

Die Umstellung auf Fettverbrennung kann zu einer Gewichtsreduktion führen. Werden genügend Proteine mit der Nahrung zugeführt, kann es sogar zu einer Gewichtszunahme kommen: Durch den sinkenden Insulinspiegel, steigt automatisch der Spiegel des Wachstumshormons, das für optimales Muskelwachstum verantwortlich ist. Das ist vor allem für schlanke Menschen, die nicht weiter an Gewicht verlieren wollen, von Bedeutung. Auch sie verfügen über Fettreserven, die genutzt werden können, obwohl dies nicht immer ersichtlich ist.

Nach der Umstellung des Körpers auf Fettverbrennung führt auch die seltene Zufuhr einer größeren Menge an Kohlenhydraten nicht gleich zu einer Umstellung auf einen ausschließlichen Kohlenhydrat-Stoffwechsel. In der Tat kann es vorkommen, daß einen der Instinkt ab und zu zu Honig oder anderen kohlenhydratreichen Lebensmitteln hinführt.

Geänderter Nährstoffbedarf

In diesem Abschnitt werden typische Beobachtungen beschrieben, die Rohköstler bezüglich ihres Nährstoffbedarfs im Winter machen. Er ändert sich gegenüber der warmen Jahreszeit erheblich.

Erhöhter Bedarf an Fett und Kohlenhydraten

Generell stellt man im Winter einen erhöhten Bedarf an Fett und Kohlenhydraten fest und zwar um so mehr, je tiefer die Temperaturen sinken. Gleichzeitig kann es passieren, daß einem mittags Obst kaum noch schmeckt und man Lust auf etwas Herzhaftes hat. In diesem Fall ist es sinnvoll, Früchte nur noch gelegentlich auf den Speiseplan zu setzen und mittags leicht verdauliche aber fetthaltige Nahrung wie Avocados, Oliven, Safus, Nüsse, Samen, usw. zu verzehren. Schwer verdauliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch und Eier ißt man am besten abends.

Alternativ kann man mittags überwiegend konzentrierte Kohlenhydrate verzehren, beispielsweise Cashewkerne, Bananen, Erdmandeln, Honig, Johannisbrot oder Durian und abends fetthaltige Nahrung zu sich nehmen. Es sei darauf hingewiesen, daß diese Möglichkeit ein Kunstgriff ist, der erst durch die seit einigen Jahrzehnten bestehenden, weltweiten Transporte verwirklicht werden kann. Ohne Transporte hätte man in den deutschsprachigen Ländern Europas, an die sich dieses Wiki hauptsächlich wendet, nur noch wenige winterliche Landesfrüchte wie Hagebutten, Mehlbeeren und Eiben und auch diese nicht den ganzen Winter lang. Da Verdauung aber immer gleich abläuft, egal wie das Wetter ist, funktioniert es, sich im europäischen Winter zumindest teilweise von konzentrierten tropischen Früchten zu ernähren.

Der gestiegene Bedarf an Kohlenhydraten und Fett läßt sich recht einfach durch deren wärmende Wirkung erklären. Wenn alles richtig läuft, spürt man die wärmende Wirkung einer abendlichen Mahlzeit, die viel Fett enthielt, bis zum Mittag des nächsten Tages. Ferner sollte eine mittägliche Mahlzeit mit konzentrierten Kohlenhydraten bis über den Beginn der Abendmahlzeit hinaus wärmen. Es sollte also eine nahtlose Wärmewirkung geben.

Erhöhter Wasserbedarf

Verschiedene Mineralwässer

Bei starker Kälte sinkt die Luftfeuchtigkeit in Räumen, die konventionell, also per Konvektion beheizt werden, so stark, daß man vermehrt Wasser trinken muß, um dies zu kompensieren. Es ist der selbe Effekt, der bei Flugreisen zu einem erhöhten Wasserbedarf führt. Wenn man ferner, so wie im vorigen Punkt beschrieben, im Winter weniger Obst und mehr Nüsse verzehrt, dann steigt der Wasserbedarf allein deswegen, weil man weniger wasserhaltige Lebensmittel zu sich nimmt. Nüsse gehören, wenn sie nicht mehr frisch sind, zu den Trockenprodukten: man muß gewissermaßen das Wasser, das bei der Trocknung verdunstet ist, wieder ergänzen.

Bedarf an Vitamin D

Wegen der im Winter seltener und nur noch schwach scheinenden Sonne kann es zu einem Bedarf an Vitamin D kommen, den man sonst kaum feststellt, weil Vitamin D durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Abhilfe schafft hier der Verzehr von fettem Fisch, insbesondere Innereien davon, siehe dazu Vitamin-D-Gehalt von Lebensmitteln. Ein starker Mangel an Vitamin D zeigt sich durch brüchige oder nur noch wenig belastbare Knochen und kann bei Kindern auftreten, die mit einer mangelhaften Rohkost-Variante ernährt werden, insbesondere veganer bzw. vegetarischer Rohkost. Da Kinder ihre Nahrungsbedürfnisse nicht so gezielt äußern können wie Erwachsene, entdeckt man solche Mängel meist erst, wenn Schwierigkeiten auftreten.

Fehler in der Rohkost-Praxis

Dieser Abschnitt behandelt Fehler in der Praxis der Ernährung mit Rohkost, die sich im Winter besonders deutlich zeigen.

Mangelhafte Rohkost

Mangelhafte Rohkost-Varianten haben eine starke Tendenz, im Winter zu scheitern, insbesondere vegane/vegetarische Rohkost und Früchte-Rohkost. Der Grund dafür liegt darin, daß sie den Körper nicht mit den Nährstoffen versorgen, die er braucht und in einem kalten Winter daraus ein schwerwiegendes Überlebensproblem wird. Bevor es soweit kommt, zieht der Körper die Notbremse und der mangelhaft ernährte Rohköstler findet sich in der Kochkost wieder. Wenn die Rohkost in einem harten Winter zu 100% klappen soll, ist es wichtig, stets die gesamte Lebensmittelpalette einzubeziehen und keine Lebensmittel aus ethischen oder anderen verkopften Gründen auszuschließen.

Körperliche Symptome

Hier werden Symptome beschrieben, die Rohköstler im Winter oft bei sich beobachten, und Gegenmittel genannt, soweit sie bekannt sind.

Rauhe und rissige Haut

Im Winter kann es im Zusammenhang mit der niedrigen Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen zu folgenden Symptomen kommen:

  • rauhe oder sogar rissige Haut, speziell an Händen und Füßen
  • rauhe und/oder aufspringende Lippen
  • eingerissene Mundwinkel

Diese Symptome weisen auf Fehler in der Rohkost-Praxis hin. Folgende Ursachen konnten bisher festgestellt werden:

  • Überlastung mit Nährstoffen (führt schnell zu rauher Haut, vor allem an den Händen)
  • Schlechte Kombinationen, speziell die bei vielen Rohköstlern beliebten Zucker-Eiweiß-Kombinationen
  • Mangel an Vitamin A
  • Mangel an B-Vitaminen, speziell Vitamin B2, Niacin und Vitamin B6
  • Mangel an langkettigen Fettsäuren

Stellt man solche Symptome nach dem ersten Jahr Rohkost immer noch fest, ist es sinnvoll, die eigene Praxis auf Schwachstellen zu prüfen.

Frieren

Frieren hat meistens folgende Ursachen:

Man kann gegensteuern, indem man vermehrt konzentrierte Lebensmittel in den Speiseplan aufnimmt. Ferner ist es ratsam, jegliche Überlastungen zu vermeiden, da sie dazu führen können, daß die wärmende Wirkung einer Mahlzeit vermindert ist. Das bedeutet, daß man desto mehr friert, je mehr man sich vollstopft.

Wenn diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Ergebnis führen, dann hilft nur noch dick einpacken und die Heizung aufdrehen. Meist frieren Anfänger nur im ersten Winter mit der neuen Ernährung.

Gewichtszunahme

Schon im Herbst kann es passieren, daß man zunimmt. In den meisten Fällen wird dies eine unsichtbare Zunahme sein, d.h. der Körper legt sich überall verteilt Fettpolster zu, die aber genau so wie bei Tieren nicht dazu führen, daß man seine Form verliert. Dies ist ein normaler biologischer Vorgang. Im Frühling werden diese Fettpolster in der Regel abgebaut. Bei Rohköstlern, die noch nicht gut entgiftet sind und ihre Rohkost-Praxis nicht gut im Griff haben, kann es im Winter zu starken Freßphasen und erheblichem Übergewicht kommen. Auch dies ist jedoch nicht als negatives Phänomen zu betrachten, sondern als sinnvolle körperliche Reaktion. Um sie zu mildern, ist es hilfreich, die Nahrungsauswahl zu verbessern und ggf. verstärkt auf die Lebensmittel-Qualität zu achten.

Geistige Symptome

Winter-Depression

Zum Ende des Winters in Europa hin, also in den Monaten Februar und März, kann es passieren, daß man infolge des ständigen Mangels an starkem Sonnenlicht niedergeschlagen (=depressiv), antriebslos und trotz ausreichendem Schlaf müde ist. Wenn sich diese Symptome nicht durch den Verzehr von hoch Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln beheben lassen, dann ist es vermutlich am sinnvollsten, sich intensiver Sonnenstrahlung auszusetzen. Genaueres ist in dem Artikel Sonnenlicht ausgeführt.

Sonstige Besonderheiten

Dieser Abschnitt beschreibt sonstige Besonderheiten und Erfordernisse, die im Zusammenhang mit roher Ernährung im Winter auftreten.

Rohe Lebensmittel und Frost

Eiben

Es ist wichtig, darauf zu achten, daß rohe Lebensmittel, die man bei Temperaturen unter null Grad im Freien mit sich führt, nicht anfrieren oder gefrieren, da dies eine Denaturierung darstellt, siehe dazu auch Denaturierte Lebensmittel. Als frostfest haben sich bisher folgende Lebensmittel erwiesen:

Feldsalat

Bei mäßig langen Aufenthalten im Freien (bis zu vier Stunden), kann man das Prinzip der Kühltasche umkehren und seine Lebensmittel in einer Kühltasche unterbringen, in die man vorgewärmte Kühlakkus legt.

Informationen im Internet