Die Ursprünge der Landwirtschaft

Aus Rohkost-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Ursprünge der Landwirtschaft

Eine biologische Sichtweise und eine neue Hypothese

Von Greg Wadley & Angus Martin
Department of Zoology, University of Melbourne
Veröffentlicht im Australian Biologist 6:96 – 105, Juni 1993

Englischer Originaltext

Einleitung

Was würde wohl an der Spitze einer Liste der charakteristischen Eigenschaften der Art "Mensch" stehen? Während in unserer eigenen Sichtweise unserer selbst sicherlich unsere Leistungen in Technik, Kunst, Medizin, Raumfahrt und ähnlichem hervortreten würden, würde in einer leidenschaftslosen Beurteilung möglicherweise die Landwirtschaft alle anderen Konkurrenten vom ersten Platz verdrängen. Die meisten anderen Errungenschaften der Menschheit sind aus dieser gefolgt. Alle Menschen der Erde werden fast ausnahmslos durch die Landwirtschaft versorgt. Mit wenigen unbedeutenden Ausnahmen betätigt sich keine andere Art als Landwirt. Im Grunde genommen wird weltweit alles landwirtschaftlich nutzbare Land auch kultiviert. Und doch begann die Landwirtschaft erst vor ein paar tausend Jahren, weit nach dem Auftreten des anatomisch modernen Menschen.

Angesichts der Geschwindigkeit und Reichweite dieser Revolution in der Humanbiologie ist es ziemlich ungewöhnlich, daß kein allgemein akzeptiertes Erklärungsmodell existiert, welches dem Ursprung der Landwirtschaft Rechnung trägt. Tatsächlich hat in den letzten Jahren eine zunehmende Zahl von Argumenten dafür gesprochen, daß die Landwirtschaft, weit davon entfernt, ein natürlicher und aufwärtsgerichteter Schritt zu sein, in Wirklichkeit allgemein zu einer niedrigeren Lebensqualität führte. Jäger und Sammler arbeiten typischerweise weniger für die selbe Menge an Nahrung, sind gesünder und Hungersnöten weniger ausgesetzt, als einfache Bauern. (Lee & De Vore 1968, Cohen 1977, 1989). Eine biologische Einschätzung des sogenannten Rätsels der Landwirtschaft würde es in einfachen Worten von Verhaltensforschern folgendermaßen ausdrücken: Warum wurde dieses Verhalten (Ackerbau) verstärkt (und folglich ausgewählt), wenn es keine Anpassungsvorteile bot, welche die Vorteile von Jäger und Sammler- oder Nahrungssucher-Wirtschaften übertrafen?

Dieses Paradoxon ist die Ursache eines Überflusses an Erklärungsmodellen zum Ursprung der Landwirtschaft. Hayden (1990) bemerkte:

Nur wenige Themen der Vorgeschichte haben so viele Diskussionen hervorgerufen und endeten mit so wenigen zufriedenstellenden Antworten, wie der Versuch, zu erklären, warum Jäger und Sammler damit begannen, Pflanzen zu kultivieren und Tiere zu halten. Klimatische Veränderungen, Bevölkerungsdruck, Seßhaftwerdung, Konzentration von Resourcen durch Verwüstung, weibliche Hormone, Landbesitz, Genies, Rituale, geplante Konflikte, zufällige genetische Kombinationen, natürliche Selektion, breitgefächerte Anpassung und die Zuflucht zu multikausalen Erklärungen wurden alle angeboten, um die Kultivierung zu erklären. Alle beinhalten größere Schwachpunkte... die Daten harmonieren mit keinem dieser Modelle gut.

Kürzlich erfolgte Entdeckungen potentiell psychoaktiver Substanzen in bestimmten landwirtschaftlichen Produkten – Getreide und Milch – eröffnen eine weitere Sichtweise der Übernahme des Ackerbaus und der Verhaltensänderungen (’Zivilisation‘), welche ihr folgten. In diesem Artikel überprüfen wir die Beweise für die drogenähnlichen Eigenschaften dieser Nahrungsmittel und zeigen dann, wie sie helfen können, das eben beschriebene biologische Rätsel zu lösen.

Das Auftauchen des Ackerbaus und der Zivilisation im Neolithikum

Der Übergang zum Ackerbau

Vor ca. 10 000 Jahren begannen Gruppen von Menschen in verschiedenen Gebieten der Welt die nahrungssuchende Lebensweise aufzugeben, die seit Millionen von Jahren erfolgreich, universell und weitgehend unverändert war (Lee & De Vore 1968). Sie fingen an zu horten, kultivierten dann Land mit Getreide-Gräsern, siedelten sich dort herum an und züchteten Tiere wegen ihrem Fleisch, ihrer Arbeitskraft, ihrer Haut und anderen Materialien sowie ihrer Milch.

Die Landbewirtschaftung, welche vorwiegend auf Weizen und Gerste basierte, tauchte zuerst im Mittleren Osten auf und breitete sich schnell über Westasien, Ägypten und Europa aus. Die frühesten Zivilisationen verließen sich hauptsächlich auf Getreideanbau. Die Kultivierung von Obstbäumen begann 3 000 Jahre später, wiederum im Mittleren Osten, und Gemüse und andere Feldfrüchte folgten (Zohari 1986). Die Kultivierung von Reis begann in Asien vor ca. 7000 Jahren (Stark 1986).

Bis zum heutigen Tag stammen zwei Drittel der Protein- und Kalorienzufuhr der meisten Menschen aus Getreide. (Im Westen verminderte sich im 20. Jhd. der Konsum von Getreide leicht zugunsten von Fleisch, Zucker, Fetten, usw.) Der Anteil der Getreidesorten an der momentanen Weltproduktion lautet für Weizen 28%, Mais 27%, Reis 25%, Gerste 10% und andere Getreide 10% (Pederson et al. 1989).

Die Änderung der Ernährung als Folge der Landwirtschaft

Die moderne menschliche Ernährung unterscheidet sich sehr von der engverwandter Primaten, und fast ohne Zweifel auch von der früher Hominiden (Gordon 1987). Obwohl es bezüglich der Ernährungsweise der Menschen vor der Entwicklung der Landwirtschaft Kontroversen gibt, enthielt die Nahrungspalette sicherlich nicht Getreide und Milch in größeren Mengen. Die Vorratsgruben und Verarbeitungswerkzeuge, die für einen signifikanten Konsum von Getreide notwendig sind, tauchten nicht vor dem Neolithikum auf (Washburn & Lancaster 1968). Milchprodukte waren vor der Zähmung von Tieren nicht in großen Mengen erhältlich.

Die Ernährung der frühen Hominiden (vor ca. 4 Millionen Jahren), so wie sie sich aus der Ernährungsweise der Primatenvorfahren herausbildete, bestand hauptsächlich aus Früchten, Nüssen und anderen pflanzlichen Produkten sowie etwas Fleisch – Bestandteile, die mit wenig oder ohne Verarbeitung beschafft und verzehrt werden konnten. Vergleiche zwischen der Anatomie von Primaten und Fossilien von Hominiden sowie zwischen den Arten und der Verbreitung der Pflanzen, die von modernen Schimpansen, Gorillas und Menschen roh verzehrt werden (Peters & O’Brien 1981, Kay 1985), und auch die mikroskopische Analyse von Abnutzungsspuren auf fossilen Zähnen (Walker 1981, Peuch et al. 1983) lassen den Schluß zu, daß Australopithecinen hauptsächlich früchteessende Allesesser waren, deren Ernährungsmuster dem moderner Schimpansen ähnlich war. (Susman 1987:171)

Die Ernährung des anatomisch modernen Menschen vor der Einführung der Landwirtschaft (vor über 30 000 Jahren) war etwas abwechslungsreicher, bestand aber immer noch aus Fleisch, Früchten, Nüssen, Hülsenfrüchten, eßbaren Wurzeln und Knollen, während der Konsum von Getreide erst gegen Ende des Pleistozäns zunahm (z.B. Constantini 1989 und spätere Kapitel in Harris und Hillman 1989).

Das Aufkommen der Zivilisation

Innerhalb einiger tausend Jahre nach der Übernahme des Getreideanbaus begann die althergebrachte Art der sozialen Organisation der Jäger und Sammler zu verfallen. Große hierarchisch organisierte Gesellschaften erschienen, die sich erst in Dörfern und dann in Städten konzentrierten. Mit dem Auftauchen der Zivilisationen und des Staates entstanden sozioökonomische Klassen, Arbeitsteilung, Regierungen und Armeen.

Die Größe der Bevölkerungen, welche als koordinierte Einheiten lebten, stieg weitaus schneller, als vor dem Auftauchen der Landwirtschaft. Während Jäger und Sammler in egalitären, unabhängigen Gruppen von ca. 20 eng verwandten Personen lebten und bestenfalls eine Organisation auf Stammes-Niveau besaßen, hatten frühe landwirtschaftliche Dörfer 50 – 200 Einwohner und frühe Städte 10 000 und mehr. Die Menschen mußten lernen, tiefverwurzelte Triebe zu zügeln, die zu anschwellenden Konflikten und Gewalt in großen Gruppen führten. (Pfeiffer 1977:438)

Ackerbau und Zivilisation bedeuteten das Ende der Nahrungssuche, einer Methode des Lebensunterhaltes mit kurzfristigen Zielen und Belohnungen, und (für die meisten) den Anfang regelmäßiger, mühsamer Arbeit, welche sich nach zukünftigen Löhnen und den Wünschen von Höherstehenden richtete. ’Mit dem Aufkommen großer Lebensgemeinschaften bewirtschaftete die Familien das Land nicht mehr nur für sich selbst und ihre unmittelbaren Bedürfnisse, sondern für Fremde und für die Zukunft. Sie arbeiteten den ganzen Tag anstatt ein paar Stunden am Tag, wie es die Jäger und Sammler getan hatten. Es gab Zeitpläne, Zuteilungen, Aufseher und Strafen für Nachlässigkeit‘ (Pfeiffer 1977:21).

Erklärungen für die Ursprünge von Landwirtschaft und Zivilisation

Das Phänomen menschlicher Landwirtschaft und Zivilisation ist aus der Sicht der Verhaltensforschung gesehen interessant, weil

  1. im Grunde genommen keine andere Art so lebt und
  2. die Menschheit bis vor kurzem auch nicht auf diese Weise lebte.

Warum wurde diese Lebensweise übernommen und warum wurde sie innerhalb der menschlichen Art dominant?

Schwierigkeiten bei der Erklärung der Landwirtschaft

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde der Übergang zum Ackerbau als von Natur aus fortschrittlich gesehen: die Menschen lernten, daß das Pflanzen von Samen das Wachstum von Pflanzen zur Folge hatte, und diese neue verbesserte Nahrungsquelle führte zu größerer Bevölkerung, seßhaftem Bauern- und Stadtleben, größerer Freizeit und auf diese Weise zu Spezialisierung, Schriftgebrauch, technischem Fortschritt und Zivilisation. Heute ist klar, daß der Ackerbau trotz bestimmter Nachteile dieser Lebensweise übernommen wurde (z.B. Flannery 1973, Henry 1989). Es gibt solide Literatur (z.B. Reed 1977) nicht nur über die Frage, wie die Landwirtschaft begonnen hatte, sondern auch warum.

Paläopathologische und vergleichende Studien zeigen, daß sich die Gesundheit von Bevölkerungen, die den Getreideanbau übernahmen, verschlechterte, und erst in jüngster Zeit wieder auf das Niveau zurückkehrte, wie es vor der Einführung der Landwirtschaft vorherrschte. Dies ist teilweise der Ausbreitung von Infektionen in bevölkerungsreichen Städten zuzuschreiben, größtenteils ist es aber die Folge der verminderten Nahrungsqualität, die eine Begleiterscheinung intensiven Getreideanbaus war (Cohen 1989). Menschen in vielen Teilen der Erde blieben bis vor kurzem Jäger und Sammler. Obwohl sie sich der Existenz und der Methoden des Ackerbaus ziemlich bewußt waren, lehnten sie es ab, ihn zu übernehmen (Lee & De Vore 1968, Harris 1977).

Cohen (1977:141) faßte das Problem zusammen, indem er fragte:

Wenn Landwirtschaft weder eine bessere Ernährung noch eine bessere Verfügbarkeit der Nahrungsmittel, noch eine Erleichterung mit sich brachte, sondern im Gegenteil eine schlechtere Ernährung, geringere Verläßlichkeit und höheren Arbeitsaufwand, warum geht dann jeder auf Ackerbau über?

Diesbezüglich wurden viele Erklärungen angeboten, die sich in der Regel auf einen speziellen Faktor konzentrierten, der die Übernahme des Ackerbaus erzwang, wie etwa Umwelt- und Bevölkerungsdruck (für Durchsichten siehe Rindos 1984, Pryor 1986, Redding 1988, Blumler & Byrne 1991). Jedes dieser Modelle wurde ausgiebig kritisiert, und derzeit gibt es kein allgemein akzeptiertes Erklärungsmodell für den Ursprung der Landwirtschaft.

Schwierigkeiten bei der Erklärung der Zivilisation

Ein ähnliches Problem ergibt sich bezüglich des auf der ganzen Welt stattfindenden Entstehens von Städten nach der Einführung der Landwirtschaft, und auch hier ist der Erklärung viel Literatur gewidmet (z.B. Claessen & Skalnik 1978). Die bedeutenden Verhaltensänderungen, die mit der Übernahme der zivilisierten Lebensweise einhergingen, warten auf eine Erklärung.

Bledsoe (1987:136) faßte die Situation folgendermaßen zusammen:

Es gab und gibt keine Übereinstimmung bezüglich der Art und der Bedeutsamkeit der Entstehung der Zivilisation. Die durch dieses Problem aufgeworfenen Fragen sind einfach aber fundamental. Wie kam es zur Zivilisation? Welcher Geist trieb die Menschheit an, auf die Unabhängigkeit, die familiären Beziehungen und die Beständigkeit des Stammeslebens zugunsten des viel größeren und unpersönlicheren Komplexes, den wir Staat nennen, zu verzichten? Welche Kräfte verschmolzen miteinander, um die Mutation einzuleiten, die Nomadengesellschaften langsam in bevölkerungsreiche Städte transformierte, die ethnische Vermischungen, Gesellschaftsschichten, verschiedenartigste Wirtschaftssysteme und einzigartige Formen der Kultur aufwiesen? War der Beginn der Zivilisation das unvermeidliche Ergebnis der sozialen Evolution und der natürlichen Gesetze des Fortschritts, oder war der Mensch der Schmied seines eigenen Schicksals? Waren technische Innovationen die motivierende Kraft, oder war es ein ungreifbarer Faktor, wie z.B. Religion oder intellektueller Fortschritt?

In sehr guter Näherung hatte jede auftretende Zivilisation Getreideanbau als Existenzgrundlage, und wo Getreide kultiviert wurde, tauchte eine Zivilisation auf. Manche Hypothesen haben zwischen diesen beiden Sachverhalten Zusammenhänge hergestellt. Wittfogels ’Theorie der Hydraulik‘ (hydraulic theorie, 1957) postulierte beispielsweise, daß Bewässerung für den Ackerbau, und der Staat wiederum zur Organisation der Bewässerung notwendig war. Aber nicht jede Zivilisation nutzte Bewässerung, und andere mögliche Faktoren (z.B. Vorkommen von Flußtälern, Kriegsführung, Handel, Technik, Religion sowie Umwelt- und Bevölkerungsdruck) führten nicht zu einem allgemein akzeptierten Erklärungsmodell.

Pharmakologische Eigenschaften von Getreide und Milch

Jüngste Forschungen in der Nahrungsmittelpharmakologie führen zu einer neuen Sichtweise dieser Probleme.

Exorphine: opiatähnliche Substanzen in Nahrungsmitteln

Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Geisteskrankheiten veranlaßten verschiedene Forscher in den späten 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Existenz von drogenähnlichen Substanzen in einigen alltäglichen Nahrungsmitteln zu untersuchen.
Dohan (1966, 1984) und Dohan et al. (1973, 1983) fanden heraus, daß die Symptome von Schizophrenie ein wenig nachließen, wenn die Patienten eine Diät ohne Getreide und Milch erhielten. Des weiteren fanden sie heraus, daß Menschen mit Zöliakie – Personen, die aufgrund erhöhter Darmpermeabilität kein Weizengluten vertragen – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch an Schizophrenie leiden. Untersuchungen an einigen Bevölkerungsgruppen des Pazifiks zeigten, daß Schizophrenie in diesen Gruppen erst dann vorherrschte, nachdem sie teilweise den westlichen Lebensstil angenommen hatten und Weizen, Gerstenbier und Reis konsumierten (Dohan 1984).

Forschergruppen unter Zioudrou (1979) und Brantl (1979) fanden sowohl opiatähnliche Aktivität bei Weizen, Mais und Gerste (Exorphine), sowie bei Kuh- und Muttermilch (Kasomorphin), als auch stimulierende Aktivität bei diesen Proteinen und bei Hafer, Roggen und Soja. Das Exorphin des Getreides ist viel stärker als das Kasomorphin der Kuh, welches wiederum stärker ist als menschliches Kasomorphin. Mycroft et al. (1982, 1987) fanden in Weizen und Milch ein Analogon der Substanz MIF-1, einem natürlich auftretenden dopaminergen Peptid. Es taucht in keinem anderen exogenen Protein auf. (In den folgenden Abschnitten benutzen wir den Begriff Exorphin für Exorphine, Kasomorphin und MIF-1-Analogon. Obwohl opiatähnliche und dopaminerge Substanzen auf verschiedene Weise wirken, sind sie beide ’belohnend‘ und somit für unsere Zwecke mehr oder weniger gleichbedeutend.)

Seitdem haben Forscher die Wirksamkeit von Exorphinen gemessen und nachweisen, daß sie mit Morphin und Enkephalin vergleichbar sind (Heubner et al. 1984), haben ihre Aminosäuresequenzen bestimmt (Fukudome & Yoshikawa 1992) und nachgewiesen, daß sie vom Darm aufgenommen werden (Svedburg et al. 1985) und fähig sind, Wirkungen wie Schmerzstillung und Angstreduktion hervorzurufen, die normalerweise bei vom Mohn abgeleiteten opiatähnlichen Substanzen auftreten (Greksch et al. 1981, Panksepp et al. 1984). Mycroft et al. schätzten, daß bei einem normalen täglichen Verzehr von Getreide und Milch 150 mg des MIF-1-Analogons produziert werden und merkten an, daß solche Mengen oral aktiv sind und schon die Hälfte dieser Menge Stimmungsschwankungen bei klinisch depressiven Versuchspersonen verursachte. (Mycroft et al. 1982:895) (Eine ausführliche Übersicht findet sich bei Gardner 1985 und Paroli 1988.)

Die meisten gebräuchlichen, abhängig machenden Drogen sind entweder opiatähnlich (z.B. Heroin und Morphin) oder dopaminerg (z.B. Kokain und Amphetamin) und wirken durch die Aktivierung von Belohnungszentren im Gehirn. Folglich sollten wir fragen, ob diese Befunde bedeuten, daß Getreide und Milch auf chemische Weise belohnend wirken. Sind Menschen in irgendeiner Weise ’süchtig‘ nach diesen Lebensmitteln?

Schwierigkeiten bei der Interpretation dieser Erkenntnisse

Die Erörterung möglicher Wirkungen von Exorphinen in normalen diätetischen Mengen auf das Verhalten war bisher von Vorsicht geprägt. Es gab zwei Varianten, ihre Bedeutung zu interpretieren:

  • die Variante, in der eine pathologische Wirkung vorgeschlagen wird (in der Regel von Getreideforschern und verknüpft mit Dohans Erkenntnissen, siehe aber auch Ramabadran & Bansinath 1988) und
  • die Variante, in der eine natürliche Funktion vorgeschlagen wird (von Milchforschern, welche die Ansicht vertreten, daß Kasomorphin der Mutter-Kind-Bindung helfen könnte oder auf andere Weise die Entwicklung des Kindes reguliert).

Wir glauben, daß es keine natürliche Funktion für die Aufnahme von Exorphinen bei Erwachsenen geben kann. Es mag sein, daß der Wunsch, eine natürliche Funktion zu finden, die Interpretation behindert hat (genauso wie das vorwiegende Ausrichten der Aufmerksamkeit auf Milch, wo eine natürliche Funktion eher plausibel wäre). Es ist unwahrscheinlich, daß Menschen an eine große Aufnahme von Getreideexorphinen angepaßt sind, da die moderne Vorherrschaft von Getreide in der Ernährung einfach zu neu ist. Wenn Exorphine in Kuhmilch vorkommen, so mag das eine natürliche Funktion für Kälber haben, ähnlich, wie Exorphine in Muttermilch eine natürliche Funktion für Säuglinge haben mögen. Doch egal, ob es so ist oder nicht, erwachsene Menschen trinken normalerweise keine Milch welcher Art auch immer, so daß eine natürliche Funktion bei ihnen nicht denkbar ist.

Wir sympathisieren deshalb mit der Interpretation der pathologischen Wirkung der Exorphine, in der die in Getreide und Milch gefundenen Substanzen als moderne diätetische Anormalitäten angesehen werden, die Schizophrenie, Zöliakie oder andere Krankheiten verursachen können. Aber dies sind ernste Krankheiten, welche bei einer Minderheit auftreten. Können Exorphine im großen Maßstab eine Wirkung auf die Menschheit haben?

Andere Hinweise auf drogenähnliche Wirkungen dieser Nahrungsmittel

Die Erforschung der Nahrungsmittelallergien hat gezeigt, daß normale Mengen einiger Nahrungsmittel pharmakologische Wirkungen haben können, verhaltensrelevante Wirkungen inbegriffen. Viele Menschen entwickeln Intoleranzen gegenüber einzelnen Nahrungsmitteln. Verschiedene Nahrungsmittel sind mit einbegriffen, und eine Vielzahl von Symptomen wird hervorgerufen. (Der Begriff ’Intoleranz‘ wird im Gegensatz zu Allergie oft verwendet, da in vielen Fällen das Immunsystem nicht mit einbezogen zu sein scheint (Egger 1988:159). Manche Symptome der Intoleranz wie Angstzustände, Depression, Epilepsie, Hyperaktivität und schizophrene Phasen haben mit der Funktion des Gehirns zu tun (Egger 1988, Scadding & Brostoff 1988).)

Radcliff (1982, zitiert in 1987:808) listete die verursachenden Nahrungsmittel nach abnehmender Häufigkeit der Beschwerden auf, die bei einem Experiment mit 50 Personen auftraten: Weizen (mehr als 70% der Versuchspersonen reagierten in irgendeiner Art und Weise darauf), Milch (60%), Ei (35%), Mais, Käse, Kartoffeln, Kaffee, Reis, Hefe, Schokolade, Tee, Zitrusfrüchte, Hafer, Schweinefleisch, Scholle, Zuckerrohr und Rindfleisch (10%). Das ist praktisch eine Auflistung derjenigen Nahrungsmittel, welche nach der Einführung der Landwirtschaft allgemein in die Ernährung aufgenommen wurden, in der Reihenfolge der Häufigkeit ihres Vorkommens. Die Symptome, die sich gewöhnlich durch Behandlung mindern ließen, waren Stimmungsschwankungen (>50%), gefolgt von Kopfschmerzen, Skelettmuskel- und Atembeschwerden.

Eines der auffälligsten Phänomene in diesen Studien besteht darin, daß Patienten oft starkes Verlangen, Sucht und Entzugserscheinungen bei diesen Nahrungsmitteln zeigen (Egger 1988:170, mit Zitat aus Randolf 1978; siehe auch Radcliff 1987:808-10, 814, Kroker 1987:856, 864, Sprague & Milam 1987:949, 953, Wraith 1987:489, 491). Brostoff und Gamlin (1989:103) schätzten, daß 50% der Patienten mit Intoleranz ein starkes Verlangen nach den Nahrungsmitteln haben, welche ihnen Probleme bereiten, sowie Entzugserscheinungen haben, wenn diese Nahrungsmittel aus ihrer Diät ausgeschlossen werden. Die Entzugserscheinungen sind vergleichbar mit denen, die man bei Drogenabhängigkeit kennt (Radcliffe 1987:808). Die Möglichkeit, daß Exorphine mit im Spiel sind, wurde erwähnt (Bell 1987:715), und Brostoff und Gamlin schlußfolgerten (1989:230):

...die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, daß sie unsere Stimmung beeinflussen können. Es steht sicherlich außer Frage, daß jemand von einem Glas Milch oder einer Scheibe Brot ’high‘ wird – die darin enthaltenen Mengen sind dafür zu gering – aber diese Nahrungsmittel könnten ein Gefühl der Gemütlichkeit und des Wohlbehagens herbeiführen. Patienten mit Intoleranz sagen, daß dies oft der Fall ist. Es gibt auch andere hormonähnliche Peptide in teilweise verdauter Nahrung, welche andere Wirkungen auf den Körper haben könnten.

Es ist ausgeschlossen, daß das Verlangen nach diesen Nahrungsmitteln irgend etwas mit der populären Vorstellung zu tun hat, der Körper teile dem Gehirn mit, was er für seine Ernährung brauche. Diese Nahrungsmittel waren vor der Einführung der Landwirtschaft in der Nahrungspalette des Menschen ohne Bedeutung, und große Mengen davon können für die Ernährung nicht notwendig sein. Tatsächlich besteht der gängige Weg, eine Nahrungsmittelintoleranz zu behandeln, darin, die störenden Nahrungsmittel aus der Ernährung des Patienten zu eliminieren.

Ein Vorschlag zur Interpretation der Exorphin-Forschung

Doch was für eine Wirkung haben diese Nahrungsmittel auf den durchschnittlichen Menschen? Obwohl Exorphine keine durch natürliche Auslese entstandene physiologische Funktion beim Menschen haben können, heißt das nicht, daß sie keine Wirkung haben. Forschungen über Nahrungsmittelintoleranz lassen vermuten, daß Getreide und Milch bei normalen Verzehrsmengen imstande sind, das Verhalten vieler Menschen zu beeinflussen. Und wenn eine erhöhte Aufnahme von Peptiden schwerwiegende Wirkungen auf das Verhalten schizophrener und an Zöliakie erkrankter Personen verursachen kann, könnten subtilere Wirkungen, die nicht einmal als anormal angesehen werden, allgemein bei Menschen auftreten.

Die bis jetzt erbrachten Beweise legen folgende Interpretation nahe:
Wenn ein durchschnittlicher Mensch Getreide und Milch in für heutige Verhältnisse normalen Mengen verzehrt, werden Belohnungszentren im Gehirn aktiviert. Nahrungsmittel, welche vor der Einführung der Landwirtschaft zur alltäglichen Ernährung gehörten (Früchte usw.), besitzen diese pharmakologische Eigenschaft nicht. Die Wirkungen von Exorphinen sind qualitativ die selben, wie sie bei anderen opiatähnlichen und/oder dopaminergen Drogen auftreten, also Belohnung, Motivation, Angstreduktion, ein Gefühl des Wohlbehagens und vielleicht sogar Sucht. Obwohl die Wirkung einer typischen Mahlzeit quantitativ geringer ist, als die einer Dosis der genannten Drogen, erleben die meisten heutigen Erwachsenen diese Wirkung mehrmals am Tag und das an jedem Tag ihres Lebens.

Hypothese: Exorphine und der Ursprung der Landwirtschaft und der Zivilisation

Wenn man dieses Szenario der menschlichen Ernährungspraktiken im Lichte der vorher beschriebenen Problems des Ursprungs der Landwirtschaft betrachtet, führt es zu einer Hypothese, welche die Ergebnisse dieser Untersuchungsreihen verbindet.

Möglicherweise wegen des Fehlens einer historischen Langzeitbetrachtung haben Exorphin-Forscher im Allgemeinen nicht die Möglichkeit untersucht, daß diese Nahrungsmittel wirklich drogenähnlich sind und stattdessen ohne Erfolg nach der natürlichen Funktion von Exorphinen gesucht. Die Übernahme des Getreideanbaus und der folgende Aufstieg der Zivilisation wurden nicht zufriedenstellend erklärt, weil die ihnen zugrundeliegenden Verhaltensänderungen keine offensichtliche Anpassungs-Grundlage haben.

Diese ungelösten und bisher nicht miteinander verknüpften Probleme könnten sich in der Tat gegenseitig lösen. Die Antwort, die wir vorschlagen, ist folgende: Getreide- und Milchprodukte sind keine natürlichen menschlichen Nahrungsmittel, sondern werden eher bevorzugt, weil sie Exorphine enthalten. Diese chemische Belohnung war der Anreiz für die Einführung des Getreideanbaus im Neolithikum. Der regelmäßige Konsum dieser Substanzen erleichterte die Verhaltensänderungen, welche zum darauf folgenden Auftauchen der Zivilisation führten.

Folgendes ist der Ablauf der Ereignisse, wie wir ihn uns vorstellen:
Klimatische Veränderungen am Ende der letzten Eiszeit führten zu einer Zunahme der Größe und Konzentration von Landflächen wilder Getreide in bestimmten Gebieten (Wright 1977). Die großen Mengen an Getreide, die neuerdings erhältlich waren, lieferten einen Anreiz, zu versuchen, sie zu verzehren. Menschen, die mit dem Verzehr größerer Mengen Getreide Erfolg hatten, entdeckten die belohnenden Eigenschaften der in ihnen enthaltenen Exorphine. Es wurden Verarbeitungsmethoden wie Mahlen und Kochen entwickelt, um Getreide besser genießbar zu machen. Je schmackhafter es gemacht werden konnte, desto mehr verzehrte man es und desto wichtiger wurde die Belohnung durch Exorphine für immer mehr Menschen.

Zunächst wurden einzelne Gebiete mit wildem Getreide geschützt und geerntet. Später wurde Land gerodet und Samen gepflanzt und gepflegt, um die Menge und Zuverlässigkeit der Versorgung zu vergrößern. Die Exorphine veranlaßten die Menschen, sich um die Getreide-Gebiete herum niederzulassen sowie ihre nomadische Lebensweise aufzugeben und erlaubte ihnen Toleranz anstatt Aggression zu zeigen, als die Bevölkerungsdichte unter diesen neuen Umständen zunahm.
Obwohl es gemäß unserer Hypothese das Vorhandensein von Exorphinen war, das Getreide zum häufigsten frühen Kulturgut machte (und kein alternatives Nahrungsmittel, welches in der Nahrungspalette bereits vorhanden war), heißt das nicht, daß Getreide ’nur Drogen‘ sind. Sie waren Jahrtausende lang Grundnahrungsmittel und haben eindeutig einen Wert für die Ernährung. Getreide aber nur als Nahrungsmittel zu behandeln, führt zu Schwierigkeiten bei der Erklärung, warum man sich bemühte, sie zu kultivieren. Die Tatsache, daß die Gesundheit überall abnahm, sobald sie in die Nahrungspalette mit einbezogen wurden, läßt vermuten, daß der schnelle, fast totale Austausch anderer Nahrungsmittel gegen Getreide eher eine Folge einer chemischen Belohnung war, als daß er ernährungsbezogene Gründe hatte.

Es ist erwähnenswert, daß das Ausmaß, in welchem frühe Stämme zivilisiert wurden, mit der Art des Ackerbaus, den sie praktizierten, korrelierte. Das heißt, größere Zivilisationen (in Südwest-Asien, Europa, Indien und Ostasien und Teilen von Südost-Asien, Zentralamerika und Teilen von Nord- und Südamerika, Ägypten, Äthiopien und Teilen des tropischen und Westafrikas) stammten von Gruppen ab, die Getreideanbau, speziell Weizenanbau, praktizierten (Bender 1975:12, Adams 1987:201, Thatcher 1987:212). (Die wenigen nomadischen Zivilisationen basierten auf Milchwirtschaft.)

Gruppen, die Pflanzen kultivierten (Früchte, Knollen usw.) bzw. keinen Anbau praktizierten (im tropischen und südlichen Afrika, Nord- und Zentralasien, Australien, Neu Guinea und dem Pazifik, und großen Teilen von Nord- und Südamerika) wurden nicht in dem selben Ausmaß zivilisiert.

Größere Zivilisationen haben also gemeinsam, daß ihre Bevölkerungen regelmäßig Exorphine verzehrten. Wir schlagen vor, daß große, hierarchische Staaten eine natürliche Konsequenz bei solchen Populationen waren. Zivilisation entstand, weil die zuverlässige, der Nachfrage entsprechende Verfügbarkeit von in der Nahrung enthaltenen opiatähnlichen Substanzen das Verhalten der Einzelnen änderte, Aggressionen herabsetzte und ihnen erlaubte, tolerant gegenüber dem seßhaften Leben in übervölkerten Gruppen zu werden, regelmäßiger Arbeit nachzugehen und leichter von Regenten unterjocht zu werden. Es entstanden zwei sozioökonomische Klassen, wo vorher nur eine existierte (Johnson & Earle 1987:270), und so entstand ein Muster, welches von da an dominierte.

Diskussion

Natürliche Ernährung und genetischer Wandel

Einige Ernährungswissenschaftler verneinen die Idee einer natürlichen Ernährungsweise des Menschen vor der Einführung der Landwirtschaft mit der Begründung, daß Menschen Allesesser sind, oder sich an landwirtschaftliche Produkte angepaßt haben (z.B. Garn & Leonard 1989; bezüglich des entgegengesetzten Standpunktes siehe z.B. Eaton & Konner 1985). Ein Allesesser aber ist einfach ein Tier, das sowohl Fleisch als auch Pflanzen verzehrt. Es kann in seinen Präferenzen immer noch ziemlich spezialisiert sein (Schimpansen sind ein geeignetes Beispiel). Eine gewisse Tendenz des frühen Menschen, Allesesser zu sein, könnte eine Voranpassung an die Nährstoffe, welche in Getreide enthalten sind, bedeuten, nicht aber an Exorphine, die für Getreide einzigartig sind.

Das verschiedene Vorkommen von Laktaseunverträglichkeit, Zöliakie und Favismus (die Unfähigkeit, Saubohnen zu verdauen) bei modernen Rassengruppen wird üblicherweise als das Ergebnis unterschiedlich guter genetischer Anpassung an die Ernährung nach der Einführung der Landwirtschaft erklärt (Simopoulos 1990:27-9), und dies könnte eine gewisse Anpassung an Exorphine einschließen. Wir meinen, daß so eine Anpassung aus zwei Gründen kaum oder gar nicht erfolgt ist.

Erstens zeigen Allergieforschungen, daß diese Nahrungsmittel bei vielen Menschen immer noch anormale Reaktionen verursachen, und daß die Empfindlichkeit sowohl innerhalb als auch zwischen Populationen variiert. Dies weist darauf hin, daß unterschiedliche Anpassung nicht der einzige beteiligte Faktor sein kann.

Zweitens besteht die Funktion der erwähnten Anpassungen darin, es dem Menschen zu ermöglichen, solche Nahrungsmittel zu verdauen. Wenn es sich um Anpassungen handelt, tauchten sie auf, weil sie einen Überlebensvorteil darstellten. Würde die Empfänglichkeit für die belohnende Wirkung von Exorphinen aber zu einer niedrigeren oder höheren Vermehrung führen? Im Allgemeinen würde man erwarten, daß ein Tier, dem Drogen zur Verfügung stehen, sich weniger angepaßt verhalten, und somit seine Überlebensaussichten verringern würde. Unser Modell zeigt aber, wie die weitverbreitete Exorphinaufnahme beim Menschen zu einer größeren Bevölkerung führte. Und als die Zivilisation erst einmal die Norm war, hätte eine Nicht-Empfänglichkeit für Exorphine ein Nichteinfügen in die Gesellschaft bedeutet.

Auch wenn es daher eine Anpassung an die Nährstoffe von Getreide geben könnte, wird es kaum oder keine Anpassung an Exorphine geben. Während jedenfalls heutige Menschen den Nutzen einer gewissen Anpassung an landwirtschaftliche Ernährungsweisen genießen können, konnten es diejenigen, welche die Veränderung vor 10 000 Jahren eigentlich bewirkten, nicht tun.

Andere, nicht-ernährungsbedingte Ursprünge landwirtschaftlicher Modelle

Wir sind nicht die Ersten, die einen nicht-ernährungsbedingten Grund für die frühe Landwirtschaft annehmen. Hayden (1990) argumentierte, daß frühe Produkte der Kultivierung und Handelsgegenstände mehr Prestigewert als Nützlichkeit besaßen, und nahm an, daß der Ackerbau begann, weil die Mächtigen seine Produkte für wetteifernde Festgelage und den Zuwachs ihres Wohlstandes nutzten. Braidwood et al. (1953) und später Katz und Voigt (1986) nahmen an, daß der Anreiz für den Getreideanbau die Produktion von alkoholischem Bier war:

Unter welchen Umständen wäre der Konsum einer wilden pflanzlichen Nahrungsquelle wichtig genug, um zu einer Verhaltensänderung zu führen (Experimente mit Kultivierung), die die adäquate Versorgung mit dieser Ressource zum Ziel hat? Falls wilde Getreide tatsächlich einen geringen Teil der Ernährung ausmachten, wäre jedes Argument, das auf einen Kalorienbedarf abhebt, geschwächt. Wir behaupten, daß das Verlangen nach Alkohol ein spürbares, psychologisches und soziales Bedürfnis darstellen würde, das mit Leichtigkeit Veränderungen des Lebensverhaltens auslösen könnte’ (Katz & Voigt 1986:33).

Diese Sichtweise ist zweifellos mit der unseren vereinbar. Es könnte jedoch Schwierigkeiten mit einer Alkohol-Hypothese geben: Bier ist wahrscheinlich nach Brot und anderen Getreideprodukten aufgetaucht und sein Konsum war weniger verbreitet oder weniger häufig (Braidwood et al. 1953). Im Gegensatz zu Alkohol sind Exorphine in all diesen Produkten enthalten. Das macht die Annahme einer chemischen Belohnung als Motiv für die Landwirtschaft viel wahrscheinlicher. Auch Schlafmohn war ein frühes Kulturgut (Zohari 1986). Exorphine, Alkohol und Opium sind in erster Linie belohnend (im Gegensatz zu den typischen halluzinogenen Drogen, die von einigen Jägern und Sammlern benutzt wurden), und wir behaupten, daß es die künstliche Belohnung ist, welche für die Zivilisation nötig ist. Vielleicht waren alle drei förderlich für das Auftauchen der zivilisierten Verhaltensweise.

Getreide haben wichtige Qualitäten, die sie von den meisten anderen Drogen unterscheiden. Sie sind sowohl eine Nahrungsquelle als auch eine Droge und können leicht gelagert und transportiert werden. Sie werden in regelmäßigen, kleinen Mengen eingenommen (nicht in gelegentlichen großen Mengen), und beeinträchtigen bei den meisten Menschen nicht die Arbeitsleistung. Ein Verlangen nach der Droge, sogar Sehnsucht oder Entzugserscheinungen, können mit Hunger verwechselt werden. Diese Besonderheiten machen Getreide zu einem idealen Förderer der Zivilisation (und mögen auch zu der langen Verzögerung beim Entdecken ihrer pharmakologischen Eigenschaften beigetragen haben).

Kompatibilität, Einschränkungen, Notwendigkeit für weitere Daten

Unsere Hypothese ist keine Widerlegung existierender Belege für die Ursprünge der Landwirtschaft, sondern paßt eher neben sie. Sie erklärt, warum der Getreideanbau trotz seiner augenscheinlichen Nachteile übernommen wurde und wie er zur Zivilisation führte.

Die Verallgemeinerung und Fundiertheit unserer Behauptungen wird durch Lücken in unserem Wissen über Exorphine begrenzt. Wir wissen nicht, ob Reis, Hirse und Sorghum oder Grasarten, welche von afrikanischen und australischen Jägern und Sammlern geerntet wurden, Exorphine enthalten. Wir müßten sicher sein, daß in Lebensmitteln, die vor der Einführung der Landwirtschaft Grundnahrungsmittel waren, Exorphine nicht in ähnlichen Mengen enthalten sind, wie in Getreide. Wir wissen nicht, ob Kultivierung den Exorphingehalt oder die -wirksamkeit beeinflußt hat. Eine Prüfung unserer Hypothese, bei der Ernährungsweise und Grad der Zivilisation in verschiedenen Bevölkerungen in Beziehung gesetzt werden, setzt quantitative Kenntnisse über die Wirkung all dieser Nahrungsmittel auf das Verhalten voraus.

Wir beziehen uns weder auf die Ursprünge der getreidelosen Landwirtschaft, noch auf die Frage, warum einige Gruppen eine Kombination aus Nahrungssuche und -anbau benutzten, vom Anbau zur Nahrungssuche zurückkehrten oder überhaupt keinen Anbau betrieben. Getreideanbau und Zivilisation verbreiteten sich im Grunde genommen in den letzten zehntausend Jahren weltweit. Die Frage lautet dann nicht, warum sie hier und nicht dort entstanden, sondern warum sie an manchen Orten länger brauchten, um sich zu etablieren, als an anderen. Zu allen Zeiten und an allen Orten sprachen chemische Belohnung und der Einfluß von Zivilisationen, die bereits Getreide nutzten, für die Übernahme dieses Lebensstils, während die Nachteile des Ackerbaus dagegen sprachen und Faktoren wie Klima, geographische Lage, Bodenqualität sowie die Verfügbarkeit von Kulturgütern das Ergebnis beeinflußten. Es gibt neuerdings einen Trend zu multikausalen Erklärungsmodellen bezüglich des Ursprungs der Landwirtschaft (z.B. Redding 1988, Henry 1989). Exorphine könnten einfach ein weiterer Faktor in der Liste sein. Eine Analyse der relativen Wichtigkeit aller beteiligten Faktoren zu allen Zeiten und Orten würde den Rahmen dieser Schrift sprengen.

Zusammenfassung

Ein Tier ist eine Überlebensmaschine für die Gene, die es konstruierten. Auch wir sind Tiere, und auch wir sind Überlebensmaschinen für unsere Gene. Das ist die Theorie. In der Praxis ist es sehr sinnvoll, wenn wir wilde Tiere untersuchen... Aber es ist anders, wenn wir uns selbst betrachten. Wir scheinen eine ernsthafte Ausnahme der Darwin‘schen Gesetze zu sein... Es ist offensichtlich nicht richtig, daß die meisten von uns ihre Zeit damit verbringen, energisch für den Erhalt unserer Gene zu arbeiten. (Dawkins 1989:138)

Viele Verhaltensforscher haben Schwierigkeiten bei der Erklärung des zivilisierten, menschlichen Verhaltens vor dem Hintergrund der Evolution eingestanden und in einigen Fällen die Hypothese vorgeschlagen, daß sich moderne Menschen nicht immer in Richtung eines Anpassungsvorteils verhalten. Seitdem jedoch die Landwirtschaft auftauchte, hat die menschliche Bevölkerung um den Faktor 1000 zugenommen. Irons (1990) merkte an, daß Bevölkerungswachstum nicht gerade die zu erwartende Wirkung fehlangepaßten Verhaltens ist.

Wir haben Beweise verschiedener Forschungsgebiete geprüft, die zeigen, daß Getreide- und Milchprodukte drogenähnliche Eigenschaften haben, und dargelegt, wie diese Eigenschaften den Anreiz für die beginnende Einführung der Landwirtschaft gegeben haben könnten. Wir haben des weiteren überlegt, daß eine konstante Exorphinaufnahme die Verhaltensänderungen und das darauf folgende Bevölkerungswachstum der Zivilisation durch Vergrößerung der Toleranz der Menschen begünstigte und zwar bezogen auf

  • Seßhaftigkeit mit Übervölkerung,
  • Anstrengungen zugunsten nichtverwandter Personen und
  • das Einnehmen einer unterwürfigen Rolle innerhalb eines großen hierarchisch gegliederten Gesellschaftssystems

Getreide sind immer noch Grundnahrungsmittel, und die Methoden künstlicher Belohnung sind seitdem vielfältiger geworden, einschließlich der heutigen weiten Bandbreite pharmakologischer und nicht-pharmakologischer kultureller Artefakte, deren Funktion in ethologischer Hinsicht darin besteht, Belohnungen ohne Anpassungsvorteil zu liefern. Die Annahme scheint vernünftig zu sein, daß nicht nur die Zivilisation infolge von Selbst-Verabreichung künstlicher Belohnungen entstand, sondern auf diese Weise auch unter den heutigen Menschen aufrechterhalten wird. Folglich bestünde ein Schritt zur Lösung des Problems, das Verhalten zivilisierter Menschen zu erklären, darin, diese weitverbreitete Verhaltensstörung infolge künstlicher Belohnungen in die ethologischen Modelle einzubeziehen.

Quellen

  • Adams, W .M., 1987, Cereals before cities except after Jacobs, in M. Melko & L.R. Scott eds, The boundaries of civilizations in space and time, University Press of America, Lanham.
  • Bell, I. R., 1987, Effects of food allergy on the central nervous system, in J. Brostoff and S. J. Challacombe, eds, Food allergy and intolerance, Bailliere Tindall, London.
  • Bender, B., 1975, Farming in prehistory: from hunter-gatherer to food producer, John Baker, London.
  • Bledsoe, W., 1987, Theories of the origins of civilization, in M. Melko and L. R. Scott, eds, The boundaries of civilizations in space and time, University Press of America, Lanham.
  • Blumler, M., & Byrne, R., 1991, The ecological genetics of domestication and the origins of agriculture, Current Anthropology 32: 2-35.
  • Braidwood, R. J., Sauer, J.D., Helbaek, H., Mangelsdorf, P.C., Cutler, H.C., Coon, C.S., Linton, R., Steward J. & Oppenheim, A.L., 1953, Symposium: did man once live by beer alone? American Anthropologist 55: 515-26.
  • Brantl, V., Teschemacher, H., Henschen, A. & Lottspeich, F., 1979, Novel opioid peptides derived from casein (beta-casomorphins), Hoppe-Seyler's Zeitschrift fur Physiologische Chemie 360:1211-6.<br<
  • Brostoff, J., & Gamlin, L., 1989, The complete guide to food allergy and intolerance, Bloomsbury, London.
  • Chang, T. T., 1989, Domestication and the spread of the cultivated rices, in D.R. Harris and G.C. Hillman, eds, Foraging and farming: the evolution of plant exploitation, Unwin Hyman, London.
  • Claessen, H. J. M. & Skalnik P., eds, 1978, The early state, Mouton, The Hague.
  • Cohen, M. N., 1977, Population pressure and the origins of agriculture: an archaeological example from the coast of Peru, in Reed, C.A., ed., The origins of agriculture, Mouton, The Hague.
  • Cohen, M. N., 1989, Health and the rise of civilization, Yale University Press, New Haven.
  • Constantini, L., 1989, Plant exploitation at Grotta dell'Uzzo, Sicily: new evidence for the transition from Mesolithic to Neolithic subsistence in southern Europe, in Harris, D. R. & Hillman, G. C., eds, Foraging and farming: the evolution of plant exploitation, Unwin Hyman, London.
  • Dawkins, R., 1989, Darwinism and human purpose, in Durant, J. R., ed., Human origins, Clarendon Press, Oxford.
  • Dohan, F., 1966, Cereals and schizophrenia: data and hypothesis, Acta Psychiatrica Scandinavica 42:125-52.
  • Dohan, F., 1983, More on coeliac disease as a model of schizophrenia, Biological Psychiatry 18:561-4.
  • Dohan, F. & Grasberger, J., 1973, Relapsed schizophrenics: earlier discharge from the hospital after cereal-free, milk-free diet, American Journal of Psychiatry 130:685-8.
  • Dohan, F., Harper, E., Clark, M., Ratigue, R., & Zigos, V., 1984, Is schizophrenia rare if grain is rare? Biological Psychiatry 19: 385-99.
  • Eaton, S. B. & Konner, M., 1985, Paleolithic nutrition - a consideration of its nature and current implications, New England Journal of Medicine 312: 283-90.
  • Egger, J., 1988, Food allergy and the central nervous system, in Reinhardt, D. & Schmidt E., eds, Food allergy, Raven, New York.
  • Flannery, K. V., 1973, The origins of agriculture, Annual Review of Anthropology 2:271-310.
  • Fukudome, S., & Yoshikawa, M., 1992, Opioid peptides derived from wheat gluten: their isolation and characterization, FEBS Letters 296:107-11.
  • Gardner, M. L. G., 1985, Production of pharmacologically active peptides from foods in the gut. in Hunter, J. & Alun-Jones, V., eds, Food and the gut, Bailliere Tindall, London.
  • Gam, S. M. & Leonard, W. R., 1989, What did our ancestors eat? Nutritional Reviews 47:337 45.
  • Gordon, K. D., 1987, Evolutionary perspectives on human diet, in Johnston, F., ed, Nutritional Anthropology, Alan R. Liss, New York.
  • Greksch, G., Schweiger C., Matthies, H., 1981, Evidence for analgesic activity of beta-casomorphin in rats, Neuroscience Letters 27:325~8.
  • Harlan, J. R., 1986, Plant domestication: diffuse origins and diffusion, in Barigozzi, G., ed., The origin and domestication of cultivated plants, Elsevier, Amsterdam.
  • Harris, D. R., 1977, Alternative pathways towards agriculture, in Reed, C. A., ed., The origins of agriculture, Mouton, The Hague.
  • Harris, D. R. & Hillman, G. C., eds, 1989, Foraging and farming: the evolution of plant exploitation, Unwin Hyman, London.
  • Hayden, B., 1990, Nimrods, piscators, pluckers, and planters: the emergence of food production, Journal of Anthropological Archaeology 9:31-69.
  • Henry, D. O., 1989, From foraging to agriculture: the Levant at the end of the ice age, University of Pennsylvania Press, Philadelphia.
  • Heubner, F., Liebeman, K., Rubino, R. & Wall, J., 1984, Demonstration of high opioid-like activity in isolated peptides from wheat gluten hydrolysates, Peptides 5:1139-47.
  • Irons, W., 1990, Let's make our perspective broader rather than narrower, Ethology and Sociobiology 11: 361-74
  • Johnson, A. W. & Earle, T., 1987, The evolution of human societies: from foraging group to agrarian state, Stanford University Press, Stanford.
  • Katz, S. H. & Voigt, M. M., 1986, Bread and beer: the early use of cereals in the human diet, Expedition 28:23-34.
  • Kay, R. F., 1985, Dental evidence for the diet of Australopithecus, Annual Review of Anthropology 14:315 41.
  • Kroker, G. F., 1987, Chronic candiosis and allergy, in Brostoff, J. & Challacombe, S.J., eds, Food allergy and intolerance, Bailliere Tindall, London.
  • Lee, R. B. & De Vore, I., 1968, Problems in the study of hunters and gatherers, in Lee, R.B. & De Vore, I., eds, Man the hunter, Aldine, Chicago.
  • Mycroft, F. J., Wei, E. T., Bernardin, J. E. & Kasarda, D. D., 1982, MlF-like sequences in milk and wheat proteins, New England Journal of Medicine 301:895.
  • Mycroft, F. J., Bhargava, H. N. & Wei, E. T., 1987, Pharmacalogical activities of the MIF-1 analogues Pro-Leu-Gly, Tyr-Pro-Leu-Gly and pareptide, Peptides 8:1051-5.
  • Panksepp, J., Normansell, L., Siviy, S., Rossi, J. & Zolovick, A., 1984, Casomorphins reduce separation distress in chicks, Peptides 5:829-83.
  • Paroli, E., 1988, Opioid peptides from food (the exorphins), World review of nutrition and dietetics 55:58-97.
  • Pedersen, B., Knudsen, K. E. B. & Eggum, B. 0., 1989, Nutritive value of cereal products with emphasis on the effect of milling, World review of nutrition and dietetics 60:1-91.
  • Peters, C. R. & O'Brien, E. M., 1981, The early hominid plant-food niche: insights from an analysis of plant exploitation by Homo, Pan, and Papio in eastern and southern Africa, Current Anthropology 22:127-40.
  • Peuch, P., Albertini, H. & Serratrice, C., 1983, Tooth microwear and dietary patterns in early hominids from Laetoli, Hadar, and Olduvai, Journal of Human Evolution 12:721-9.
  • Pfeiffer, J. E., 1977, The emergence of society: a prehistory of the establishment, Mc.Graw Hill, New York.
  • Pryor, F. L., 1986, The adoption of agriculture: some theoretical and empirical evidence, American Anthropologist 88:879-97.
  • Radcliffe, M. J., 1987, Diagnostic use of dietary regimes, in Brostoff, J. & Challacombe, S. J., eds, Food allergy and intolerance, Bailliere Tindall, London.
  • Ramabadran, K. & Bansinath, M., 1988, Opioid peptides from milk as a possible cause of Sudden Infant Death Syndrome, Medical Hypotheses 27:181-7.
  • Randolph, T. G., 1978, Specific adaptation, in Annals of Allergy 40:333-45
  • Redding, R., 1988, A general explanation of subsistence change from hunting and gathering to food production, Journal of Anthropological Archaeology 7:56-97.
  • Reed, C. A., ed., 1977, The origins of agriculture, Mouton, The Hague.
  • Rindos, D., 1984, The origins of agriculture: an evolutionary perspective, Academic Press, Orlando.
  • Scadding, G. K. & Brosoff, J., 1988, The dietic treatment of food allergy, in Reinhardt, D. & Schmidt, E., eds, Food allergy, Raven, t New York.
  • Simopoulos, A. P., 1990, Genetics and nutrition: or what your genes can tell you about nutrition, World review of nutrition and dietetics 63:25-34.
  • Sprague, D. E. & Milam, M. J., 1987, Concept of an environmental unit, in Brostoff, J. & .Challacombe, S. J., eds, Food allergy and intolerance, Bailliere Tindall, London.
  • Stark, B. L., 1986, Origins of food production in the New World, in Meltzer, D. J., Fowler, D. D. & Sabloff, J. A., eds, American archaeology past and future, Smithsonian Institute Press, Washington.
  • Susman, R. L., 1987, Pygmy chimpanzees and common chimpanzees: models for the behavioural ecology of the earliest hominids, in Kinzey, W. G., ed., The evolution of human behaviour: primate models, State University of New York Press, Albany.
  • Svedburg, J., De Haas, J., Leimenstoll, G., Paul, F. & Teschemacher, H., 1985, Demonstration of betacasomorphin immunoreactive materials in in-vitro digests of bovine milk and in small intestine contents after bovine milk ingestion in adult humans, Peptides 6:825-30.
  • Thatcher, J. P., 1987, The economic base for civilization in the New World, in Melko, M. & Scott, L. R., eds, The boundaries of civilizations in space and time, University Press of America, Lanham.
  • Walker, A., 1981, Dietary hypotheses and human evolution, Philosophical Transactions of the Royal Society of London B292:57-64.
  • Washburn, L. & Lancaster, C. S., 1968, The evolution of hunting, in Lee, R. B. & De Vore, I., eds, Man the hunter, Aldine, Chicago.
  • Wittfogel, K., 1957, Oriental Despotism, Yale University Press, New Haven.
  • Wraith, D. G., 1987, Asthma, in Brostoff, J. & Challacombe, S. J., eds, Food allergy and intolerance, Bailliere Tindall, London.
  • Wright, H. E., 1977, Environmental changes and the origin of agriculture in the Near East, in Reed, C. A., ed, The origins of agriculture, Mouton, The Hague.
  • Zioudrou, C., Streaty, R. & Klee, W., 1979, Opioid peptides derived from food proteins: the exorphins Journal of Biological Chemistry 254:244S9.
  • Zohari, D., 1986, The origin and early spread of agriculture in the Old World, in Barigozzi, G., ed., The origin and domestication of cultivated plants, Elsevier, Amsterdam