Wie funktioniert Ernährung?

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Dieser Artikel philosophiert über die Frage, wie Ernährung bei Tier und Mensch unter natürlichen Bedingungen funktioniert.

Täglich schwankende Nährstoffbedürfnisse

Selbst unter den heutigen naturfernen Lebensumständen verläuft kein Tag, den ein Mensch lebt, auf exakt die selbe Weise noch einmal. Auch bei monotonen Arbeiten, die aufgrund der Automatisierung der industriellen Produktion selten geworden sind, gibt es an verschiedenen Tagen verschiedene Handgriffe auszuführen oder die Zahl der zu bearbeitenden Einheiten schwankt. Jeder Tag im Leben unterscheidet sich also von jedem anderen, einmal mehr, einmal weniger, je nachdem, wie abwechslungsreich man sein Leben gestaltet. Aus diesem Grund schwankt das Maß der körperlichen sowie geistigen Betätigung und damit auch der Bedarf an Nährstoffen ebenfalls von Tag zu Tag und wiederholt sich nie.

Ernährung ist etwas, das mit sehr großer Genauigkeit funktionieren muß, weil sonst langfristig selbst ein einfacher Parameter wie das Körpergewicht völlig entgleist, von komplizierten Stoffwechselfunktionen und hormonellen Regelkreisen gar nicht zu reden. Ein erwachsener Mensch nimmt täglich 1-2kg feste Nahrung zu sich. Wäre nur ein Prozent davon zu viel und würde versehentlich in Körpermasse umgewandelt, dann würde dieser Mensch jedes Jahr mindestens 3,65kg zunehmen - eine untragbare Situation. Freilich kommt diese Situation in der heutigen Zeit immer häufiger vor: im Jahr 2009 waren 51% aller Deutschen übergewichtig; vor 1980 waren es nur 10%.

Die Auswahl zubereiteter Nahrung

Wenn die Nährstoffbedürfnisse jeden Tag anders sind und die Nahrungsmenge mit großer Genauigkeit geregelt werden muß, dann kann es nicht funktionieren, schon vor einer Mahlzeit die Art und Menge der zu verzehrenden Nahrungsmittel festzulegen. Um dies tun zu können, müßte man unmittelbar vor einem Essen die Nährstoffbedürfnisse des eigenen Körpers analysieren und das Essen dementsprechend gestalten. Eine derartige Analyse ist mit technischen Mitteln bisher jedoch nicht möglich. Es kann also nicht funktionieren, sich aus einer Speisekarte oder Rezept-Sammlung eine Zusammenstellung von Nahrung, meist Menü genannt, auszusuchen, diese in einer willkürlichen Menge zuzubereiten und zu verzehren. Bestenfalls ist während des Verzehrs eines willkürlich ausgesuchten Menüs noch eine minimale Steuerung der Menge möglich, indem man so lange ißt, bis es nicht mehr schmeckt oder der Bauch voll ist. Derartige Phänomene treten bei jeder Art von Ernährung auf. Sie können jedoch die Nährstoffbedürfnisse nur unzureichend steuern, weil die Wahl des Menüs mit dem Verstand getroffen wurde - und der Verstand weiß nicht, welche Nährstoffbedürfnisse der Körper hat.

Man könnte versuchen, die Wahl des Menüs auch dem Körper zu überlassen, indem man das Menü aussucht, das man am leckersten findet. Das setzt jedoch voraus, daß eine Vielzahl von Zubereitungen bereits fertig vorhanden sind. Diese Situation kommt nicht einmal in einer großen Betriebskantine vor, weil dort bestenfalls 3-4 verschiedene Gerichte zu einer Zeit angeboten werden.

Nach diesen Überlegungen ist klar, daß die übliche Ernährungsweise, bei der Lebensmittel willkürlich zu einem Menü zusammengestellt, zubereitet und dann verzehrt werden, keine sinnvolle Methode ist, sich zu ernähren.

Was ist denn eine sinnvolle Methode und wie sollte Ernährung in natürlicher Weise funktionieren?

Die Auswahl roher Nahrung

Auswahl im Bioladen

Die Möglichkeit, ein Lebensmittel oder Menü auszuwählen, bevor man es verzehrt, ist bei zubereiteter Nahrung offensichtlich nicht praktikabel. Es bleibt folglich nur, die Lebensmittel nicht zuzubereiten, sprich roh zu verzehren. In diesem Fall ist es ganz leicht, sich eine breite Auswahl verschiedener Lebensmittel zu verschaffen, diese mit den Sinnen zu prüfen und etwas Geeignetes auszuwählen. Die Nahrungsmittel, die man bei einer Mahlzeit nicht benötigt, kann man für die nächste aufheben, weil sie nicht verändert wurden. Lediglich ihre Haltbarkeit begrenzt dieses Verfahren ein wenig, aber es gibt technische Mittel, sie um ein Mehrfaches zu erhöhen (Kühlschrank), so daß dieses Problem kaum eine Rolle spielt.

In freier Natur funktioniert diese Methode selbstverständlich auch, weil man bei einem längeren Spaziergang durch einen Wald oder über eine Obstwiese verschiedene Lebensmittel prüfen kann, bis man ein passend erscheinendes findet.

Wie funktioniert diese Auswahl genau?

Der Geruchssinn und seine Rolle in der Ernährung

Die Wissenschaft glaubte zu dem Zeitpunkt, zu dem dieser Artikel geschrieben wurde (März 2012), immer noch, daß der Geruchssinn einem Menschen lediglich dazu dient, einen geeigneten Partner zu finden oder vielleicht noch, unangenehme oder giftige Substanzen in der Atemluft zu vermeiden. Die Rolle, die der Geruchssinn in der Ernährung spielt, ist nicht bekannt oder wird geleugnet.

Unter natürlichen Bedingungen gibt es jederzeit ein Angebot verschiedenster Nahrungsmittel, u.a. Obst, Kräuter, Nüsse, Samen, Wurzeln, usw., das aber nicht an einem Ort versammelt ist sondern je nach Standort der verschiedenen Pflanzen über eine große Fläche verstreut ist. Zu diesem örtlich feststehenden Angebot kommen hier und da herumliegende tote Tiere bzw. deren Überreste, die folglich auch ein Angebot an Nahrung darstellen. Ferner gibt es Nahrung in Form von Eiern, die aus Nestern brütender Vögel gestohlen werden können und Honig, der aus Bienenstöcken entwendet werden kann, alles Methoden, die unsere Vorfahren mit Sicherheit angewandt haben.

Es wäre sehr umständlich und zeitraubend gewesen, wenn der Mensch sich zu jeder der verstreuten Nahrungsquellen hätte begeben müssen, um sie zu prüfen. Es genügt stattdessen, daß er sich in die Nähe eine Nahrungsquelle begibt, wobei "Nähe" bei Naturvölkern durchaus einen Kilometer bedeuten kann. Bis auf diese Entfernung läßt sich nämlich Nahrung mit dem Geruchssinn wahrnehmen. Wissenschaftliche Untersuchungen des Geruchssinns belegen, daß die menschliche Nase bei einer Reihe von Stoffen schon ein einziges Molekül in einem Kubikmeter Luft wahrnehmen kann, sofern dieses Molekül eingeatmet wird. Ein heutiger Zivilisationsmensch kann dies zunächst einmal vermutlich nicht, nach einiger Übung ist es aber denkbar.

Auf die selbe Weise findet übrigens jedes Tier seine Nahrung. Selbst die kleinste Fruchtfliege "weiß" mit Sicherheit nicht, daß sie 2x links, 1x rechts, dann 5 Meter geradeaus und wieder 2x links fliegen muß, um zum Obstkorb einer menschlichen Behausung zu gelangen. Sie folgt vielmehr ihrem Geruchssinn und fliegt in Richtung zunehmender Stärke des Geruchs. Auf diese einfache Weise findet sie ihre Nahrung, auch wenn der Weg dahin einem Beobachter höchst kompliziert erscheinen mag.

Der Geruchssinn dient also dem Auffinden einer für eine Mahlzeit geeigneten Nahrung. Er berücksichtigt dabei gleich auch den Reifezustand, denn unreifes Obst riecht bekanntlich nach nichts. Eine genaue Beschreibung der Funktion des Geruchssinns findet sich in dem Artikel Geruchssinn und instinktive Auswahl. Dort wird auch erläutert, daß der Geruchssinn absolut subjektiv ist und vom Gehirn so gesteuert wird, daß er nur die Lebensmittel wahrnimmt, die zur Deckung der momentanen Nährstoffbedürfnisse des Körpers am besten geeignet sind.

Der Mensch oder das Tier haben nunmehr ein geeignetes Lebensmittel gefunden. Wie funktioniert die Mengensteuerung, deren Präzision äußerst wichtig ist, wie wir in vorangegangenen Überlegungen gesehen haben?

Der Geschmackssinn und seine Rolle in der Ernährung

Sie funktioniert während des Essens über den Geschmack. Selbst ein Mensch, der sich von der üblichen denaturierten Nahrung ernährt, kann bestätigen, daß es vorkommt, daß das Essen während einer Mahlzeit auf einmal nicht mehr schmeckt. Wenn man unzubereitete Nahrung verwendet, tritt dieser Effekt wesentlich stärker hervor und dient als Signal, daß man das Essen beenden sollte.

Jedes Tier ißt also so lange, wie es gut schmeckt und hört sofort auf, wenn der Geschmack sich in irgendeiner Weise negativ verändert. Auf die selbe Weise funktioniert die Ernährung auch beim Menschen, aber dieses Wissen ist infolge der weltweiten Verbreitung der denaturierten Ernährungsweise mit gekochten, gebratenenen oder anderweitig zubereiteten Lebensmitteln in Vergessenheit geraten.

Die Mengensteuerung über den Geschmackssinn funktioniert nämlich nur dann zuverlässig, wenn die verzehrten Lebensmittel absolut natürlich und in keiner Weise manipuliert waren. Es reicht schon aus, Avocados zu salzen, Erdbeeren zu zuckern oder Austern mit Zitronensaft zu beträufeln, damit man erheblich mehr davon essen kann, als wenn man diese Manipulation unterlassen hätte. Diesen Versuch kann jeder selbst unternehmen und die hier gemachten Aussagen auf diese Weise bestätigen. Eine ausführliche Begründung für diese Tatsache gibt es in dem Artikel Funktionsbereich und Grenzen von Instinkten.

Das eingebaute Labor

Statt eines technischen Labors, das vor einer Mahlzeit die eigenen Nährstoffbedürfnisse ermittelt und ausgibt, damit wir wissen, welches Menü wir in welcher Größe bestellen müssen, gibt es eine in jedem Lebewesen vorhandene Instanz, die genau dies tut und höchstwahrscheinlich im Gehirn angesiedelt ist: den Ernährungsinstinkt. Er leistet das, was mit technischen Mitteln bis heute nicht möglich ist und zwar mit enormer Genauigkeit. Er manifestiert sich über den Geruchs- und Geschmackssinn sowie weitere Wahrnehmungen, um das Ziel, den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen, zu erreichen. Ein eigener Artikel widmet sich ihm.

Wir wissen nun, daß wir von der Natur mit Sinnen ausgestattet wurden, die es uns auf sehr einfache Weise ermöglichen, die richtige Nahrung zu finden und in genau der von unserem Körper benötigten Menge zu verzehren. Der Mechanismus funktioniert ausschließlich mit naturbelassenen Lebensmitteln und paßt sich den aktuellen Nährstoffbedürfnissen ständig an. Auf diese Weise trägt er den täglich wechselnden Bedürfnissen unseres Körpers Rechnung.

Essen ohne Rezepte

Auswahl roher Lebensmittel

Nach den Erläuterungen und Schlußfolgerungen der vorangegangegen Abschnitte ist klar, daß Ernährung nicht im Vorhinein planbar ist. Hierzu müßten wir unsere Nährstoffbedürfnisse genau kennen und dies ist nicht möglich. Das eingebaute Labor in Gestalt des Ernährungsinstinkts kennt sie, ist aber nicht so konstruiert, daß es uns fertige Menüs und Essensfahrpläne ausgibt, sondern steuert die Art und Menge der Nahrung unmittelbar vor dem Essen (die Auswahl) und während des Essens (die Menge).

Es ist daher nicht möglich, für das nächste Essen ein Rezept zu erstellen, und es ist auch nicht sinnvoll, denn jegliches Rezept würde die tatsächlichen Nahrungsbedürfnisse unseres Körpers mehr oder weniger stark verfehlen. Aus dem gleichen Grund ist es auch nicht möglich, Bücher mit Rezepten für die Ernährung zu schreiben, auch wenn es infolge mangelnden Verständnisses der hier erklärten Zusammenhänge sehr viele solcher Bücher gibt.

Die für unseren Körper angemessene Ernährungsweise spielt sich also ohne Rezepte ab. Wir müssen Rezepte und Nährstofftabellen genau so wenig benutzen wie es ein Tier tut, um uns richtig zu ernähren und die längste Zeit unserer Evolution haben wir derartige Dinge in der Tat nicht benutzt. Damit ist eine funktionierende Ernährungsweise stets ein dynamischer Vorgang, dessen Ergebnisse so wenig vorhergesagt werden können wie der nächste Tag in unserem Leben. Anders ausgedrückt ist natürliche Ernährung so wie das Leben ständig im Fluß und wiederholt sich nie.

Behauptung und Befragung

Das hier beschriebene Verfahren, sich zu ernähren, das auch instinktive Ernährung genannt wird, ist den Wechselfällen des Lebens am besten angepaßt. Es beruht auf dem Prinzip der Befragung (der eigenen Sinne), während die Verwendung von Rezepten auf dem Prinzip der Behauptung beruht. Die Befragung ist der natürliche geistige Zustand eines voll beweglichen Menschen, während die Behauptung einem erstarrten und unbeweglichen Geist entspringt. Ausführlich ist dies in dem Artikel Behauptungszustand und Befragungszustand erläutert.

Die heutige Ernährung mit gekochter Nahrung entspringt dem Behauptungszustand, führt in ihren Auswirkungen aber auch in diesen Zustand. Es handelt sich offensichtlich um ein sich selbst erhaltendes System, das aber langfristig zu einem sich verschlechternden Gesundheitszustand führt und damit zum Aussterben. Wie konnte es zu der Einführung dieses Systems kommen, wenn doch das natürliche System der Ernährung viel gesünder und an die Schwankungen des Lebens besser angepaßt ist? Dieser Frage wird in dem Artikel Die Ursprünge der Landwirtschaft nachgegangen. Damit ist die philosophische Erörterung des Funktionierens von Nahrung abgeschlossen.