Sonnenlicht

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Dieser Artikel behandelt die Rolle des Sonnenlichts für die menschliche Gesundheit.

Einleitung

Sonnenlicht hat ähnliche Eigenschaften wie stoffliche Lebensmittel, weil es im Körper die Bildung von Hormonen und anderen Substanzen bewirkt. Es wird daher im Rahmen einer Ernährung mit Rohkost als Lebensmittel betrachtet, das man in gewissen Mengen zu sich nehmen sollte. Genauer gesagt kommt ihm die Rolle eines Vitamins zu, weil es nicht möglich ist, langfristig ohne Sonnenlicht gesund zu leben.

Eigenschaften

Spektrum

Das Sonnenspektrum außerhalb der Erde reicht von Röntgenstrahlung (Wellenlänge 0,1nm) bis hin zu Radiowellen (Wellenlänge 10mm und mehr). Es wird durch die Atmosphäre der Erde gefiltert und reicht nach dieser Filterung nur noch von mittlerer UV-Strahlung (UVB, 280 bis 315 nm), naher UV-Strahlung (UVA, 315 bis 380nm) über das für Menschen sichtbare Licht bis zu langwelliger Infrarotstrahlung (2250 nm). Davon macht die Infrarotstrahlung 49% aus, der sichtbare Bereich 46% und die UV-Strahlung 5%. Das sichtbare Licht reicht von Rot (680nm) bis Blau (400nm) und hat sein Maximum bei einer Wellenlänge von 500nm, die wir als "Grün" bezeichnen. Dieses Maximum hat zur Folge, daß die meisten Pflanzen, deren Stoffwechsel auf der Nutzung von Sonnenlicht beruht, Blätter mit dieser Farbe bilden. Der Infrarot-Anteil des Sonnenlichts wird von Menschen und Tieren als wärmend empfunden.

Während die natürliche, also nicht verunreinigte, Atmosphäre der Erde aufgrund ihres Gehaltes an Sauerstoff, Wasserdampf und anderen Bestandteilen bestimmte, schädliche Anteile des vollständigen Sonnenspektrums herausfiltert, unter anderem die ferne UV-Strahlung (UVC, 200 bis 280nm), filtert die durch Abgase verschmutzte Atmosphäre auch nützliche Anteile heraus, u.a. die UVB-Strahlung. Dies hat zur Folge, daß man unter der Abgasglocke einer größeren Stadt kaum UVB-Licht abbekommt.

Sonnenstand

Sonnenlicht

Die (scheinbare) Höhe der Sonne über dem Horizont wird als Sonnenstand bezeichnet. Er hängt von der Tageszeit, der Jahreszeit und dem Standort auf der Erde ab. Nahe dem Äquator erreicht der höchste Sonnenstand ganzjährig das Maximum von 90°, d.h. die Sonne steht mittags senkrecht - man wirft keinen Schatten mehr. In Europa schwankt der höchste Sonnenstand des Tages in Abhängigkeit von der Jahreszeit zwischen 15° (Winter) und 62° (Sommer).

Der Sonnenstand hat starke Auswirkungen auf das Spektrum des auf der Erdoberfläche ankommenden Sonnenlichts. Je niedriger er ist, desto mehr verschiebt sich das Spektrum in Richtung Rot. Daher wird die Farbe der untergehenden Sonne von uns mit "rot" bezeichnet. Das bedeutet, daß bei niedrigem Sonnenstand nur noch die langwelligen Rot- und Infrarot-Anteile des Sonnenspektrums auf der Erdoberfläche ankommen. Der Blau- und UV-Anteil des Spektrums ist bei niedrigem Sonnenstand stark reduziert oder gar nicht mehr vorhanden.

Diese physikalischen Gegebenheiten haben zwei Folgen:

  1. Im Winter enthält das Sonnenlicht in Europa keine UVB-Anteile.
  2. Im Sommer sind nur in der Zeit von 10-14 Uhr MEZ (bzw. 11-15 Uhr Sommerzeit) UVB-Anteile im Sonnenlicht enthalten.

Der UVB-Anteil des Sonnenlichts hat weitreichende Folgen für die biochemischen Prozesse im menschlichen Körper, die im folgenden Abschnitt erörtert werden.

Auswirkungen auf den Menschen

Eine Bestrahlung mit Sonnenlicht hat vielfältige Wirkungen auf den menschlichen Körper. Zu diesen gehören:

  • Die Hormonproduktion der Epiphyse (Zirbeldrüse), einem Organ des Gehirns, wird direkt beeinflußt. Lichteinfall auf die Netzhaut des Auges löst Nervenimpulse aus, die über das Sehzentrum des Gehirns zur Epiphyse weitergeleitet werden. Bei Tageslicht bildet diese aus der Aminosäure Tryptophan das Serotonin, ein Gewebshormon und Botenstoff der Nervenzellen. Serotonin beeinflußt unter anderem die Stimmung, die Nahrungsaufnahme, die Schmerzwahrnehmung und die Körpertemperatur. Aus Serotonin wird während der Dunkelheit Melatonin gebildet, das die Fortpflanzungsorgane und die Gefäßmuskulatur beeinflußt und im Körper zur intrazellulären Abwehr beiträgt.
  • Im Körper wird aus Cholesterin 7-Dehydrocholesterol gebildet und zur Haut transportiert. Durch UVB-Strahlung mit einer Wellenlänge von 290 bis 305nm wird diese Verbindung in Cholecalciferol (Calciol), auch Vitamin D3 genannt, umgewandelt. In der Leber entsteht aus Vitamin D3 Calcidiol, aus welchem durch eine weitere Umwandlung Calcitriol, die physiologisch aktive Form des Vitamin D3, entsteht. Vitamin-D-Hormone sind unter anderem an der Regulierung des Calcium- und Phosphat-Stoffwechsels beteiligt. Sie sind von großer Bedeutung für das Wachstum und die Erhaltung des Skeletts und der Zähne. Eine ausreichend hohe Versorgung des männlichen Körpers mit Vitamin D hat positive Auswirkungen auf die Testosteronwerte; bei Frauen steigt in gleicher Weise der Östrogenspiegel.
  • Sonnenlicht besitzt eine ähnlich stoffwechselfördernde Wirkung wie körperliches Training: Herz- und Atemfrequenz sowie Blutdruck sinken nach einer Reihe von Sonnenbädern, während die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und zu transportieren sowie Ausdauer, Energie und die Fähigkeit, Streß zu bewältigen, steigen.
  • Sonnenlicht beschleunigt die Ausscheidung toxischer Substanzen wie Blei, Quecksilber oder Cadmium und hat einen Einfluß auf die Bereitstellung und Nutzung für die vom Körper benötigten Spurenelemente.

Vitamin D-Produktion und -Mangel

Bei ausreichend hohem Sonnenstand enthält das Sonnenspektrum einen kleinen Anteil an UVB-Licht, das, wie bereits beschrieben, zur Bildung von Vitamin D in der Haut führt. Hellhäutige Menschen bilden in der Sonne sehr schnell ausreichend Vitamin D, bei dunkelhäutigen dauert die Bildung der gleichen Dosis um ein Vielfaches länger. Aufgrund der Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre wird man auch im Halbschatten braun.

Ein Mangel an Sonnenlicht, hat zur Folge, daß sich, insbesondere zum Ende des Winters hin, also im späten Februar oder im März, das Symptombild der Winter-Depression einstellen kann: man ist antriebslos und von der Stimmung her niedergedrückt. Ferner kann es, vor allem bei Kindern, dazu kommen, daß die Belastbarkeit der Knochen so stark sinkt, daß auffällig oft Brüche auftreten. Beide Symptome lassen sich zu einem großen Teil auf einen Mangel an Vitamin D zurückführen.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2012 ergab, daß 57 bis 64% der untersuchten Gruppen der Bevölkerung Deutschlands einen leichten bis schweren Mangel an Vitamin D hatten. Die Ergebnisse können hier nachgelesen werden:

Ersatz für fehlendes Sonnenlicht im Winter

Lebensmittel

Verschiedene rohe Lebensmittel können im Winter die durch Sonnenstrahlung gebildeten Substanzen zum Teil ersetzen:

  • Das durch Sonnenlicht aus Tryptophan gebildete Serotonin ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten, u.a. in Walnüssen, Ananas, Bananen, Kiwis, Pflaumen, Tomaten, Kakaobohnen und Brennesseln.
  • Melatonin ist in geringen Mengen in Tomaten, Karotten, Sellerie, Reis, Gerste, Mais und dem Fleisch von Wirbeltieren enthalten.
  • Vitamin D ist nur in wenigen Lebensmitteln vorhanden und dies auch nur in geringen Mengen, so in fettreichem Fisch, Innereien, Pilzen und Eiern: Vitamin-D-Gehalt von Lebensmitteln. Eine Ausnahme bildet die Leber fettreicher Fische, die sehr hohe Gehalte an Vitamin D aufweist.

Wechsel des Aufenthaltsortes

Eine große Zahl von Menschen in den kalten Ländern Europas flüchtet im Winter intuitiv oder bewußt in den Süden, insbesondere in tropische Länder wie Thailand oder von der Sonnenstrahlung her vergleichbare Regionen wie etwa die kanarischen Inseln. Berechnungen haben ergeben, daß bei einem hellhäutigen Menschen durch einen 10-minütigen Aufenthalt in der steil stehenden Sonne das 50-fache an Vitamin D in der Haut produziert wird, wie durch die Nahrung aufgenommen wird. Es genügt also ein relativ kurzer Urlaub (geschätzt 5-7 Tage) in einem südlichen Land, in dem man täglich die Sonne nutzt, um die Speicher an Vitamin D zu füllen und mindestens für die nächsten Wochen wieder gut versorgt zu sein.

Solarium

Sonnenbank

Wenn der Wechsel des Aufenthaltsortes aus finanziellen oder anderen Gründen nicht möglich ist, bleibt als preiswerte aber nicht gleichwertige Alternative die künstliche Sonne im Solarium. Selbstverständlich ist das Spektrum des Lichts im Solarium nicht identisch mit dem Spektrum der Sonne und inwieweit dies zu Schwierigkeiten führen kann, ist bisher nicht hinreichend erforscht. Es ist aber geeignet, die Vitamin-D-Produktion wieder in Gang zu bringen, weil es einen Anteil an UVB-Strahlung enthält.

Aufgrund der UV-Schutzverordnung vom 20.7.2011 sind mittlerweile alle Geräte in einem Sonnenstudio auf eine maximale UV-Leistung von 0,3 W/m² begrenzt. Diese Strahlungsleistung entspricht der der Sonne am Äquator um 12 Uhr mittags. Wegen der Begrenzung auf 0,3 W/m² spielt es kaum eine Rolle, welche Geräte-Klasse man wählt, weil das Spektrum und die Abgabe von UV-Strahlung sich nur wenig voneinander unterscheiden. Man ist mit dem günstigsten Gerät meist am besten bedient.

Bei der Wahl der Verweildauer im Solarium ist zu beachten, daß man im Gegensatz zu einem Aufenthalt im Freien stets von allen Seiten bestrahlt wird, so daß man im Vergleich zu einem Sonnenbad mindestens einen Faktor von 2 für die Intensität ansetzen muß.

Rohkosttipps und Erfahrungen

Anziehung und Sperre

Sonnenlicht läßt sich genau so dosieren wie jedes stoffliche Lebensmittel, d.h. es hat bei Bedarf eine große Anziehungskraft und es hat eine Sperre. Letztere besteht meistens darin, daß die Haut anfängt, zu stechen oder sich in anderer Weise unangenehm anzufühlen. Es ist anzuraten, diese Signale sofort zu beachten und sich in den Schatten zu begeben oder sogar die Haut mit Kleidung zu bedecken, da anderenfalls ein Sonnenbrand mit den üblichen Folgen droht, das Gegenstück zu einer Überlastung mit einem stofflichen Lebensmittel. Dieser Hinweis gilt auch für einen Besuch im Solarium.

Allmähliche Steigerung der Dosis

Unter natürlichen Bedingungen nimmt die Stärke der Sonne und die Länge der Tage zum Sommer hin langsam zu, so daß die Haut Zeit hat, sich an die zunehmende Stärke der Strahlung anzupassen und einen Schutz aufzubauen. Wenn man von schwacher, winterlicher Sonne durch einen Urlaub oder durch einen Besuch im Solarium unmittelbar in intensive Sonnenstrahlung wechselt, dann hat die Haut diese Zeit nicht.

Es ist dann sinnvoll, die Dauer des Aufenthaltes in der intensiven Sonne langsam zu steigern. Wenn man sich natürlich ernährt und seinen Instinkten folgt, ergibt sich dies von selbst, weil die Haut deutliche Signale gibt, wann die Strahlung ihr zuviel wird.

Künstliche Hilfsmittel beim Sonnenbad

Die Verwendung von Sonnencremes und -ölen ist nicht angezeigt, weil diese zahllose giftige Stoffe enthalten. Sonnencremes stehen in Verdacht, die Hauptursache für das vermehrte Auftreten von Hautkrebs zu sein. Andere Körperpflege-Mittel wie Cremes, Öle und Parfüms können durch die Sonnenstrahlung chemisch zersetzt werden und ihre ohnehin vorhandene Giftigkeit dadurch enorm erhöhen. Es ist aus diesen Gründen sinnvoll, ein Sonnenbad nur dann zu nehmen, wenn zuvor keinerlei Substanzen auf die Haut aufgetragen wurden. Das gilt selbstverständlich auch für einen Besuch im Solarium.

Vitamin-D-Vorrat für den Winter

Es kann vorkommen, daß man im Hochsommer ein starkes Bedürfnis spürt, in der Sonne zu sein, speziell in der steil stehenden Mittagssonne. Wie aus den vorangehenden Abschnitten hervorgeht, ist es in Europa nur von Mai bis September und nur in der Zeit von 10-14 Uhr MEZ möglich, durch den UVB-Anteil des Sonnenlichts in der Haut Vitamin D zu bilden und zwar so viel, daß der Körper die nicht benötigten Überschüsse im Fettgewebe speichert. Man legt durch häufige Aufenthalte in der Mittagssonne also einen Vorrat für den Winter an und das Bedürfnis, dies zu tun, ist als natürlich einzustufen.

Die Erfahrungen einiger Rohköstler deuten darauf hin, daß die Speicher für Vitamin D nicht für den gesamten Winter in Europa reichen und zwar auch dann nicht, wenn man sie im Sommer durch reichlichen Aufenthalt in der steil stehenden Sonne gefüllt hat. Es ist vermutlich zum Ende des Winters hin nötig, sie durch den Verzehr von hoch Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln (Fischleber) oder durch einige Aufenthalte in der tropischen Sonne bzw. im Solarium aufzufüllen.

Referenzen

Artikel

Rohkost im Winter

Literatur

Michael F. Holick und Mark Jenkins: Schützendes Sonnenlicht.
Die heilsamen Kräfte der Sonne.
Haug Sachbuch 2005, 144 Seiten. ISBN 3-830-42208-3
Buchbesprechung und Kapitelübersicht
Buch Michael Holick Schuetzendes Sonnenlicht.JPG
Dr. Zane R. Kime: Sonnenlicht und Gesundheit.
Waldthausen 1995, 355 Seiten. ISBN 3-926453-06-0
Buchbesprechung und Kapitelübersicht
Buch Dr. Zane R. Kime Sonnenlicht und Gesundheit.JPG
Thomas Klein: Sonnenlicht.
Das größte Gesundheitsgeheimnis. Sonnenmangel und seine schwerwiegenden Folgen.
Hygeia 2007, 357 Seiten. ISBN 3-939-86502-8
Buchbesprechung und Kapitelübersicht
Buch Thomas Klein Sonnenlicht.JPG

Informationen im Internet