Autor Thema: Mein Weg zur Rohkost, Teil 5 (roh-omnivore Kost, 22 bis 24 Jahre)  (Gelesen 1104 mal)

Sonnenkind

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Zunächst möchte ich auf meine körperlichen und geistigen Symptome eingehen, die mir immer mehr aufzeigten, dass mein Weg der roh-veganen Kost nicht weiter gangbar für mich war.

Körper

Zähne: schmerzende Zähne, Verfärbungen, Beläge

Haut: Unreinheiten, wunde, nässende Stellen an Finger- und Zehenoberseiten, Pickel in Gesicht, an den Oberarmen und am "Dekolletee", sehr trockene Haut, Juckreiz und Kribbeln an Handflächen und Fußsohlen

Statur: Abmagerung, Muskelabbau

Gesicht: eingesunkene Augen, gerötete Wangen, Aufgedunsenheit

Geist

Schwierigkeiten Ein- und Durchzuschlafen

Fahrigkeit, Konzentrationsprobleme, Nervosität

Stimmungsschwankungen, Depressionen, Gereiztheit, Überempfindlichkeit, Traurigkeit, Melancholie, Sentimentalität

Über all dem stand aber vor allem das permanente Gefühl des Unbefriedigtseins und des "nie Sattwerdens".
Ich versuchte dies mit einem Überkonsum verschiedenster Früchte zu kompensieren, was zu weiteren Symptomen und Überlastungsreaktionen führte. So verdrückte ich bergeweise (keine Übertreibung) Tomaten und Paprika oder Karotten. Diese Massen an Tomaten und Paprika führten beispielsweise zu Herzrasen, Zittern und einem massiven, elektrisch anmutendem Jucken und Kribbeln an Handinnenflächen und Fußsohlen. Der Überkonsum an Karotten machte mich launisch und weinerlich.

Auch meine Verdauung begann zu leiden. Ich sah mich mit einem permanenten Blähbauch und Durchfällen konfrontiert. Leider war ich zum damaligen Zeitpunkt mit meinem Latein am Ende, da für mich eine Ernährung tierischen Ursprungs nicht in Frage kam.

So stopfte ich weiter Grünzeug, Karotten, Früchte usw in mich hinein, in der irrigen Hoffnung, das Problem würde sich "irgendwie von selbst" lösen.

Tat es dann auch...

Eines Abends (immer schon die Tageszeit, zu der ich meine Mahlzeiten einnahm) stand ich wieder vor meinem Berg Karotten und Wildkräutern, die ich nacheinander zu mir nehmen wollte. Aber es ging nicht. In mir war alles blockiert. Ich wollte dieses Essen nicht zum Mund führen. Wie fremdgesteuert rannte ich aus dem Haus und schwang mich auf mein Fahrrad. Es war wie Schlafwandeln. Ich radelte zum nächsten Bioladen und kaufte ein Stück Rohmilchbutter und 150 g Rohmilchziegenkäse. Alles lief wie in Trance ab. Noch zehn Minuten vorher hatte ich keinerlei Vorstellung von dieser Handlung gehabt.

Wieder zuhause aß ich die Butter zusammen mit dem Käse im Stehen aus der Verpackung.

Zum ersten Mal seit langer Zeit "arbeitete" ich mich nicht "durch das Essen durch", sondern es rutschte einfach von ganz alleine und in meinem ganzen Körper breitete sich sofort, ohne Verzögerung, eine unbeschreibliche Erleichterung und Befriedigung aus. Mein Bauch war weder voll noch gedehnt. Meine Nahrungsmenge betrug allerhöchstens 250 g insgesamt und doch war ich so unglaublich satt und zufrieden wie seit Langem nicht mehr.

Gleichzeitig hatte ich das verrückte und beglückende Gefühl, in meinem Gehirn "gingen die Lichter an". Plötzlich war da ein Fokus, eine Schärfe des Geistes, eine Konzentration, auf das, was in diesem Moment war. Ich fühlte mich wie ein Luchs, wie ein Raubtier. Geschärfte Sinne. Völlig da. In mir breitete sich eine wohlige Wärme aus, ein Gefühl von Leichtigkeit, ein Einssein mit mir, mit dem Augenblick. Ich fühlte mich geerdet, verbunden, völlig ruhig.

All diese Eindrücke, gepaart mit dem Erlebnis des "Kontrollverlustes" waren sehr heftig und überraschend für mich. Doch ich war so dankbar für all die positiven Empfindungen, dass ich es einfach geschehen ließ und es genoss.

In den darauffolgenden Tagen "pilgerte" ich täglich zum Bioladen und kaufte mir jedes Mal denselben Ziegenkäse und die Rohmilchbutter, um diese abends genüsslich zu verspeisen. Dies blieb über Wochen meine einzige Mahlzeit, die mich voll und ganz befriedigte. Meine Haut heilte innerhalb weniger Tage, der Bauch wurde flach und die Verdauung beruhigte sich.

Ich hinterfragte mein Essverhalten nicht, ich ließ es einfach geschehen. Zu glücklich war ich über meinen körperlichen und geistigen Zustand.

Nach einigen Wochen spürte ich, dass mir der Käse über war. Zudem bekam ich auf lange Sicht Verstopfung davon, trotz der Butter, die ich stets dazu aß.

Da mich die Vorstellung, Tiere zu essen, immer noch abschreckte, beschloss ich, es mit Eiern zu versuchen. So ernährte ich mich längere Zeit von 12 Eiern, die ich in eine Schüssel schlug und verquirrlte. Dazu gab es Rohmilchbutter.

Etwa ein halbes Jahr lang aß ich überhaupt keine pflanzlichen Lebensmittel mehr, da ich sie einfach nicht runterbekam.

Erst als mir auch die Eier über wurden, machte ich mich wieder an meine zuvor so heiß geliebten Tomaten, Paprika und Karotten. Ich versuchte mich auch an Äpfeln und Trauben, musste aber feststellen, dass ich nicht nur keinen Bedarf daran hatte, sondern sogar Magenkrämpfe und eine juckende, brennende Mundhöhle davon bekam.

Als ich die Eier absolut nicht mehr sehen konnte und auch Käse für mich keine Option mehr war, versuchte ich mich wieder der veganen Rohkost zuzuwenden. Erfolglos. Ich hatte keine Chance. Etwas in mir schrie immer lauter nach Fleisch und zwar vor allem nach Fisch.

Dazu mehr im nächsten Teil.
« Letzte Änderung: 08. Juli 2022, 07:00:34 von Sonnenkind »

Sabine

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Antw:Mein Weg zur Rohkost, Teil 5 (roh-omnivore Kost, 22 bis 24 Jahre)
« Antwort #1 am: 26. Juni 2022, 07:33:48 »
Hallo Sonnenkind, lieben Dank auch für diese mit uns geteilte Episode. Toll, wie gut du auf deine Empfindungen reagiert hast.
Viele Grüße von Sabine