Autor Thema: Mein Weg zur Rohkost, Teil 6 (roh-carnivore Kost, ab 24- 26 Jahre)  (Gelesen 544 mal)

Sonnenkind

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Immer wieder ließ mir mein Körper deutliche Signale zukommen, dass es nun an der Zeit war, mich an den Fisch heranzuwagen.
Überall fiel mir der Fisch auf: in Werbeanzeigen, Supermärkten und in Schilderungen von Fischmahlzeiten in Büchern, die ich las. Ich träumte sogar davon, wie ich eine knusprig gegrillte Forelle aus einer Alufolie an einem Lagerfeuer verspeiste.

Auf dem Heimweg von der Arbeit radelte ich eines Tages einen Umweg und kam dabei an einem mir bisher völlig unbekannten kleinen Geschäft vorbei. "Frische Karpfen. Eigene Haltung." stand dort auf einem Schild. Nachdem ich erst daran vorbei gefahren war, machte ich mir ein paar Meter weiter die ersten Gedanken. Soll ich? Soll ich nicht? Karpfen waren bisher nicht gerade meine Leibspeise gewesen. Ich hatte sie immer als speckig und schleimig im Mund empfunden. Dann lief wieder alles ziemlich automatisch ab. Ich machte eine Vollbremsung und eine Kehrtwende und eh ich es mir versah, stand ich schon im Geschäft. Ein Mann in einer Schürze stand hinter dem Tresen und begrüßte mich. Gemeinsam betraten wir ein Hinterzimmer mit großen Karpfenbassins, in denen ich mir einen der dort putzmunter herumschwimmenden Gesellen aussuchte. Dieser wurde dann frisch geschlachtet und ausgenommen.
Mit meiner "Beute" radelte ich nach Hause und nahm dort die erste (gekochte) Fischmahlzeit ein.

Es war paradiesisch. Das Fleisch des Fisches zerschmolz mir zart und buttrig auf der Zunge und ich spürte, wie sich mein ganzer Körper vollkommen entspannte und die Nahrung geradezu aufsaugte. Ich war völlig mit diesem Moment verschmolzen. Ich fühlte mich wie ein Verdurstender, der endlich auf eine Wasserquelle gestoßen war.

Die Nacht war dann allerdings weniger paradiesisch. Der Fisch lag mir ziemlich schwer im Magen und ich träumte allerlei Verrücktes. Am nächsten Morgen fühlte ich mich schwer und aufgedunsen. Ich vermutete zwei Faktoren für diesen Zustand: In meinem Verlangen und aufgrund der gekochten Zubereitung hatte ich vermutlich einfach zu viel gegessen und zudem lag mir das Gekochte im Magen quer. Ich spürte das auch deutlich an meiner gedrückten, benebelten, irgendwie von der Welt abgeschnittenen Stimmung.

So war mir klar, dass ich als Nächstes rohen Fisch wollte, und zwar Lachs! Aber ich hatte einen Heidenrespekt davor. Ich hatte keine Ahnung, wo ich vertrauenswürdige Bezugsquellen finden konnte.

Deswegen verlagerte ich mich zunächst auf rohes Fleisch und zwar in Form von Tatar. Das war ganz offiziell zum Rohverzehr gedacht und schon bald hatte ich mir einen Lieblingsmetzger auserkoren, der mir zudem fast kostenlos Abschnitte rohen Specks "hinterherwarf", die ich gemeinsam mit dem ansonsten viel zu magerem Tatar verspeisen konnte. Es war ein Hochgenuss! Die Möglichkeit, meine Anteile an Fett und Protein zu variieren war wunderbar, so konnte ich ganz nach den Bedürfnissen meines Körpers speisen. Meist aß ich allerdings einen sehr sehr hohen Fettanteil (350 bis 450 g Speck) und einen eher niedrigen Proteinanteil (etwa 250 g Tatar, was ungefähr 50 bis 60 g Protein entspricht). Damit fühlte ich mich mental und körperlich am wohlsten. Ich hatte unglaublich viel Energie, bewegte mich noch mehr als sonst, benötigte wenig Schlaf, schlief jede Nacht wie ein Löwenbaby, war stets konzentriert, fokussiert und sehr sehr ausgeglichen. Ich verspürte den ganzen Tag über einen konstanten Strom an Energie, ohne irgendwelche Einbrüche von Müdigkeit, Unkonzentriertheit oder Launigkeit.

Nach etwa einem Jahr kaufte ich mir an der Fischtheke eine frische Makrele, die zwar ausgenommen, aber nicht filettiert war. Es war mein erster roher Fisch und ein Festmahl, allerdings auch eine echte Geduldsprobe für mich als sehr sehr ungeduldigen Menschen!! Die zahlreichen Gräten, die mir immer wieder das köstliche, zarte Fleisch verwehren wollten, verlangten mir sehr viel Geduld ab. Aber es lohnte sich. Und nachdem ich nach diesem Rohverzehr keinen qualvollen Tod gestorben war, wagte ich mich an weitere rohe Fische, darunter Sardinen, Heringe und auch Wildlachs. Bei den Sardinen, die nicht ausgenommen waren, machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit der Galle, auf die ich biss und die mir den gesamten Fisch verdarb. Etwa 20 Minuten spülte ich mir anschließend den Mund mit Wasser aus. Auch wieder eine interessante Erfahrung. Bei allen Fischen aß ich am liebsten den Kopf und dort vor allem Augen und Hirn. Saftig, hydrierend, frisch und ganz leicht süßlich. Ein Hochgenuss. Zudem fühlte es sich beim Verzehr dieser Körperkompinenten stets so an, als wäre die Sonne in meinem Kopf aufgegangen, gleißend hell und strahlend. Meine Stimmung schoss stets auf ihren absoluten Hochpunkt und ich fühlte mich geradezu high! Dabei aber völlig klar im Kopf, mit einem superscharfen Verstand, völlig geerdet, in mir ruhend, im Flow, gelassen, einfach rundum wohl und zufrieden.

Dieser Zustand, des natürlichen Highs, das Gefühl grenzenlosen Fließens, ruhiger, gleichmäßiger Zufriedenheit, wurde mir mit der carnivoren, rohen Ernährung immer öfter geschenkt. Ich fühlte mich wie ein kleiner Zen Mönch.

Meine Verbundenheit zur Natur, zu mir selbst und zur Ruhe, zum Moment wurde noch stärker, die Freude an Bewegung, innerem Wachstum und Achtsamkeit ein nun fast täglicher Begleiter.

Körperlich war ich all meine Allergien losgeworden, meine Verdauung lief völlig ruhig und gleichmäßig, ich hatte klare, reine Haut, strahlende Augen, kräftige Fingernägel und eine gute Muskelstruktur.

Vieles gibt es hier noch zu ergänzen. Dies werde ich zu einem späteren Zeitpunkt tun.

Susanne

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Deine Schilderungen sind einfach herrlich und erinnern mich an meine eigenen Erlebnisse und Gefühle nach der ersten Mahlzeit mit einem rohen, tierischen Lebensmittel: Bei mir war es eine Mini-Portion Kaninchenfleisch, die mich nach langen Jahren veganer Ernährung in helles Entzücken versetzte.

Danach gab es kein Halten mehr, ich versuchte mich an weiteren tierischen Lebensmitteln, einschließlich Innereien. An Fisch fand ich allerdings lange Zeit keinen Gefallen, wohl aber an Meeresfrüchten: Taschenkrebse beispielsweise waren eines meiner Leibgerichte.

Danke nochmals für deine ausführlichen Bericht und weiterhin alles Gute auf deinem Rohkostweg. 🙏🏻
Einmal roh, immer roh 🤩