Vom Schüler zum Meister der Rohkost

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Dieser Artikel beschreibt die Herausforderungen, die einen Menschen erwarten, der seine Ernährung auf Rohkost umstellt, zusammen mit Hinweisen, wie sie bewältigt werden können. Er ist als Anhaltspunkt für die jenigen gedacht, die sich langfristig roh ernähren möchten und die von ihnen beobachteten Phänomene nicht einordnen können. Der Artikel geht davon aus, daß an einer 100%igen Rohkost festgehalten wird, ohne größere Rückfallphasen in die herkömmliche Ernährung einzulegen. Daraus resultiert eine schnelle Entwicklung sowie eine gründliche Entgiftung und damit einhergehend eine umfassende Genesung.

Die Grundstufe

Sorge für gute Lebensmittelqualität

Die Grundstufe beginnt mit der Umstellung der Ernährung und der Schaffung der Voraussetzungen für eine 100%ige Rohkost-Praxis. Sehr wichtig ist hier, sich möglichst von Anfang Lebensmittel guter Qualität zu beschaffen, um bei auftretenden Entgiftungsprozessen nicht ständig herumrätseln zu müssen, ob die Ursache dafür in Vergiftungen aus der Zeit vor der Rohkost lag oder in einer akut durch schlechte Lebensmittel eingefangenen. Diese Unterscheidung ist für einen Anfänger nicht möglich.

Ferner sind viele Heilungsprozesse erst dann möglich, wenn die Zufuhr antigener Substanzen gänzlich unterbrochen wird, wie in dem Artikel Immuntoleranz und Toleranzabbruch genauer erklärt wird. Dies betrifft nicht nur die Heilung körperlicher Gebrechen sondern auch den geistigen Bereich.

Lerne deinen Körper kennen

Es folgt eine Lernphase, die ein mit Rohkost aufwachsender Mensch in seiner Kindheit absolviert: das Kennenlernen des eigenen Körpers und damit verbunden der Instinkte, speziell des Ernährungsinstinkts. Als Erwachsener, der sich auf Rohkost umstellt, erlebt man diese Phase selbstverständlich sehr viel anders als ein Kind, weil der denkende Verstand sie aktiv begleitet. Dies ist keineswegs immer von Vorteil, weil der Verstand sich oft sabotierend einmischt, sobald er eines seiner bisher angemaßten Herrschaftsgebiete in Gefahr sieht. Ein Aufwachsen mit denaturierter und manipulierter Nahrung setzt gänzlich andere Prioritäten als eine Kindheit mit natürlicher Nahrung. Insofern hat man als Erwachsener, der sich auf Rohkost umstellt, einiges nachzuholen und tut sich damit entsprechend schwer.

Es ist in dieser Lernphase von großem Vorteil, loslassen zu können, d.h. die Steuerung der Ernährung sukzessive an die instinktiven Mechanismen zu übergeben und körperliche Signale zu respektieren statt sie aus alter Gewohnheit zu übergehen. Man sollte sich auf der anderen Seite vor einigen bequemen Fallen hüten, die es aufgrund der heutigen praktisch unbegrenzten Verfügbarkeit von Lebensmitteln gibt. Dazu mehr im nächsten Punkt.

Kombiniere richtig

Es ist wichtig, sich von Anfang an an die Hinweise zu guten Nahrungskombinationen zu halten, wie sie im Kapitel Richtige Lebensmittelkombinationen beschrieben sind. Anderenfalls läuft man große Gefahr, falsches Eßverhalten der gekochten Ernährung auf die Rohkost zu übertragen, als da wäre Essen aus Langeweile, als Liebesersatz oder zur Kompensation anderer Bedürfnisse, die nichts mit Nahrungsaufnahme zu tun haben. Anfänger verfallen leicht in süchtig machende Zucker-Eiweiß-Kombinationen, die einen echten Fortschritt verhindern und von denen sie sich später kaum noch lösen können. In freier Natur wären diese Kombinationen meist nicht möglich, weil beispielsweise eine Dattelpalme nicht direkt neben einem Nußbaum wächst bzw. beide Bäume nicht gleichzeitig Früchte tragen. Erst die heutige fast unbegrenzte Verfügbarkeit von Lebensmitteln macht solche Fehler möglich bzw. begünstigt sie erheblich.

Erforsche systematisch die rohe Lebensmittelpalette

Genau wie das Kennenlernen des eigenen Körpers ist auch das Vertrautwerden mit der Vielfalt roher Lebensmittel eine Lernphase, die normalerweise in der Kindheit absolviert wird. Da bei Erwachsenen, die sich auf Rohkost umstellen, jedes neue Lebensmittel potentiell wieder eine neue Entgiftung auslöst, ist es sinnvoll, behutsam an jedes neue Produkt heranzugehen, mit kleinen Mengen anzufangen und dann mindestens einmal so viel davon zu essen, daß eine instinktive Sperre eintritt. Noch besser ist es, von einem neuen Produkt über mehrere Tage verteilt so viel zu essen, bis der Bedarf nachläßt. Auf diese Weise behebt man Mängel, die sich mit der denaturierten Ernährung über lange Zeit angestaut haben und füllt die Nährstoffdepots auf. Man sollte sich also systematisch durch die rohe Lebensmittelpalette essen. Eine breite Lebensmittelpalette macht es einfacher, Nährstoffbedürfnisse schnell zu erkennen. Das ist wichtig, damit sich keine Unzufriedenheit breitmachen kann, denn jede längere Phase der Unzufriedenheit mit der Rohkost trägt in sich die Gefahr, wieder zur altvertrauten Kochkost zurückzukehren.

Sorge für kontinuierliche Entgiftung

Wer sich im Erwachsenenalter auf Rohkost umstellt, hat sich in den meisten Fällen mehrere Jahrzehnte mit denaturierten Lebensmitteln vergiftet und daher einiges zu entgiften. Das Großreinemachen fängt normalerweise 1-3 Wochen nach der Umstellung auf 100%ige Rohkost an, siehe dazu auch den Artikel Rohkost und Entgiftung. Je nach Lebensalter und Vorschäden ist mit einer mehrere Jahre dauernden Entgiftungszeit zu rechnen.

Es ist daher sinnvoll, gezielt in Entgiftungen hineinzugehen. Das bedeutet, daß man, wenn man etwa nach dem Verzehr eines neuen Lebensmittels eine starke Entgiftungsreaktion bemerkt, nicht sofort das Handtuch wirft und den Verzehr dieses Lebensmittels einstellt, sondern im Gegenteil gezielt weiter davon ißt, bis alle Entgiftungserscheinungen abgeklungen sind.

Löse dich von kindlichen Verhaltensmustern

Die erste Zeit mit der neuen Ernährung bringt neben erfreulichen Entdeckungen oft Verunsicherung mit sich, dann nämlich, wenn das eigene Tun und die Gefühle im Widerspruch zu Verhaltensmustern stehen, die noch aus der Kindheit stammen. Diese Verhaltensmuster sind oft tief im Unbewußten vergraben, beeinflussen das Leben aber sehr stark. Viele Menschen waren als Kind häufig krank und assoziieren daher Krankheit mit Geborgenheit und Zuwendung. Die durch Rohkost erworbene robuste Gesundheit fühlt sich für sie meist fremd und unheimlich an. Das kann soweit gehen, daß sie gezielt zur Kochkost zurückkehren, um wieder das vertraute Gefühl von Krankheit zu haben oder um Zuwendung zu bekommen. Solche Muster kann man gezielt auflösen, indem man sie sich bewußt macht, liebevoll mit sich selbst umgeht und beharrlich am Aufbau neuer Verhaltensmuster arbeitet.

Die Grundstufe endet mit der Meisterung der beschriebenen Punkte und dauert bei zügigem Vorangehen ungefähr ein Jahr. Menschen, die häufig in Rückfällen verweilen, verzögern ihre Entwicklung in beliebigem Maße und kommen meist über die Grundstufe nicht hinaus, nicht einmal nach 10-20 Jahren halbherziger Bemühungen.

Die Mittelstufe

Stelle alle Vergiftungen ab

Spätestens nach einem Jahr mit der neuen Ernährung sollte man die Entscheidung treffen, ob man diesen Weg weitergehen möchte oder lieber wieder zur denaturierten Ernährungsweise zurückkehren will. Wenn man sich für die Rohkost entscheidet, dann ist es nun an der Zeit, sämtliche Vergiftungen nach und nach abzustellen. Dies betrifft sowohl von innen kommende Vergiftungen durch Zahnfüllungen und Implantate als auch von außen einwirkende Gifte wie etwa Chemikalien am Arbeitsplatz sowie Wohn- und Umweltgifte. Im Falle irreversibler Schäden an den Zähnen kann die Entscheidung, ohne Hilfsmittel in Form von Zahnfüllungen oder Kronen zu leben, zu Einschränkungen führen, die nicht jedermann hinzunehmen bereit ist. In noch stärkerem Maße gilt dies für Implantate und Transplantate. Ob in schweren Fällen die Durchführung einer rohen Ernährung überhaupt noch möglich ist, wird in dem Artikel Zahnfüllungen, Implantate, Transplantate und Rohkost erörtert.

Externe Vergiftungen lassen sich meistens durch einen Umzug und/oder den Wechsel des Arbeitsplatzes abstellen, auch wenn dies im Einzelfall einen erheblichen Aufwand bedeuten kann.

Stehe unerwartete Entgiftungskrisen durch

Die Abstellung sämtlicher Vergiftungen kann zu unerwarteten Entgiftungskrisen führen, die sehr heftig ablaufen können. Dies gilt besonders für die Entfernung von jahrzehntelang vorhandenen Zahnfüllungen aber auch für den Verzicht auf bisher zur Arbeit erforderliche Chemikalien wie beispielsweise Maschinenfett oder Desinfektionsmittel.

Die beste Lösung besteht darin, solche Entgiftungskrisen durchzustehen und sie nicht durch eine Rückkehr in die gekochte Ernährung abzubrechen, denn auch hier gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Viele Menschen ziehen die bequeme "Lösung" vor und erreichen daher niemals den Grad an Gesundheit, über den ein gut entgifteter langjähriger Rohköstler verfügt. Dieser Zustand ist in dem Abschnitt Ende der Entgiftung beschrieben.

Gehe jedem Bedarf nach

Wenn ein bestimmtes Lebensmittel sehr anziehend ist, dann liegt dem ein starker Bedarf zugrunde, egal, wie hoch die verzehrten Mengen sind. Es ist sinnvoll, diesem Bedarf so lange nachzugehen, bis er erfüllt ist, d.h. die Anziehungskraft des Lebensmittels deutlich gesunken ist. Wechselt man vor der Erfüllung des Bedarfs zu anderen Lebensmitteln, schiebt man ihn in den meisten Fällen vor sich her und kommt schließlich an einen Punkt, wo er unübersehbar stark wird. Bis dahin können bereits Mangelerscheinungen auftreten. Eigentlich sollte es so ein Problem bei instinktiver Ernährung nicht geben, weil der Ernährungsinstinkt stets das Lebensmittel auswählt, das die Nährstoffbedürfnisse am besten erfüllt. In der Praxis hat man jedoch nicht ständig die volle natürliche Lebensmittelpalette zur Auswahl, so daß es zu unentdeckten Bedürfnissen kommen kann.

Ändere lebensfeindliche Gewohnheiten

Falls von der Grundstufe her noch lebensfeindliche Gewohnheiten verblieben sind, ist es nun an der Zeit, diese Schritt für Schritt zu ändern. Dies kann beispielsweise das Hören übermäßig lauter Musik sein, das Festhalten an einem Arbeitsplatz mit unmenschlich hohen Belastungen oder die häufige Benutzung schädlicher Technik wie Verbrennungsmotor, Mikrowellen-Telefon, dynamischer Kopfhörer und ähnliches. Wie weit man hier gehen will, hängt sicher auch vom eigenen Idealismus ab. Jedoch verbieten sich auf die Dauer selbstschädigende Gewohnheiten in jedem Fall.

Vertraue deinen Gefühlen und deiner Intuition

Wenn man sich konsequent roh ernährt und schädigende Gewohnheiten abgelegt hat, funktionieren die eigenen Instinkte wieder richtig und man kann sich auf sie und auf seine Gefühle verlassen, allerdings nur im Rahmen dessen, wofür die Natur uns ausgerüstet hat. Genaueres findet sich in dem Artikel Funktionsbereich und Grenzen von Instinkten.

Auch die intuitiven Fähigkeiten erhöhen sich meistens mit fortschreitender Entgiftung und besserer Gesundheit, oft bis zu einem Grad, daß sie bessere Ergebnisse zeitigen als die Benutzung des Verstandes. Fortgeschrittene Rohköstler vertrauen daher ihren Gefühlen und Sinneswahrnehmungen oft mehr als ihrem Verstand. Genau das ist es, was man als "bei Sinnen" bezeichnet.

Sorge für körperliche und geistige Auslastung

Neben der Bewältigung der körperlichen Entgiftungsprozesse, die sich einige Jahre hinziehen kann, wird es für einen Praktizierenden der Rohkost in wachsendem Maße wichtig, Körper und Geist regelmäßig in maßvoller Weise zu beanspruchen, um eine gute Gesundheit zu erhalten. Ein ungenutzter Körper wird schlaff, ein ungenutzer Geist verblödet. Ein regelmäßiges Sportprogramm ist also von großer Wichtigkeit, sofern nicht die alltägliche Arbeit für körperliche Beanspruchung sorgt.

Eben so ist es wichtig, immer wieder geistige Herausforderungen anzunehmen und sein Wissen ständig zu erweitern. In wissenschaftlichen Experimenten konnten keine Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Gehirns für neues Wissen festgestellt werden. Es gibt also keinen Grund, auf einem einmal erreichten Wissensstand stehenzubleiben.

Im besten Fall verbindet man die geistigen und körperlichen Herausforderungen mit einer Tätigkeit, für die man sich berufen fühlt. Dazu mehr in der Oberstufe.

Stelle deine Beziehungen auf eine glückliche Grundlage

Schlechte Beziehungen können eben so schädliche Folgen haben wie schlechte Ernährung. Es ist daher sinnvoll, sich von belastenden Beziehungen zu trennen oder diese auf eine neue, glücklichere Grundlage zu stellen, sofern dies noch möglich ist. Gute Grundlagen für Beziehungen sind:

  • gegenseitiger Respekt
  • Förderung der Interessen des Partners
  • Freiheit

Auch beim Eingehen von Beziehungen sind oft noch uralte Verhaltensmuster aktiv, die zum Beispiel dazu führen, daß man immer wieder einen Partner sucht, der den starken Vater oder die umsorgende Mutter ersetzt, weil diese Bedürfnisse damals nicht erfüllt wurden. Hier ist es oft hilfreich, sich diese Muster bewußt zu machen, sie auszuleben und dann abzulegen. Ein sehr gutes Buch, das sich mit diesem Thema beschäftigt, ist das von Jean Liedloff, siehe dazu die Literaturliste.

An dieser Stelle soll ein Fehler vermerkt werden, der in der Anfangseuphorie der Umstellung auf Rohkost oft begangen wird, nämlich sämtliche bisherigen Beziehungen über Bord zu werfen und sich nur noch mit anderen Rohköstlern zu treffen. Diese etwas einseitige Reduzierung von Beziehungen auf die Ernährung führt meist nach einiger Zeit zur Ernüchterung, wenn man nämlich feststellt, daß einem andere Menschen durchaus nicht allein aufgrund ihrer Ernährung sympathisch oder unsympathisch sind.

Auf der anderen Seite tendieren langjährige Rohköstler zu einer sehr sorgfältigen Auswahl der Personen, mit denen sie in Beziehung treten, weil Verhaltensstörungen, die bei gekochter Ernährung allfällig sind, wie Eifersucht, Respektlosigkeit, Gewalttätigkeit und so weiter so unerfreulich sind, daß sie jede tiefgehende Beziehung scheitern lassen.

Bringe deine Finanzen in Ordnung

Während man sich in der Grundstufe der Rohkost vielleicht immer irgendwie durchlaviert hat, was Geldangelegenheiten anging, ist es nun an der Zeit, die Finanzen dauerhaft in Ordnung zu bringen und zum Prinzip der Fülle überzugehen. Dies ist hauptsächlich eine Frage des Denkens und deswegen so schwierig, weil gekochte Nahrung den Körper nur mangelhaft ernährt und sich dieser Mangel auf den Geist überträgt. Das Mangeldenken ist daher unter kochenden Menschen sehr häufig. Dies wurde schon zu biblischen Zeiten erkannt: Psalm 23 - Der Herr ist mein Hirte. Nebenbei bemerkt führt der ständige körperliche Mangel auf geistiger Ebene auch noch zu Raffgier und Habsucht.

Ein sehr gutes Rezept gegen Mangeldenken besteht darin, seinem Körper jeden Tag alles zu geben, was er benötigt. Die dazu erforderlichen Punkte wurden bereits in der Grundstufe genannt. Bei konsequenter Beachtung dieser Hinweise wird der körperliche Mangel in minimaler Zeit behoben und der Geist macht die Erfahrung, daß immer genug da ist. So ändert sich allmählich das Mangeldenken zugunsten einer Philosophie der Fülle.

Die Meisterung der Herausforderungen der Mittelstufe nimmt ungefähr fünf Jahre in Anspruch. Mit dem Abschluß der akuten körperlichen Entgiftung sollte man auch die restlichen Punkte bewältigt haben.

Die Oberstufe

Maximiere die Breite deiner Lebensmittelpalette

Für eine langjährig erfolgreiche Rohkost sollte man nicht davor zurückscheuen, auch ungewöhnliche Lebensmittel auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen und sie ggf. in die Ernährung einzubeziehen. Dies kann beispielsweise das Knabbern von Knochen sein, der Verzehr von Blättern, Wurzeln, Insekten und Erde aber auch die Erweiterung der Kenntnisse über Wildkräuter, Pilze und Beeren, selbstverständlich einschließlich solcher, die im gekochten Kontext als giftig oder ungenießbar gelten.

Selbst ein guter Rohkost-Versender erreicht nicht annähernd die Breite der Nahrungspalette, die unseren nächsten Artgenossen in freier Natur, den Affen, zur Verfügung steht. Jede Möglichkeit, deren Palette zu erreichen, sollte genutzt werden.

Bevorzuge wilde Lebensmittel

Mit zunehmender Rohkost-Erfahrung hat man es nicht mehr nötig, sich den Bauch vollzuschlagen, sondern bevorzugt Qualität statt Quantität. Ein höherer Genuß beim Essen läßt sich erfahrungsgemäß erreichen, wenn man wilde Lebensmittel bevorzugt und diese sehr sorgfältig auswählt. Dies hat weitere Vorteile zur Folge, wie eine präzisere Sperre und eine höhere Zufriedenheit nach dem Essen.

Berücksichtige die Verfügbarkeit von Lebensmitteln

Nach dem Abschluß der körperlichen Entgiftung, die in vielen Fällen sehr hohe Mengen einzelner Lebensmittel erfordert, ist es sinnvoll, den Speiseplan ein wenig an der natürlichen Verfügbarkeit von Lebensmittel auszurichten. Dazu gehören zwei Punkte:

  • saisonale Verfügbarkeit
  • natürlich verfügbare Menge

Die saisonale Verfügbarkeit zu berücksichtigen heißt zum Beispiel, mitten im Winter keine wäßrigen Früchte zu essen, die im Hochsommer geerntet werden und umgekehrt im Sommer keine großen Mengen an Nüssen oder Fleisch zu verzehren. Fast immer berücksichtigt der Ernährungsinstinkt das aktuelle Klima, so daß man sich darüber keine Gedanken machen muß. Stellt man jedoch immer wieder fest, daß man im Winter sehr obstlastig ißt, obwohl man dadurch friert, kann es geraten sein, den Speiseplan mit dem Verstand anzupassen. Oft bedarf es hier nur eines einmaligen Anstoßes und von da an übernimmt der Ernährungsinstinkt wieder die Führung.

Die natürlich verfügbaren Mengen von Lebensmitteln sind schwieriger zu berücksichtigen. Wie im Abschnitt Die natürliche Verfügbarkeit von Nahrung dargelegt, ist es heutzutage möglich, sich mühelos Lebensmittel in großen Mengen zu verschaffen, die in der Evolution der Menschheit nur selten und nach stundenlanger Arbeit zur Verfügung standen. Da diese Lebensmittel in vielen Fällen besonders nährstoffhaltig sind, z.B. Honig, Palmennektar oder Cashewkerne, besteht eine gewisse Gefahr, sie übermäßig oft zu verzehren, mit der Folge, daß Lebensmittel, die den momentanen Bedarf eigentlich besser treffen würden, aus der Auswahl herausfallen. Dadurch ergeben sich Ungleichgewichte, die langfristig zu Mängeln führen können. Hier kann es geraten sein, Lebensmittel, die in freier Natur selten verfügbar sind, seltener in die Auswahl einzubeziehen.

Entdecke deine ganz persönlichen Lebensmittel-Kombinationen

Ein Kind, das mit Rohkost aufwächst, probiert aus eigenem Antrieb die Kombinationen aus, die seiner Verdauung zuträglich sind. Es hat dafür ungefähr 20 Jahre Zeit. Ein Erwachsener, der sich auf Rohkost umstellt, sollte dies je nach eigener Experimentierfreudigkeit auch in mehr oder minder großem Maße tun. Zu beachten ist dabei allerdings, daß viele Kombinationen in freier Natur nicht möglich sind, weil die entsprechenden Lebensmittel nicht an einem Ort wachsen oder nicht zur selben Zeit an einem Ort reif sind.

Bei der Erforschung der persönlichen Lebensmittel-Kombinationen wird es gelegentlich Rückschläge geben, die aber meist harmloser Natur sind.

Verzichte auf Selbstbetrug

Mit fortschreitender Rohkost-Praxis bemerkt man schnell, in welch hohem Maße die gekochte Umgebung geistig von ihrer denaturierten Ernährung abhängt. Es gibt unzählige Mechanismen des Selbstbetrugs durch Genußmittel und Mißbrauch von Essen zur Stillung anderer Bedürfnisse. Letztlich tut man sich damit keinen Gefallen, sondern verschiebt nur Probleme, die eigentlich gelöst werden müßten, an eine andere Stelle. Der richtige Umgang mit Schwierigkeiten besteht daher in ihrer Lösung oder Transzendierung und dem Verzicht auf Selbstbetrug.

Selbstbetrug kann aber auch bei der Praxis der Rohkost auftreten, wenn man beispielsweise die eigenen Lebensmittel in übermäßiger Weise vor dem Verzehr manipuliert. Zu diesem Thema gibt es den Artikel Manipulationsmöglichkeiten von Lebensmitteln.

Lebe im Befragungszustand

Mit fortschreitender Rohkost-Praxis läßt man immer mehr von zwecklosem Verhalten ab. Dazu gehört insbesondere der untaugliche Versuch, die eigene Ernährung und die eigenen Beziehungen mit dem Verstand regeln zu wollen. An die Stelle der Steuerung mit dem Verstand tritt die Steuerung durch das Gefühl. Hierzu ist aber eine Selbstbefragung erforderlich, weil sich das Gefühl in einer bestimmten Situation nicht vorhersagen läßt. Das hat zur Folge, daß man keine Behauptungen mehr darüber aufstellt, was einem beim nächsten Essen schmecken wird, sondern mit einer Frage an das Unbekannte herangeht: man wechselt vom Behauptungs- in den Befragungszustand.

Neben der Tatsache, daß man auf diese Weise lernt, mit dem Unbekannten zu leben (statt sich vor ihm zu fürchten), führt dies dazu, daß man in allen Lebensbereichen offen und fragend an Probleme herangeht, statt mit Vorurteilen und vermeintlich bereits vorhandenen Lösungen. Eine unvoreingenommene Geisteshaltung ist eine viel bessere Voraussetzung, um Schwierigkeiten zu lösen als Behauptungen. Im Gegenteil erweisen sich vorgefaßte Meinungen meist als Hindernis, das unter beträchtlichem Energieaufwand beseite geräumt werden muß, wenn der eingeschlagene Weg nicht zum Ziel geführt hat: man dreht jedes Mal eine Extrarunde, statt das Problem direkt im Zustand der Befragung zu analysieren und dann zu lösen.

Nutze deine innere Führung

Bereits in dem Abschnitt Vertraue deinen Gefühlen und deiner Intuition der Mittelstufe wurde darauf hingewiesen, daß es sinnvoll ist, statt dem Verstand mehr den Gefühlen zu vertrauen. Damit sind wir bei der inneren Führung angelangt, die sich über das Gefühl äußert. Gefühle sind die Sprache der Seele und die Seele ist die Instanz, die den Lebensweg plant.

Der Verstand ist ein hervorragendes Werkzeug, wenn es um das "wie" einer Problemlösung geht, nicht aber bei der Frage, "was" als nächstes getan werden soll. Für das "was" ist das Gefühl der bessere Ratgeber. Aufgrund der Tatsache, daß unsere angeborenen Instinkte in unnatürlichen Situationen nicht funktionieren, übergehen die meisten Menschen ihre Gefühle gewohnheitsmäßig und handeln fast vollständig vom Verstand aus. Dies führt zu zahlreichen Umwegen im Leben und zum Betreten so manch einer Sackgasse. Wenn man die Steuerung an die innere Führung übergibt, macht man schnellere Fortschritte und lebt allgemein harmonischer und unkomplizierter.

Gehe aufmerksam durchs Leben

Wenn man seiner inneren Führung folgt, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch im Außen ständig aufmerksam zu sein. Das bedeutet, in jedem Moment des Tages die Rückmeldungen und Hinweise zu beachten, die die eigene Umgebung einem gibt und nicht als "geht mich nichts an" abzutun. In dem Moment, wo man begriffen hat, daß man der Schöpfer seiner Erfahrungen ist, ist es klar, daß alles, was geschieht, einen selbst betrifft.

Alle Hinweise und Signale werden vom Universum dem Empfänger angepaßt gegeben. Wer gerne Tiere und Pflanzen beobachtet, wird von ihnen Signale bekommen. Wer an der Mathematik Freude hat, wird häufig Zahlen und mathematische Formen erhalten. Ein Hinweis ist immer dann wichtig, wenn man von ihm berührt wird, sei es in freudvoller oder ärgerlicher Weise. Phänomene, die einem emotional gleichgültig sind, zählen nicht. Wichtige Hinweise, die man fortlaufend ignoriert, nehmen an Zahl und Dringlichkeit immer weiter zu.

Wenn man das erste Mal in seinem Leben anfängt, Signale und Hinweise aus der Umgebung zu beachten, kann es sein, daß man mit der Fülle der Phänomene überfordert ist. Mit der Zeit lernt man aber, damit umzugehen und gewinnt Vertrauen in die Richtigkeit der Signale. Auch verringert sich durch eine geordnete Ernährung die Zahl der Hinweise, die als Störung oder Belästigung empfunden werden und es gibt vermehrt ermutigende und bestätigende Hinweise.

Finde deine Berufung

Wenn alle Bereiche des eigenen Lebens neu geordnet und auf eine gesunde Basis gestellt worden sind, dann bleibt nur noch eins zu tun: die eigene Berufung zu leben. Worin diese besteht, teilen einem die Gefühle und Antriebe mit. Oft stellt man verblüfft fest, daß es der selbe Beruf ist, den man vor der Umstellung auf Rohkost ausgeübt hat, allerdings mit erheblich weniger Karrieredenken, selbstverursachtem Streß und Problemen als zu gekochten Zeiten. Im besten Fall ist die Berufung eine Tätigkeit, die mit regelmäßigen körperlichen und geistigen Anstrengungen einhergeht und auf diese Weise ganz von selbst für eine entsprechende Auslastung sorgt.

Es kann jedoch auch sein, daß man nach einiger Zeit mit der neuen Ernährung feststellt, daß die neue Lebensweise nicht mehr zu der bisherigen Berufswahl paßt. In diesem Fall werden sich genau so wie bei belastenden Beziehungen die bisherigen Verhältnisse auflösen und es werden sich neue Möglichkeiten ergeben.

Erkenne den Plan deines Lebens

Gemäß den Aussagen vieler spiritueller Lehrer hat die Seele eines jeden Menschen einen Plan für ihre Verkörperung auf Erden. Dem menschlichen Geist ist dieser Plan jedoch meist verborgen oder er ist nur teilweise erkennbar. Es kann sehr schwierig sein, im Vorhinein den Plan der Seele zu erkennen und bewußt zu leben. Was jedoch fast immer möglich ist, ist den Plan im Nachhinein zu verstehen. Meist erkennt man dann auch, wie brilliant dieser Plan war und ist und wie er einen durch die Stationen des eigenen Lebens geführt hat. Steve Jobs nannte den Prozeß, den eigenen Lebensplan zu erkennen, in einer Rede vor den Absolventen der Stanford University im Jahre 2005 "connecting the dots", übersetzt: "die Punkte miteinander verbinden". Man kann auf diese Weise zumindest im Nachhinein den Sinn des eigenen Lebens erkennen. Wenn man seinen Gefühlen folgt, über die sich die eigene Seele äußert, ist es auch möglich, den Sinn des Lebens vorausschauend zu erkennen und den großen Plan der Seele zumindest teilweise zu sehen.

Referenzen

Artikel

Literatur

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens.
Ullstein 2003, 158 Seiten. ISBN 3-548-36688-0
Buch Erich Fromm Die Kunst des Liebens.JPG
Jean Liedloff: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück.
Beck 2001, 220 Seiten. ISBN 3-406-45724-X
Buch Jean Liedloff Auf der Suche nach dem verlorenen Glueck.JPG
Abraham H. Maslow: Psychologie des Seins.
Fischer 1985, 243 Seiten. ISBN 3-596-42195-0
Buch Abraham H. Maslow Psychologie des Seins.JPG
Neale D. Walsch: Zuhause in Gott.
Goldmann 2006, 383 Seiten. ISBN 3-442-33762-3

Informationen im Internet