Ursachen für Schwierigkeiten in der Rohkost-Praxis

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In der Praxis der Ernährung mit Rohkost kann es zu Schwierigkeiten kommen, die sich nach einer gewissen Zeit in Form von Mangelerscheinungen oder anderen gesundheitlichen Störungen äußern. Oft scheitert man schon vorher regelmäßig mit der Rohkost, d.h. man findet sich an einzelnen Tagen oder phasenweise in der üblichen gekochten Ernährung wieder, dann Ausnahme oder Rückfall genannt. In diesem Artikel werden die verschiedenen Problemursachen ausführlich erörtert. Sie sind nach absteigender Häufigkeit ihres Vorkommens geordnet.

Mangelhafte Rohkost

Beschreibung
Der häufigste Ursache für Schwierigkeiten bei der Praxis der Rohkost ist zweifellos eine mangelhafte Rohkost, d.h. eine Rohkost-Praxis, die bestimmte Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen aus der vollständigen natürlichen Lebensmittelpaletten ausschließt oder deren Verzehr einschränkt. Besonders häufig wird vegane oder vegetarische Rohkost praktiziert, aber es gibt auch Rohkost-Varianten, die tropische Lebensmittel ausschließen, nur Früchte erlauben, bestimmte prozentuale Verhältnisse für den Verzehr von Lebensmittelgruppen vorschreiben sowie zahlreiche weitere Varianten.

Bei Kindern treten Mängel schneller auf als bei Erwachsenen. Wenn sie keinen freien Zugang zu Lebensmitteln haben, kann eine mangelhafte Rohkost bei ihnen zu schweren und sogar lebensbedrohlichen Gesundheitsproblemen führen.

Erkennung
Theoretisch ist die Erkennung einer mangelhaften Rohkost ganz einfach: man muß lediglich prüfen, ob man aus der rohen Lebensmittelpalette vorsätzlich oder unabsichtlich einzelne Lebensmittel oder Gruppen von Lebensmitteln ausschließt. Ein guter Anhaltspunkt dafür ist folgendes Phänomen: wenn man von bestimmten Lebensmitteln sehr große Mengen verzehrt und danach Überlastungs-Erscheinungen feststellt, obwohl man die instinktive Sperre genau eingehalten hatte, dann ist man in der Kompensation. Genaueres dazu weiter unten in diesem Abschnitt.

In der Praxis ist es allerdings fast immer so, daß die Rohköstler, die sich mangelhaft ernähren, der festen Überzeugung sind, daß es gute Gründe für den Ausschluß von bestimmten Lebensmittel gebe oder sogar, daß gewisse Lebensmittel nicht zur natürlichen Lebensmittelpalette des Menschen gehörten. Da in der heutigen Zeit in der Tat mit Hilfe menschlicher Kunstgriffe diverse rohe Lebensmittel erzeugt werden, die in der Evolution der Menschheit niemals zur Verfügung standen, beispielsweise Tiermilch, hochgezüchteter Weizen, genmanipulierte Tomaten, durch Bestrahlung erzeugte Mutationen und einiges mehr, ist es wichtig, sich über die natürliche Lebensmittelpalette der Menschheit Klarheit zu verschaffen. Ausführliche Überlegungen zu dieser Frage finden sich in dem Artikel Was Rohkost ist und nicht ist.

Der menschliche Körper, genauer gesagt der Ernährungsinstinkt, versucht grundsätzlich, sich alle Nährstoffe, die er benötigt, zu beschaffen. Wenn er einen Mangel bemerkt, und das geschieht in der Regel sehr frühzeitig, dann sendet er Signale, die den Menschen veranlassen sollen, sich ein Lebensmittel zu beschaffen, das die nötigen Nährstoffe enthält. Geschieht dies nicht, werden die Signale mit größer werdendem Mangel immer stärker, bis schließlich unkontrollierbare Gelüste auftreten. Es kann soweit gehen, daß man sich halb bewußtlos an der Würstchenbude oder beim Bäcker wiederfindet und alles in sich hineinstopft, was zu haben ist. Der Ernährungsinstinkt kann nämlich nur die Lebensmittel heranziehen, die er kennt, und das sind in den meisten Fällen denaturierte Lebensmittel. Wenn man sich erst als Erwachsener auf Rohkost umgestellt hat, erfordert es eine lange Lernzeit, bis der Ernährungsinstinkt bei jedem auftretenden Mangel zielgerichtet rohe Lebensmittel verlangt, siehe dazu die Überlegungen im Abschnitt Falsche Programmierung der Instinkte.

Bis dahin muß man alle Gelüste nach denaturierter Nahrung in rohe Lebensmittel "übersetzen". Eine besondere Rolle spielen dabei sehr konzentrierte Lebensmittel. Diese sind im System der Kochkost häufig anzutreffen (z.B. Hamburger, Süßigkeiten) und ihr übermäßiger Verzehr führt mit schöner Regelmäßigkeit zu Übergewicht. In der Rohkost kommen konzentrierte Lebensmittel nicht so häufig vor und es bedarf einiger Erfahrung mit der rohen Lebensmittelpalette, um sie zu finden.

In allen Fällen ist es für den Übersetzungsprozeß gekocht => roh hilfreich, die hauptsächlichen Nährstoffe von Lebensmitteln zu kennen. Einige typische Übersetzungen sind in folgender Tabelle angegeben.

Gelüst auf entsprechendes rohes Lebensmittel benötigter Nährstoff
Käse Salz, Fisch, Fleisch Salz, Eiweiß
Chips, Salzstangen, gesalzene Erdnüsse Salz Salz
Joghurt, Milch Fisch, Fleisch Fett, Eiweiß, Vitamin B12
Wurst, Braten, Döner Fleisch Fett, Eiweiß, Vitamin B12
Brot, Kuchen, Pizza, Nudeln Cashewkerne, Johannisbrot, Bananen Kohlenhydrate

Wer den Gelüsten nach denaturierter Nahrung widersteht, kompensiert den Mangel an bestimmten Lebensmitteln oft durch den übermäßigen Verzehr anderer Lebensmittel, die wenigstens geringe Mengen des benötigten Nährstoffs enthalten. Das sieht typischerweise so aus:

  • wenn grundsätzlich kein Wasser getrunken wird, werden dafür große Mengen an wasserhaltigen Früchten wie Wassermelonen, Tomaten, Orangen, Passionsfrüchten, usw. verzehrt
  • ein Mangel an tierischem Fett wird oft durch den Verzehr von riesigen Mengen an Avocados, Nüssen oder Oliven kompensiert
  • die Weigerung, Salz zu verzehren, führt zum kompensatorischen Verzehr großer Mengen salzigen Gemüses wie Sellerie oder Kräuter wie Petersilie und Kresse
  • ein Mangel an konzentrierten Kohlenhydraten führt zum übermäßigen Verzehr von zuckerhaltigen Früchten

Der kompensatorische Verzehr von Lebensmitteln kann ungeheure Ausmaße annehmen und geht oft einher mit starken Überlastungerscheinungen durch die nicht benötigten sonstigen Inhaltsstoffe der im Übermaß verzehrten Lebensmittel. Der Bedarf kann jedoch in den meisten Fällen trotz der großen Mengen nicht gedeckt werden und das Essen bleibt unbefriedigend.

Das Phänomen der Kompensation findet sich übrigens bei allen Lebewesen, weil es zur Überlebensfähigkeit gehört. So picken beispielsweise Vögel oft Kirschen an, wenn sie im heißen Sommer keine Wasserquelle finden.

Ursache
Die Ursache für eine mangelhafte Rohkost ist fast immer Mangeldenken. Nur in sehr wenigen Fällen ist den Rohköstlern, die sich mangelhaft ernähren, die vollständige rohe Lebensmittelpalette nicht bekannt. Mangeldenken ist ein direktes Ergebnis der Ernährung mit Kochkost und eines der am schwierigsten zu behebenden Probleme. Durch den Kochprozeß werden vielerlei lebensnotwendige Nährstoffe zerstört. Diese fehlen dem menschlichen Körper dann. Die Folge ist das oft zitierte "Verhungern bei vollen Tellern", d.h. obwohl quantitativ mehr Nahrung da ist als überhaupt verzehrt werden kann, fehlt es der vorhandenen Nahrung an Qualität in Form von wichtigen Inhaltsstoffen.

Ferner überträgt sich der Mangel vom Körper auf den Geist, denn der Geist ist, anders als oft angenommen, nicht nur im Gehirn lokalisiert, sondern in jeder Körperzelle. Ein Mangel auf körperlicher Ebene führt daher auf geistiger Ebene zu Mangeldenken. Der Geist reagiert dann auf den Mangel, indem er versucht, das, was benötigt wird, heranzuschaffen. Aus Mangel an Wissen über richtige Ernährung rafft der Geist alles an sich, was er bekommen kann. Erich Fromm hat für dieses Verhalten den Begriff "hortender Charakter" geprägt. Er ist heutzutage allgegenwärtig und man kann vermuten, daß das gegenwärtige Zeitalter des Materialismus auf ihn zurückzuführen ist. Auch hier bewahrheitet sich wieder die tiefgründige alte Weisheit "du bist, was du ißt".

Das Mangeldenken ist deswegen so schwer abzulegen, weil man sein bisheriges Verhaltensmuster zunächst einmal durchbrechen muß. Das bedeutet, daß man trotz möglicher materieller Schwierigkeiten, insbesondere finanzieller Probleme, erst einmal für eine gewisse Zeit eine breite Lebensmittelpalette hoher Qualität heranschaffen muß, damit auf der körperlichen Ebene alle Mängel behoben werden können, siehe dazu der Artikel Die Vielfalt in der rohen Ernährung. Wenn der Körper keinen Mangel mehr leidet, macht der Geist nach einer gewissen Zeit die Beobachtung, daß kein Mangel mehr vorhanden ist und gibt sein Mangeldenken auf. Ab diesem Zeitpunkt werden einem die benötigten materiellen Mittel mühelos zufließen, denn das Denken erschafft die Wirklichkeit.

In der Praxis beobachtet man meistens das entgegengesetzte Verhalten: es wird erst einmal eine mangelhafte Rohkost praktiziert und die Menschen hoffen, daß sie irgendwann einmal die nötigen Mittel haben werden, um sich eine breite Lebensmittelpalette hoher Qualität leisten zu können. Dieses Vorgehen ist ein Irrweg, weil die körperlichen Mängel nicht behoben werden und daher auch das Mangeldenken, das einer Verbesserung der finanziellen Situation im Weg steht, nicht wegzukriegen ist: man dreht sich im Kreis.

Behebung
Bei vorsätzlich eingeschränkter Lebensmittelpalette kann ein Mangel dadurch behoben werden, daß von den bisher "verbotenen" Lebensmitteln große Mengen verzehrt werden. Die schnellste und treffsicherste Möglichkeit ist hier das Beachten der Signale des Ernährungsinstinkts, siehe dazu den Artikel Geruchssinn und instinktive Auswahl.

Wenn der fehlende Nährstoff nicht bekannt ist, ist es meist hilfreich, seinen Gelüsten nach gekochten Ausnahmen zu folgen, sie jedoch in rohe Lebensmittel zu übersetzen, wie im Abschnitt "Erkennung" beschrieben. Wenn auch dies nicht zum Ziel führt, sollte die rohe Lebensmittelpalette erweitert werden und jedes Lebensmittel, das man schon länger als ein Jahr nicht verzehrt hat, beschafft und auf seine geruchliche Anziehungskraft geprüft werden. In der Regel führt dieses Verfahren nach kurzer Zeit zu - oft überraschenden - Entdeckungen und der Mangel kann behoben werden.

Bei bekannten Nährstoffen wäre es theoretisch möglich, den Mangel durch Präparate zu beheben. Diese sind jedoch nicht Bestandteil der Rohkost und nach allgemeiner Erfahrung weitaus weniger gut geeignet als natürliche Lebensmittel, die den gewünschten Nährstoff enthalten. Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, daß unsere Nahrung bisher unbekannte Nährstoffe enthält, die langfristig für die Gesundheit wichtig sind. Für diese Nährstoffe kann es kein Präparat geben. Man kann sie nur dadurch erhalten, daß man Nahrung in ihrem ursprünglichen Zustand zu sich nimmt.

Versehentliche Verwendung denaturierter Lebensmittel

Beschreibung
Eine große Zahl von Schwierigkeiten mit der Rohkost läßt sich auf denaturierte Lebensmittel zurückführen, die sich in die Auswahl eingeschlichen haben, z.B. zu heiß getrocknete Nüsse und andere Trockenfrüchte, mit Chemikalien behandelte oder erhitzte Trinkkokosnüsse, Fleisch von mit Getreide gefütterten Tieren, in heißen Bädern behandelte Tropenfrüchte, gefrorener Fisch, und so weiter.

Erkennung
Wenn man nach einiger Zeit mit der Rohkost versehentlich denaturierte Lebensmittel ißt, tritt fast immer ein Effekt auf, der "Faß ohne Boden" genannt wird: man kann essen und essen, ohne daß es ein Signal gibt, aufzuhören. Der Geschmack ändert sich meist nicht einmal dann, wenn der Bauch schon übervoll ist. Anders ausgedrückt: es gibt keine instinktive Sperre oder die Sperre tritt viel zu spät auf. Nach der ersten Mahlzeit ist man folglich überlastet. Ferner stellt man fest, daß die Mahlzeit trotz des vollen Bauches unbefriedigend war. Fährt man mit der Rohkost wie gewohnt fort, stellt man bei der nächsten Mahlzeit fest, daß die übliche Anziehung der rohen Lebensmittel kaum noch vorhanden oder ganz verschwunden ist. Insbesondere blockiert der Ernährungsinstinkt den Verzehr solcher Lebensmittel, die die selben Nährstoffe enthalten wie die denaturierte Mahlzeit.

Sofern man an dieser Stelle immer noch nicht merkt, was passiert ist, wird man feststellen, daß die Auswahlmöglichkeiten bei der nächsten Mahlzeit sich sehr verringert haben. Möglicherweise erscheint einzig das bei der vorigen Mahlzeit verzehrte denaturierte Lebensmittel als attraktiv. Dies kann dazu führen, daß man immer wieder von dem denaturierten Lebensmittel ißt: man ist in ein Faß ohne Boden hineingefallen. Zeitgleich zu diesen Mahlzeiten verschlechtert sich das Befinden. Schon längst vergessene Wehwehchen und Symptome melden sich wieder. Spätestens an dieser Stelle sollte man seine Auswahl kritisch prüfen und überlegen, ob und welche Lebensmittel nicht in Ordnung sind.

Die Kette der denaturierten Mahlzeiten kann sich, sofern man sie nicht bemerkt, bis zu einem vollständigen Abrutschen in die gekochte Ernährung fortsetzen. Dies deswegen, weil das Genußniveau mit jeder weiteren denaturierten Mahlzeit sinkt und ein Genuß schließlich nur noch mit gekochter Nahrung möglich erscheint.

Ursache
Fast immer schleichen sich denaturierte Lebensmittel ein, weil die zahlreichen Behandlungsmethoden des konventionellen und sogar des Biohandels nicht bekannt sind. Anfänger stehen oft fassungslos vor diesem Abgrund an Manipulation und Hinterhältigkeit und können kaum glauben, daß es so etwas nicht nur gibt, sondern daß es gängige Methoden sind. Das Phänomen läßt sich aber recht einfach erklären, wenn man weiß, daß der Rest der Menschheit roh eingekaufte Lebensmittel in fast allen Fällen denaturiert, bevor sie auf den Tisch kommen. Eine Denaturierung des Einkaufs schon vor dem heimischen Herd muß daher unbemerkt bleiben. In den wenigen Fällen, in denen rohe Lebensmittel auch roh verzehrt werden, erscheint eine leichte Denaturierung für jemanden, der sein Essen normalerweise kocht, sogar attraktiver als ein wirklich rohes Lebensmittel, denn man kann davon mehr essen, ohne daß es zu negativen Effekten kommt, die Rohköstlern als Sperre bekannt sind. Zwar legt sich fast niemand in der kochenden Welt Rechenschaft über seine Wahrnehmungen ab oder nimmt sie ernst. Aber alle Menschen meiden instinktiv negative Geschmackserlebnisse und bevorzugen daher Lebensmittel, die nicht mehr richtig roh sind und keine Sperre aufweisen.

Zu den Ursachen gehört ferner der Verzehr von Lebensmitteln, die nicht zur natürlichen Nahrungspalette der Menschheit gehören, insbesondere von Milch und Milchprodukten. In Rohkost-Kreisen gibt es viele irrige Vorstellungen über die natürliche Nahrungspalette des Menschen. Infolgedessen werden Milchprodukte von vielen Rohköstlern regelmäßig verzehrt. Der Effekt ist der selbe wie beim Verzehr denaturierter Lebensmittel: die Instinkte funktionieren nicht richtig, es kommt zu Überlastungen, Genußverlust und schließlich, wenn man die Ursache nicht findet, zum Abrutschen in die Kochkost.

Eine weitere Ursache besteht in Sparen an der falschen Stelle, also an der Qualität. Wenn man über die gängigen Manipulationsmethoden des Lebensmittelhandels informiert ist und trotzdem immer noch dort einkauft, dann ist es nicht verwunderlich, daß die Rohkost nicht funktioniert.

Behebung
Für die Rohkost ungeeignete Lebensmittel lassen sich ausschließen, indem man die ausführlichen Hinweise auf der Seite Für die Rohkost ungeeignete Lebensmittel beachtet und sich Lebensmittel hoher Qualität beschafft.

Suchtverhalten und schlechte Kombinationen

Beschreibung
In den ersten Monaten nach der Umstellung auf Rohkost kann sich ein starkes Verlangen nach der gewohnten denaturierten Nahrung bemerkbar machen, das zu Rückfällen führt. Viele der im Ernährungssystem der Kochkost verzehrten Nahrungsmittel sind starke Drogen, u.a. Kaffee, Tee, Schokolade aber auch alle Milch- und Getreideprodukte, siehe dazu der Artikel Getreide ist Opium für das Volk. Wenn man sie aufgibt, ist es nicht verwunderlich, wenn es zu Entzugserscheinungen und Suchtverhalten kommt. Diese Phänomene fallen um so stärker aus, je unbefriedigender und weniger erfreulich die neue Ernährungsform ist und je stärker man mit den bisherigen Drogen Defizite im Alltag wie etwa eine unerfreuliche Arbeit, Langeweile, usw. kompensiert hat.

Es gibt sogar Überlegungen, die gut begründet darlegen, daß unsere gesamte momentane Gesellschaftsform mit Staaten, Städten und hierarchisch gegliederten Gesellschaften aufgrund der Änderung unserer Ernährung vor rund 12.000 Jahren entstanden ist: Die Ursprünge der Landwirtschaft.

Erkennung
Suchtverhalten tritt meist nur in den ersten Monaten nach der Umstellung auf Rohkost auf. Danach verblasst die Erinnerung an die gekochten Mahlzeiten zunehmend.

Zunächst einmal gilt es, Suchtverhalten von einem echten Mangel zu unterscheiden, siehe dazu den Abschnitt Mangelhafte Rohkost/Erkennung. Wenn dies geschehen ist, kann es sehr hilfreich sein, seine Gefühle in Bezug auf eine anvisierte Ausnahme zu beobachten: möchte man sich das vertraute Gefühl nach einer gekochten Mahlzeit verschaffen oder ist es ein Gefühl, noch nicht richtig satt zu sein? Im ersten Fall liegt vermutlich echtes Suchtverhalten vor, im zweiten Fall fehlt wahrscheinlich ein Lebensmittel in der Nahrungspalette, das es herauszufinden gilt.

Viele Anfänger der Rohkost widerstehen tapfer den Gelüsten, die von der Kochkost ausgehen, schaffen sich dann aber einen Ersatz in Form von Zucker-Eiweiß-Kombinationen. Diese werden in einem eigenen Artikel behandelt: Die Bedeutung von Zucker-Eiweiß-Kombinationen. Wenn man sich als Anfänger häufig bei solchen Kombinationen ertappt, liegt vermutlich ein Suchtverhalten vor. In roher Form vermitteln Zucker-Eiweiß-Kombinationen ein ähnliches Körpergefühl nach einer Mahlzeit wie Kochkost, fühlen sich also für einen Anfänger wohlig-vertraut an.

Weitere Hinweise zu Lebensmittelkombinationen finden sich im Abschnitt Falsche Programmierung der Instinkte/Behebung.

Eine weitere Sucht-Falle stellt der Verzehr von Milchprodukten dar. Sie gaukeln dem Essenden aufgrund ihres hohen Exorphingehalts ein falsches Zufriedenheitsgefühl vor, das zu der Annahme verführt, man werde damit richtig genährt. Dies ist leider ein Fehlschluß. Es gibt viele Rohköstler, die suchtartig Milchprodukte verzehren und keinen Tag ohne sie auskommen. Milch und Milchprodukte sind jedoch nicht Bestandteil der rohen Nahrungspalette und führen bei langfristigem Verzehr zu einer starken Entzündungsneigung, Allergien und Problemen mit der Haut.

Ursache
Für echtes Suchtverhalten gibt es eine ganze Reihe von Ursachen, viele davon im psychischen Bereich. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Sehnsucht nach dem Körpergefühl nach einer gekochten Mahlzeit
  • Langeweile
  • Essen als Liebesersatz
  • Ersatz für die stimulierende Wirkung gekochter Drogen
  • Frustration
  • besser angepasstes Sozialverhalten

Alle diese Phänomene lassen sich unter dem Stichwort "Selbstbetrug" subsummieren, denn eine gekochte Ausnahme führt letztlich nicht zu der echten Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse wie eine richtig ausgewählte und kombinierte rohe Mahlzeit, und Bedürfnisse nach Liebe oder geistiger Abwechslung lassen sich durch Essen nicht stillen.

Behebung
Damit es nicht zu Suchtverhalten kommt, ist es wichtig, die Rohkost gleich von Anfang an so zu praktizieren, daß starke Genußerlebnisse auftreten. Nach den bisherigen Erfahrungen mit den verschiedenen Varianten der Rohkost-Ernährung ist dies am besten mit der instinktiven Ernährung möglich. Schon nach einer Übergangszeit von ein bis drei Wochen werden bei dieser Rohkost-Variante große Genüsse beobachtet, bis hin zu sogenannten himmlischen Phasen. Eine Rohkost, die als genußvoll und befriedigend empfunden wird, minimiert die Gefahr von Rückfällen und Ausnahmen erheblich.

Ferner sollten süchtig machende Kombinationen eliminiert werden, indem man einen der Mahlzeitenpläne strikt beachtet. Man sollte dies gleichzeitig mit der Umstellung auf Rohkost in Angriff nehmen, weil Fehler, die sich verfestigt haben, nur schwer korrigierbar sind. Ebenso ist es wichtig, für die Rohkost ungeeignete Lebensmittel wie Milchprodukte gänzlich aus der Ernährung auszuschließen.

Mittelfristig ist es wichtig, auf Selbstbetrug zu verzichten sowie für ein glückliches und erfülltes Leben zu sorgen. Weitere Gedanken dazu finden sich in dem Artikel Vom Schüler zum Meister der Rohkost.

Ablehnung und Konformitätsdruck von Freunden und Gesellschaft

Beschreibung
Die Umgebung reagiert meist ablehnend auf eine Person, die ihre Ernährung auf Rohkost umstellt. Es kann ein sehr hoher Druck entstehen, sich gesellschaftskonform (also gekocht) zu ernähren. Anfänger, die keine hohe Durchsetzungskraft haben, beugen sich diesem Druck in vielen Fällen und fallen kurzzeitig in die Kochkost zurück.

Auf der anderen Seite neigen Anfänger dazu, ihre Umgebung ungefragt zu missionieren. Dies ist verständlich, weil man die Menschen, die man liebt, über eine Erkenntnis, die so durchschlagend ist wie die Rohkost, informieren möchte, damit auch sie davon profitieren können. Es ist jedoch nicht möglich, jemandem zu helfen, der keine Hilfe wünscht, so schmerzlich dies für den Hilfswilligen im Einzelfall auch sein mag.

Erkennung
Gesellschaftlicher Druck, etwas Gekochtes zu essen, kann auf vielerlei Weise ausgeübt werden, beispielsweise als

  • Einladung zu einem Essen in einem Lokal
  • Zwang, das zu essen, was auf den Tisch kommt
  • eßbares Geschenk oder Mitbringsel
  • Einladung zum Anstoßen
  • Druck, nicht aus der Reihe zu tanzen

Ursache
Der Grund dafür, daß die soziale Umgebung meist Druck auf Rohköstler ausübt, liegt darin, daß die Entscheidungen, die man bezüglich der eigenen Ernährung trifft, lebenswichtig sind. Dies wissen oder spüren alle Menschen. Wenn nun jemand dieses Thema akut macht, indem er sich gesund ernährt (statt nur davon zu reden wie die meisten), dann haben die anderen nur noch zwei Möglichkeiten:

  • zuzustimmen, daß es richtig ist, sich roh zu ernähren und sich auch umzustellen
  • die Rohkost abzulehnen, für falsch zu erklären oder lächerlich zu machen

Da die meisten Menschen ihr Leben nicht gerne ändern, wählen sie fast immer die zweite Möglichkeit. Nur sehr wenige selbstsichere und offene Geister sind imstande, über dieses Thema, das jeden Menschen persönlich auf grundlegende Weise betrifft, neutral und interessiert zu diskutieren.

Nebenbemerkung:
Dieses Verhalten der Umgebung betrifft selbstverständlich auch Diskussionen in Internet-Foren, "soziale" Netzwerke im Internet und so weiter. Dies ist der Grund dafür, daß es bisher nicht möglich ist, einen die Rohkost neutral und angemessen darstellenden Artikel bei Wikipedia zu erstellen. Der Wikipedia-Artikel über die Rohkost strotzt nur so vor Kritik und unterschwelliger Ablehnung. Wenn man sich die Versionsgeschichte des Artikels anschaut, sieht man, daß sinnvolle Erweiterungen des Artikels immer wieder von den etablierten Autoren gelöscht oder rückgängig gemacht wurden. Die Literaturliste enthält fast nur ablehnende und der Rohkost negativ gegenüberstehende Werke. Von den überwiegend sehr guten Büchern zur Rohkost, die noch in der Version vom 23. Juni 2008 auf der Literaturliste standen, ist nur noch das weniger gute Buch von Helmut Wandmaker übrig geblieben. Es ist kaum anzunehmen, daß die Bearbeiter, die damals die Literaturliste verstümmelt haben, alle vorher verzeichneten Bücher gelesen haben. Wikipedia hat sich mit dem traurigen Zustand des Rohkost-Artikels selbst ein Armutszeugnis ausgestellt. Anders ausgedrückt: Meinungsfreiheit und frei zugängliche Information hören spätestens beim eigenen Teller auf. Das ist einer der Gründe, warum es dieses Wiki gibt.

Behebung
So lange man sich der neuen Ernährung noch nicht sicher ist, ist es eine gute Strategie, die Rohkost als Experiment darzustellen, das man gerade durchführt, um die eigene Gesundheit zu verbessern. Auch das Argument, daß man dadurch Beschwerden einer bestimmten Krankheit losgeworden ist, wird meist verstanden. Man sollte diese Aussagen aber immer nur auf sich selbst beziehen und nicht verallgemeinern. Anderenfalls fühlen sich die anderen schnell angegriffen und reagieren mit noch mehr Druck und Ablehnung.

Wenn man sich dagegen der neuen Ernährung schon recht sicher ist, ist es besser, klar in dem zu sein, was man sagt und tut. Also klare und bestimmte aber freundliche Ablehnung aller Versuche, einen zu einem gekochten Essen einzuladen. Ferner ist es sinnvoll, zu betonen, daß nur man selbst sich anders ernähren möchte; alle anderen können selbstverständlich machen, was sie für richtig halten. Gegenseitige Toleranz ist wichtig. Abfällige Bemerkungen über denaturiertes Essen auf den Tellern der anderen verbieten sich damit von selbst.

Denaturierte Nahrung als Geschenk lehnt man am besten freundlich aber bestimmt ab und wünscht sich stattdessen etwas Rohes. Bei Personen, die sich mit einer Ablehnung sehr schwer tun, kann man das Geschenk auch dankend annehmen, verbunden mit einem Hinweis auf die neue Ernährung und mit der Bitte, beim nächsten Mal etwas Rohes zu schenken.

Wenn man zum Essen eingeladen wird, nimmt man sein Essen am besten mit. Dies betrifft insbesondere instinktive Rohköstler, die meist nicht einmal selbst sagen können, was sie in wenigen Tagen oder einer Woche essen werden. Dies liegt in der Natur dieser Rohkost-Variante und ist nicht zu ändern. Man stellt sich also am besten darauf ein, indem man für sich selbst sorgt. Dies enthebt die anderen der Schwierigkeit, herauszufinden, wie sie es dem Rohköstler recht machen könnten. Natürlich sollte man schon bei der Einladung sagen, daß man sich nicht herkömmlich ernährt und sich daher selbst verpflegen wird. Bei Essen in Lokalen ist es fast immer möglich, einen leeren Teller zu bekommen und Mitgebrachtes zu essen, weil alle anderen Teilnehmer des Essens zahlende Gäste sind und der Wirt kaum auf die Idee kommen wird, die ganze Tischgesellschaft wegen eines Abweichlers vor die Tür zu setzen. Nebenbei bemerkt kann man auch als Rohköstler ein Glas Mineralwasser bestellen und vor dem Essen trinken. Falls es mit dem Wirt hart auf hart kommt, kann man eine Lebensmittelallergie vorschieben.

Das Anstoßen mit Sekt kann man sehr einfach umschiffen, indem man erklärt, keinen Alkohol zu trinken und um ein Glas gleichermaßen perlendes Mineralwasser bittet. Dies ist wegen der Suchtproblematik gesellschaftlich mittlerweile vollkommen akzeptiert.

Im Gespräch mit anderen hat es sich als sinnvoll erwiesen, nicht zu missionieren, sondern nur auf Fragen zu antworten. Dabei am besten keine ausschweifenden Antworten geben, kurz und knapp antworten und schauen, ob weitere Fragen kommen. Ausführliche Antworten sollte man nur geben, wenn der andere immer wieder nachhakt und tiefes Interesse zeigt. Wenn man nicht alles zum wiederholten Male (die Fragen sind immer die selben) von A-Z erklären möchte, kann man auf ein Buch oder das Rohkost-Wiki verweisen.

Ferner ist es im Gespräch eine gute Methode, die Rohkost und alle an ihr hängenden Schlußfolgerungen bezüglich der Lebensweise nicht als letzte Wahrheit darzustellen (das ist sie auch nicht), sondern nur als die bisher beste eigene Erkenntnis. Auch hier also Befragung statt Behauptung, siehe dazu den Artikel Behauptungszustand und Befragungszustand.

In wenigen Fällen kann es erforderlich sein, sich von belastenden Personen oder Umständen zu trennen oder die Hilfe eines Therapeuten einzuholen.

Verwechslung von kurzfristig und langfristig funktionierender Ernährung

Beschreibung
Viele Menschen sind durch schwere Krankheit zu Rohköstlern geworden und haben sich auf diese Weise geheilt. Die meisten von ihnen setzen die Variante der Rohkost, mit der sie gesund geworden sind, langfristig fort und stellen dann oft fest, daß dies nicht funktioniert. In einigen Fällen glauben Rohköstler, daß sie die Lebensmittel, die sie zu ihrer Heilung in großen Mengen verzehrt haben (sogenannter "therapeutischer Bedarf"), weiterhin in diesen Mengen essen müssen, um gesund zu bleiben.

Erkennung
Dieser Fehler läßt sich sehr leicht erkennen, weil man nur überlegen muß, ob man die Rohkost immer noch genau so praktiziert wie zu der Zeit, in der man erkrankt war und sich auf Rohkost umgestellt hat.

Ursache
Die Ursache für dieses Problem ist Symptom-Ursache-Denken: man glaubt, daß genau diese Ernährung für die Heilung nötig war, während es in Wirklichkeit meist so ist, daß

  • schon das Weglassen der üblichen teils hochgiftigen denaturierten Lebensmittel zur Heilung führt
  • das Absetzen von giftigen Medikamenten erheblich zur Heilung beiträgt (Beispiel: Kopfschmerztabletten, die man regelmäßig einnimmt, verursachen selbst wieder Kopfschmerzen. Dies steht ausdrücklich so auf den Beipackzetteln)

Ferner ist es in den meisten Fällen so, daß der Körper für die Heilung bestimmte Stoffe in großen Mengen benötigt, während er für das normale Leben danach ganz andere Stoffe braucht.

Behebung
Es ist in der Regel nicht so, daß eine Variante der Rohkost, die kurzfristig zur Heilung geführt hat, langfristig ebenfalls funktioniert. Im Gegenteil, da die meisten Rohkost-Varianten mangelhaft sind, eignen sie sich nicht für die langfristige Rohkost-Praxis. Langfristig funktioniert nach der übereinstimmenden Erfahrung vieler Rohköstler nur eine Rohkost, die

Damit sind auch schon die Punkte genannt, auf die man achten sollte, wenn man feststellt, daß es nach der Heilung bestimmter Krankheiten mit der Rohkost nicht mehr klappt.

Zahnfüllungen

Beschreibung
In dem Abschnitt Erhöhte Grenzbelastung bei Rohköstlern wird erläutert, daß der relative Anteil verbleibender Giftstoffquellen stark zunimmt, wenn man die Giftstoffquelle gekochte Ernährung eliminiert. Aufgrund ihrer Nähe zum Gehirn haben Zahnfüllungen starke Auswirkungen auf das Verhalten und die Instinkte. Es kann zu unerklärlichen Rückfällen in die Kochkost kommen.

Erkennung
Auf der Seite Auswirkungen von Zahnfüllungen werden typische Störungen beschrieben, die durch die Anwesenheit von Zahnfüllungen verursacht werden. Für diesen Artikel interessieren uns die Auswirkungen auf die Instinkte und die rohe Ernährung.

In einigen Fällen können Zahnfüllungen die Absorption von Nährstoffen im Darm so stören, daß es zu einer schleichenden oder sich beschleunigenden Gewichtsabnahme kommt, siehe dazu den Abschnitt Starke Gewichtsabnahme. Dies passiert typischerweise bei Zahnfüllungen, die aus Schwermetallen bestehen.

Es kann jedoch auch zu unerklärlichen Unverträglichkeitsreaktionen gegen völlig einwandfreie natürliche Lebensmittel kommen. Normalerweise sollten Allergien und Immunreaktionen mit fortschreitender Praxis der Rohkost abklingen und verschwinden. Tun sie dies nicht, ist zu überlegen, ob Zahnfüllungen, besonders Kunststoffe, die Ursache des Problems sein könnten.

Speziell bei fluorhaltigen Zahnfüllungen kann es neben diversen psychische Symptomen zu einer starken Gewichtszunahme kommen, die nicht mit sportlicher Betätigung im Einklang steht. Wenn sich dieses Phänomen nicht als für Rohkost-Anfänger übliche Gewichtsschwankung erweist, sondern dauerhaften Charakter annimmt, sind Zahnfüllungen als Ursache in Erwägung zu ziehen.

Allgemein gesagt stehen alle Symptome, die nach der Umstellung auf Rohkost schon verschwunden waren, nach einiger Zeit aber wieder auftreten, im Verdacht, durch die giftigen Bestandteile von Zahnfüllungen verursacht zu werden. Normalerweise kommt es nämlich durch die Umstellung auf Rohkost zu umfassenden Heilungsprozessen und nicht zu einem Neuauftreten alter Krankheiten und Wehwehchen.

Ursache
Die Ursache für die vielfältigen Störungen, die bei Trägern von Zahnfüllungen beobachtet wurden, sind die Füllungsmaterialien selbst, die in den meisten Fällen giftig bis hochgiftig sind. Sämtliche Füllungsmaterialien werden vom Immunsystem über die Dentinkanälchen ständig abgebaut. Ferner gelangen die Füllstoffe über den Abrieb beim Kauen in das Verdauungssystem.

Behebung
Wenn sich gesundheitliche Störungen oder Schwierigkeiten bei der Praxis der Rohkost nicht mehr mit den Ursachen erklären lassen, die in den ersten Abschnitten dieses Artikels angeführt wurden, dann kommt zur Behebung nur noch die (möglichst ersatzlose) Entfernung der Zahnfüllungen in Betracht.

Weitere Hinweise zum Umgang mit Zahnfüllungen finden sich auf der Seite Zahnfüllungen, Implantate, Transplantate und Rohkost.

Falsche Programmierung der Instinkte

Beschreibung
Nach der Umstellung auf rohe Nahrung signalisieren die Instinkte so lange scheinbare Bedürfnisse nach denaturierter Kost, bis sie neu programmiert werden. Entsprechend kann es je nach Willenskraft in dieser Zeit zu Rückfällen in die gekochte Ernährung kommen.

Erkennung
Rückfälle und Ausnahmen, die auf falsch programmierten Instinkten beruhen, erkennt man grundsätzlich genau so wie Ausrutscher, die durch mangelhafte Rohkost zustande kommen. Im Abschnitt Mangelhafte Rohkost/Erkennung wird dies ausführlich erläutert.

Ursache
Unter natürlichen Bedingungen hätte jeder Mensch etwa 20 Jahre Zeit gehabt, um sich mit der überaus umfangreichen Lebensmittelpalette, die uns Mutter Erde bietet, vertraut zu machen und die von seinem Körper verdaubaren Lebensmittelkombinationen zu erkunden und zu verinnerlichen. Daß es eine solche Lernphase und starke Instinkte gibt, sich mit der Nahrung zu beschäftigen, zeigt das Verhalten von Kindern, die alles mögliche in den Mund stecken und auf Eßbarkeit testen, oft zum Schrecken ihrer Eltern, denn in der heutigen unnatürlichen Lebensumgebung finden sich leider viele giftige oder schädliche Dinge. Die Länge der Lernphase erklärt sich zwanglos mit der astronomisch hohen Zahl von Kombinationen, die man selbst unter natürlichen Lebensumständen mit der Nahrung machen kann.

Die meisten Menschen haben nicht das Privileg genossen, von Geburt an roh ernährt zu werden. Stattdessen haben sie sich in mehr oder minder hohem Alter auf rohe Ernährung umgestellt. Aus diesem Grund wurde die 20-jährige Lernphase für natürliche Lebensmittel bei ihnen mit denaturierter Nahrung absolviert und die Instinkte wurden mit dieser Nahrung falsch programmiert.

Behebung
Die Neuprogrammierung der Instinkte fängt mit dem ersten Tag Rohkost an. Sie verläuft optimal, wenn man sich die Instinkte bewußt zunutze macht, um sich ausgewogen zu ernähren. Bisher wird dies nur bei der Rohkost-Variante der instinktiven Ernährung praktiziert. Zur Neuprogrammierung gehören zwei Dinge:

  • Kennenlernen aller natürlichen Lebensmittel
  • Erforschen der für einen selbst geeigneten Kombinationen von Lebensmitteln

Der Ernährungsinstinkt kann nur dann ein Verlangen nach einem Lebensmittel signalisieren, wenn man es schon mindestens einmal gegessen hat. Es gibt zwar ein Programm für jedes auf der Erde vorhandene natürliche Lebensmittel, sonst könnte der Verzehr nicht gesteuert werden, aber das Programm ist zwecks Energieeinsparung deaktiviert, so lange man ein Lebensmittel noch nie verzehrt hat. Es ist daher sinnvoll, die gesamte Palette natürlicher Lebensmittel zu erkunden. Nur eine breite Lebensmittelpalette bewahrt langfristig vor Mängeln und Unzufriedenheit mit der Rohkost.

Um die große Palette der natürlichen Lebensmittel kennenzulernen, empfiehlt es sich, nicht nur lokal und im Bioladen einzukaufen, sondern das gesamte Angebot von Rohkost-Versendern zu nutzen, da diese viele Lebensmittel führen, die mangels Verkaufsvolumen nicht den Weg in den normalen Handel finden. Es ist eine gute Idee, sich systematisch durch die Angebotspalette der diversen Versender hindurchzuarbeiten. Dies ist selbstverständlich nicht in wenigen Wochen zu bewältigen sondern erfordert mehrere Jahre, in denen man immer wieder einmal ein neues Lebensmittel probehalber in den Speiseplan aufnimmt. Damit sich die Ernährung stabilisieren kann, ist eine Erkundungsrate von einem neuen Lebensmittel pro Woche eine gute Richtschnur.

Selbstverständlich sollte man diese Erkundung nicht nur auf Obst und Gemüse erstrecken, sondern auf alle natürlichen Lebensmittel. Sehr viele Rohköstler vernachlässigen die große Gruppe der tierischen Lebensmittel, oft sogar vorsätzlich. Damit der Ernährungsinstinkt sich neu ausrichten kann, ist es aber erforderlich, ein Lebensmittel mehrfach zu verzehren. Eine nützliche Methode besteht darin, jedes unbekannte Lebensmittel so lange zu probieren, bis es mindestens einmal sehr gut oder sogar himmlisch geschmeckt hat und mindestens einmal davon so viel zu essen, bis eine instinktive Sperre eintritt. Damit hat man die beiden Pole, zwischen denen sich eine Mahlzeit bewegt, nämlich Anziehung und Abstoßung, ausgelotet.

Das Erkunden neuer Lebensmittel sollte auch vor eklig oder abstoßend erscheinenden Lebensmitteln nicht haltmachen, siehe dazu den Artikel Die Funktion des Ekels beim Menschen. In der herkömmlichen Ernährung hat man all dies angewidert weggeworfen. Der Ernährungsinstinkt kann daher beispielsweise verschimmelte natürliche Lebensmittel nicht unbedingt einordnen. Gerade in solchen Lebensmitteln, die in freier Natur recht häufig zu finden sind (verfaulte Äpfel, vergorene Weintrauben, usw.) können jedoch Nährstoffe vorkommen, die man nicht bekommt, wenn man immer nur einwandfreie Ware verzehrt. Die himmlischen Genüsse, die nach dem Anlernen des Instinktes beim Verzehr solcher Lebensmittel oft auftreten, siehe die Tabelle im Abschnitt Assoziationen mit gekochten Gerichten, belegen dies.

Geeignete Lebensmittelkombinationen erforscht man bei jeder Mahlzeit, gewollt oder nicht. Damit dieses "Versuch und Irrtum"-Verfahren nicht im Irrtum steckenbleibt, ist es unbedingt ratsam, sich für die ersten Jahre mit der Rohkost an einen der Mahlzeitenpläne zu halten, die auf der Seite Richtige Lebensmittelkombinationen beschrieben sind. Bei strikter Anwendung des Verfahrens bei einer Mahlzeit macht man eine Fehlkombination nur einmal. Bei der nächsten Mahlzeit erinnert sich der Ernährungsinstinkt an das Mißgeschick und signalisiert bei dem unpassenden Lebensmittel Ablehnung.

Mangelnde Disziplin und fehlender Wille

Beschreibung
In einigen Fällen scheitert man auf dem Weg zur Rohkost gewissermaßen an sich selbst. Gerade in den ersten Monaten, in denen das Genußniveau möglicherweise noch sehr zu wünschen übrigläßt, kann es eine gewisse Disziplin erfordern, trotzdem weiter die Regeln für Anfänger einzuhalten und sich mit unangenehmen Entgiftungserscheinungen zu plagen.

Eng verwandt mit mangelnder Disziplin ist fehlender Wille, die Rohkost zu meistern. Man gibt bei den ersten Schwierigkeiten auf. In eine ähnliche Richtung geht die mangelnde geistige Beweglichkeit, sich auf die Rohkost einzustellen, die im nächsten Abschnitt erörtert wird.

Erkennung
Mangelnde Disziplin und fehlender Wille sind recht leicht an der Einstellung zur Rohkost zu erkennen. Man merkt es an Aussagen wie "das wird mir zu schwierig/zu unbequem". Seine eigene Einstellung kann man nur erkennen, wenn man ehrlich zu sich selbst ist und seine wahre Motivation ergründet.

Ursache
Mangelnde Disziplin ist meist eine Frage der Bequemlichkeit. Ist diese zu sehr gefährdet, kehren viele Menschen wieder zur leicht durchzuführenden Kochkost zurück. In vielen Fällen liegt dem eine einfache Kosten/Nutzen-Abwägung zugrunde, die jeder Mensch bewußt oder unbewußt bei allem anstellt, was er tut: ist das Maß an Unbequemlichkeiten durch die neue Ernährung höher als die gesundheitlichen Probleme mit gekochter Ernährung? Dann gibt es für viele keinen Grund, sich roh zu ernähren.

Fehlender Wille findet seine Ursache möglicherweise in unbewußten Plänen, die mit Rohkost nichts zu tun haben.

Behebung
Da es sich nicht um Fehler handelt, sondern um eine Frage der Bereitschaft und des Willens, kann es an dieser Stelle nur den Rat geben, die Rohkost sein zu lassen. Niemand muß sich roh ernähren. Wer sich nicht zur Rohkost berufen fühlt, sollte lieber gekocht essen.

Geistige Unbeweglichkeit

Beschreibung
Der Heilungsprozeß, der durch eine Umstellung auf rohe Ernährung einsetzt, entfaltet mit der Zeit eine hohe Eigendynamik. Es ist immer wieder erforderlich, das eigene Leben an den momentan erreichten Gesundheitszustand anzupassen. Vielen Menschen fehlt es an der nötigen geistigen Beweglichkeit, um diese Veränderungen vorzunehmen.

Erkennung
Die eigene geistige Unbeweglichkeit zu erkennen, kann eine fast unmögliche Aufgabe sein. Viele Menschen flüchten in absurde Rechtfertigungen, obwohl sie in Wirklichkeit einfach keine Lust haben, ihre liebgewonnene Lebensweise zu ändern.

Ursache
Die Ursache für die geistige Unbeweglichkeit ist in der denaturierten Ernährung selbst zu finden. Sie führt sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene zu vielfältigen Blockaden. Hinzu kommt, daß die übliche Zivilisationskost das menschliche Gehirn mangelhaft ernährt, weil sie zu wenige langkettige Fettsäuren enthält. Diese sind für die Erhaltung der Plastizität des Gehirns, also zur Erhaltung der geistigen Flexibilität erforderlich.

Behebung
In den meisten Fällen bleibt nichts anderes übrig, als mit der Rohkost auszusetzen und es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. Die geistige Unbeweglichkeit verhindert ja gerade, daß man sein Leben ändert und den kritischen Punkt auf diese Weise meistert. Weitere Informationen finden sich in dem Artikel Der Punkt der persönlichen Unbeweglichkeit.

Angst vor unvertrauten Situationen

Beschreibung
Dieses Phänomen kann immer wieder nach einer Umstellung der Ernährung auf Rohkost auftreten. Es kann sich bemerkbar machen, wenn sich die eigene Situation durch die heilende Wirkung der Rohkost sprunghaft verbessert. Diese Verbesserung kann im körperlichen oder geistigen Bereich stattfinden. Dementsprechend gibt es zwei Ängste:

  • Angst vor unvertrauter Gesundheit oder unvertraute Glücksgefühle
  • Angst vor geistiger Weiterentwicklung oder Angst, nicht mehr man selbst zu sein

Gemeinsam ist beiden Ängsten, daß sie auftreten, weil man sich in einer Situation befindet, die sich unvertraut oder fremdartig anfühlt. Dies kann schnell die Assoziation einer Bedrohung und damit Angst auslösen. In dem Moment, wo man merkt, daß man sich durch die Rohkost in so eine Situation gebracht hat, kann es zu einer panischen Rückkehr zur Kochkost kommen.

Erkennung
Die beschriebenen Ängste können schwierig zu erkennen sein, weil sie oft unbewußt auftreten. Hier kann es hilfreich sein, seinen Gefühlen in Bezug auf die Fortführung der Rohkost auf den Grund zu gehen. Geht das Gefühl in die Richtung "Rohkost mache ich für immer, es ist genial" oder ist es mehr ein "ich weiß nicht so recht, wie es mit der Rohkost weitergehen soll"? Es kann auch helfen, bei einem unbestimmten Gefühl der Bedrohung zu überlegen, wovor genau man sich fürchtet. Es muß nicht immer ein ernährungsbezogener Grund vorliegen.

Ursache
Ängste vor ungewohnter Gesundheit finden ihre Ursache oft in einer unglücklichen Kindheit. Wer als Kind häufig krank oder unglücklich war, hat diese Situationen als "normal" verinnerlicht. Es handelt sich um eine falsche Prägung. Alle Situationen, die von dieser Prägung abweichen, werden als unnormal und fremdartig empfunden. Im Zweifelsfalle kehrt man unbewußt zu den vertrauten Situationen zurück, selbst wenn man dadurch weniger glücklich oder gesund ist.

Hinzu kommt, daß ein Kranker sehr viel mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit erhält, als ein Gesunder. Kranksein wird belohnt. Dieses Phänomen spiegelt sich auch in dem System der Krankenkassen wieder: wer krank ist, profitiert von dem, was er in die Kasse eingezahlt hat; ein gesunder Mensch geht leer aus.

Angst vor geistiger Weiterentwicklung kann man auch als "Angst vor dem Unbekannten" bezeichnen, denn geistige Weiterentwicklung führt stets ins Unbekannte. Auch hier spielt die Kindheit eine gewisse Rolle. Wer gut behütet aufgewachsen ist und jederzeit experimentieren durfte, wird ein inneres Gefühl der Sicherheit haben und vermutlich auch als Erwachsener gerne etwas Neues ausprobieren. Wer sich selbst überlassen und von allen Experimenten durch überängstliche Eltern abgehalten wurde, wird als Erwachsener oft die Sicherheit vorziehen und auf Neuerungen verzichten, selbst wenn sie eine Verbesserung des eigenen Lebens darstellen.

Die Angst, nicht mehr man selbst zu sein, ist vermutlich eine Ur-Angst, die sich aus Überlebensinstinkten speist. Niemand möchte verrückt werden oder die Kontrolle über sich selbst verlieren.

Behebung
Als sehr nützlich hat es sich erwiesen, sich die eigenen Ängste bewußt zu machen und dann aktiv an ihrer Auflösung zu arbeiten. Es kann angeraten sein, die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch zu nehmen.

Die Angst, nicht mehr man selbst zu sein, hat sich in allen bisherigen Fällen als unberechtigt erwiesen. Man wird im Gegenteil durch Rohkost mehr man selbst. Oder wie es so schön in einem Buch von Michael Roads heißt:

Selbst ist Schönheit jenseits des Vorstellbaren.

Zusammenfassung

Eine Zusammenfassung der hier erörterten Probleme zusammen mit weiteren Hürden, die auf dem Weg vom Rohkost-Anfänger zum erfahrenen Rohköstler auftreten, wird in dem Artikel Vom Schüler zum Meister der Rohkost gegeben.

Weitere Artikel

Verfügbarkeit, Beschaffung und Zubereitung von Lebensmitteln