Was Rohkost ist und nicht ist

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Diese Seite wurde von dem Buch "Das ist Yoga!" des ausgezeichneten Lehrers Boris Sacharow † 1959 inspiriert, in dem es das Kapitel "Was Yoga ist und nicht ist" gibt.

Positive Definition der Rohkost

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Diese Definition sieht wie folgt aus:

Rohkost umfaßt alle Lebensmittel, an die der Mensch genetisch angepaßt ist.

Die Menge dieser Lebensmittel besteht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aus allem, was in freier Natur beschaffbar ist, also Obst, Gemüse, Kräuter, Algen, Fleisch, Nüsse, Meerestiere, Samen, Erde, Eier, Wasser, Honig und mehr.

Im Einzelnen ist die Frage nach der genetischen Anpassung des Menschen eine sehr tiefgründige und schwierig zu beantwortende Frage, weil sie uns zurück in unsere Evolution führt, in der bekanntlich die längste Zeit keine Aufzeichnungen geführt wurden. Der folgende Artikel versucht, eine ausführliche Antwort zu geben: Was ist 100% Rohkost?. Damit wissen wir, was Rohkost ist. Was aber ist keine Rohkost? Darauf geht der nächste Abschnitt ein.

Negative Definition der Rohkost

Diese Definition ist etwas schwieriger, weil die heutigen technischen Möglichkeiten derart umfangreich sind, daß es langer Listen bedarf, um alle Behandlungsmethoden, denen Lebensmittel (oft ohne Deklaration) unterzogen werden, aufzuzählen.

Am wichtigsten ist das Wissen über die gängigen Möglichkeiten, mit denen handelsübliche Lebensmittel denaturiert werden. Sie sind in dem Abschnitt Denaturierte Lebensmittel beschrieben.

Darüber hinaus hat es die Menschheit fertiggebracht, sich Lebensmittel zu verschaffen, die es in ihrer Evolution niemals gab oder die mit den damaligen Mitteln nicht verfügbar waren. Obwohl diese Lebensmittel also roh sind, zählen sie nicht zur Rohkost, weil wir genetisch nicht an sie genetisch angepaßt sind. Der Artikel Für die Rohkost ungeeignete Lebensmittel widmet sich ihnen.

Damit haben wir unser Handwerkszeug beisammen und die Definition dessen, was Rohkost nicht ist, ist komplett. Leider ist es nicht auszuschließen, daß es zukünftig noch weitere technische Methoden geben wird, die zur Denaturierung von Lebensmitteln führen, und genau so wenig kann es verhindert werden, daß weitere Lebensmittel gezüchtet werden, die die genetische Anpassung des Menschen verlassen. Die Menschheit agiert in diesen Fragen momentan wie der Zauberlehrling, der nicht weiß, wie er die Geister, die er rief, wieder loswerden soll.

Falsche Vorstellungen über die Rohkost

An dieser Stelle soll eine weit verbreitete Vorstellung korrigiert werden, die zu einer verkehrten Einschätzung der rohen Ernährung führt. Sie lautet:

Rohkost ist das selbe wie Kochen, nur daß man die Sachen roh ißt.

Ein großer Irrtum!

In der gekochten Ernährung kommt einer geringen Anzahl von Nahrungsmitteln eine sehr große Bedeutung zu, die daher Grundnahrungsmittel genannt werden. Diese sind Getreide, Gemüse, Fisch und Fleisch. Obst wird meist nur als Nachtisch oder Beigabe verzehrt, Nüsse bestenfalls als Knabberei und Kräuter dienen hier und da dem Würzen und der geschmacklichen Abrundung.

Ganz anders dagegen die Rohkost: es ist nicht möglich, eine Getreide- und Gemüse-lastige Kochkost in eine eben solche rohe Ernährung zu überführen, weil man schnell feststellt, daß sich diese Lebensmittel in roher Form nicht mehr in den Mengen essen lassen wie gekocht. Außerdem ist ihre geschmackliche Attraktivität im rohen Zustand weitaus geringer als die von Früchten, Kräutern und Nüssen. Die Lebensmittelpalette ändert und vergrößert sich gegenüber der Kochkost also erheblich. Wie sie aussieht und welche Lebensmittel für einen Rohköstler Grundnahrungsmittel sind, kann hier nachgelesen werden: Die natürliche Lebensmittelpalette.

Es ist außerdem nicht möglich, das Eßverhalten, das sich durch die Kochkunst ergeben hat, 1:1 auf die Rohkost zu übertragen, obwohl dies sehr häufig versucht wird. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Eßverhalten bei gekochter und roher Nahrung

Neben dem Zustand, in dem Lebensmittel verzehrt werden, besteht ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Kochkost und Rohkost im Eßverhalten. Gekochte Nahrung wird üblicherweise gewürzt und anschließend in gemischter Form verzehrt, d.h. es werden mehrere Lebensmittel zu einem Gericht zusammengestellt und miteinander vermischt gegessen. Eine Auswahl dessen, was gegessen wird, findet nur einmal statt, indem man sich für dieses oder jenes Gericht entscheidet. Eine Begrenzung der verzehrten Mengen ist nur insofern möglich, als man den Verzehr eines Gerichtes beenden und den Rest stehen lassen kann. Derartiges Verhalten ist jedoch verpönt.

Es ist zwar möglich, dieses Eßverhalten auf die Rohkost zu übertragen, also auch rohe Lebensmittel zu würzen und gemischt zu verzehren, siehe dazu den Artikel Küchenrohkost. Es hat sich aber gezeigt, daß eine langfristig zufriedenstellende Rohkost-Praxis auf diese Weise nicht möglich ist. Eine Rohköstlerin drückte dies nach 10 Monaten Rohkost-Praxis so aus:

Ich mache nun seit letztem Sommer Rohkost und habe davon einige gesundheitliche Vorteile erhalten. Allerdings merke ich auch, daß der Leitsatz „Hauptsache roh“ nicht ewig funktioniert. Es entstehen Ungleichgewichte und daher wieder gesundheitliche Nachteile.

Um langfristig Rohkost praktizieren zu können, ist es erforderlich, sein Eßverhalten an die neue Kostform anzupassen und dies bedeutet, daß man das Mischen und Würzen der Nahrung zugunsten des einzelnen Verzehrs ungewürzter roher Lebensmittel aufgeben muß. Nur auf diese Weise ist es möglich, daß die feinen Steuerungsmöglichkeiten des Ernährungsinstinkts wieder ihre Funktion übernehmen und Art sowie Menge der zugeführten Nahrung regeln. Auf der geistigen Ebene bedeutet dies, daß man sich vom Behauptungs- in den Befragungszustand begibt, eine Umstellung, die für die meisten Menschen sehr schwierig ist und die sie so lange wie möglich vermeiden.

Die Änderung des Eßverhaltens hat langfristig eine geistige Weiterentwicklung zur Folge, die in dem Abschnitt Geistige Weiterentwicklung beschrieben ist.

Zusammenfassung

Rohkost bedeutet nicht nur eine Umstellung des Zustands der verzehrten Lebensmittel (roh statt gekocht) sondern auch eine erhebliche Änderung der Lebensmittelpalette und des Eßverhaltens.