Die instinktive Sperre

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Mit dem Namen "instinktive Sperre", kurz auch nur "Sperre", bezeichnet man ein Phänomen, das an sich bei jeglicher Variante der Rohkost-Ernährung auftritt, dessen Beachtung und Verständnis sich aber meist nur die Rohköstler widmen, die bewußt eine instinktive Ernährung praktizieren.

Definition

Die instinktive Sperre ist primär eine scheinbare (!) Änderung des Geschmacks oder der Konsistenz des momentan verzehrten Lebensmittels, scheinbar deswegen, weil sich in Wirklichkeit nicht das Lebensmittel ändert, sondern der Esser und seine Wahrnehmungen. Zusätzlich zur scheinbaren Änderung von Geschmack oder Konsistenz tritt eine Vielzahl weiterer Phänomene auf, die im nächsten Abschnitt beschrieben werden. Gemeinsam ist all diesen Phänomenen, daß sie als negativ wahrgenommen werden und damit den Verzehr des Lebensmittels, bei dessen Aufnahme sie auftreten, zum Halten bringen. Da Menschen im Gegensatz zu Tieren grundsätzlich in der Lage sind, sich mit ihrem Verstand über jegliche körperliche Signale hinwegzusetzen, ist es prinzipiell möglich, den Verzehr eines Lebensmittels, bei dem eine instinktive Sperre eingetreten ist, fortzusetzen. Sinnvoll ist es allerdings nicht, denn die instinktive Sperre hat eine biologische Funktion. Ferner zieht ihre vorsätzliche oder fahrlässige Mißachtung unangehme Folgen nach sich. Dazu in einem späteren Abschnitt mehr.

Die instinktive Sperre ist Bestandteil des angeborenen Ernährungsinstinkts jedes Lebewesens und signalisiert, daß der Verzehr eines Lebensmittels sofort beendet werden sollte. Auf diese Weise reguliert der Ernährungsinstinkt exakt die Menge eines Lebensmittels, die aufgenommen wird. Die Genauigkeit ist dabei erstaunlich hoch. So wurde bei Messungen festgestellt, daß an aufeinander folgenden Tagen zum Teil bis auf ein Gramm genau die selben Mengen eines Lebensmittels verzehrt wurden, selbstverständlich, ohne mit der Waage neben dem Teller zu essen, sondern durch Wiegen vor und nach dem Essen und Ermittlung der Differenz. Die Verzehrsmengen lagen dabei im höheren dreistelligen Grammbereich, so daß man dem Ernährungsinstinkt eine Genauigkeit im einstelligen Promillebereich zuschreiben kann.

Phänomene

Während einer Mahlzeit treten verschiedene Phänomene auf, die zum Teil der instinktiven Sperre zuzuordnen sind, zum Teil andere Gründe haben. Sie werden in diesem Abschnitt erörtert.

Erscheinungsweisen der instinktiven Sperre

Die folgende Liste ist nicht als vollständig anzusehen, sondern zählt alle Varianten der instinktiven Sperre auf, die von Rohköstlern bisher beobachtet wurden. Es gibt sicher noch weitere. Folgende Phänomene sind es:

Makrele
  • Der Geschmack des Lebensmittel schlägt ins Unangenehme um.
  • Der Mundinhalt scheint trockener, rauher, klebriger oder pappig zu werden (Konsistenzveränderung).
  • Eine neue, eher unangenehme Geschmackskomponente tritt in Erscheinung, wie z.B. Schärfe beim Gemüse, das typisch Fischige bei Fisch oder das Gurkige bei der Gurke, so, wie man es noch von Kochkostzeiten her kennt.
  • Eine Geschmackskomponente beginnt zu stören oder tritt unangenehm oder aufdringlich in den Vordergrund, z.B. die Süße bei Datteln, ein herber Geschmack oder das Fettige bei Kenarinüssen oder die Säure bei Obst.
  • Man bemerkt ein taubes Gefühl (eine gewisse Gefühllosigkeit), ein leichtes Stechen, ein Brennen oder eine andere unangenehme Empfindung auf der Zunge, im Mund, auf den Lippen oder im Rachen.
  • Das Essen verätzt einem den Mund (passiert of bei Ananas, frischen Feigen und Tomaten).
  • Es tritt Ekel auf (das ist die letzte Sperre vor dem Brechreiz!)
  • Etwas vom Aroma des Lebensmittels scheint plötzlich verlorengegangen zu sein; es ist sozusagen geschmackloser geworden.
  • Das Lebensmittel scheint im Mund nicht mehr wie von selbst zu schmelzen.
  • Einem bleibt regelrecht die Spucke weg, d.h. der Speichelfluß bleibt aus, obwohl sich Nahrung im Mund befindet.
  • Man verschluckt sich (passiert oft bei Wasser).
  • Die Lippen bleiben bei Berührung mit einem Lebensmittel trocken (meist kommt dann auch sehr bald eine Empfindung von Taubheit, Brennen o.ä. hinzu).
  • Die Lippen kleben zusammen (passiert oft bei Sapotillen bzw. allgemein bei Früchten von Latex-Gewächsen).
  • Es wird zu mühsam, zu kauen oder zu schlucken.
  • Das Essen bleibt in lästiger Weise zwischen den Zähnen hängen.
  • Die Masse im Mund scheint sich etwas zu verdicken und man verliert zugleich die Lust am Essen, d.h. die Lust am Kauen und erst recht am Schlucken.
  • Es tritt ein unstillbarer Hustenreiz auf.
  • Der Schluckreflex funktioniert nicht mehr richtig, d.h. er erfolgt nicht mehr mühelos, nicht mehr automatisch sondern nur noch unter Zuhilfenahme einer gewissen willentlichen Anstrengung.
  • Das Lebensmittel scheint nicht mehr so gut die Kehle hinunterrutschen; eventuell lösen gar steckengebliebene Krümelchen einen Hustenreiz aus.
  • Das Lebensmittel ballt sich im Mund zu einem harten, nicht mehr kaubaren Klumpen zusammen (passiert z.B. bei Fleisch).
  • Es tritt Ungeschicklichkeit beim Essen auf (eine Mango flutscht dauernd aus den Fingern, man verletzt sich selbst mit einem Messer, das Essen fällt ungewollt aus den Händen).
  • Es tritt ein Völlegefühl auf, d.h. die Wahrnehmung, daß der Magen voll ist. Diese Sperre heißt auch Bauchsperre.
  • Die Haare fallen einem ins Gesicht und geraten zunehmend ins Essen.
  • Man fällt während des Essens vom (Obst-)Baum.
  • Man kann das Lebensmittel, das man vorher mühelos ernten und essen konnte, nicht mehr anfassen (tritt oft bei Brennesselblättern auf).
  • Es ist nicht mehr möglich, weitere Exemplare eines beweglichen Lebensmittels zu fangen (tritt bei Insekten auf).
  • Man hat keine Lust mehr, eine weitere Frucht zu öffnen oder eine weitere Nuss zu knacken.
Schlangengurke

Darüber hinaus können viele andere Wahrnehmungen, die zum Teil etwas schwierig zu beschreiben sind, ebenfalls die Sperre signalisieren. Beispielsweise kann man es auch als ein Signal ansehen, das Essen zu beenden, wenn man sich während des Essens dabei ertappt, ständig zu überlegen, ob das momentane Gefühl eine Sperre war oder nicht. So lange die nötige Verzehrsmenge noch nicht erreicht ist, ißt man normalerweise ohne derartige Gedanken darauflos. Das Nachdenken über die Sperre ist schon ein erstes Zeichen dafür, daß man nicht mehr mit vollem Genuß bei der Sache ist und aufhören sollte.

Das Paradoxe an all diesen Phänomenen ist, daß sie nur scheinbarer Art sind, denn sie verschwinden in der Regel sofort nach dem Ausspucken des Lebensmittels, bei dem sie auftraten. Der instinktiven Sperre liegt also in keinem Fall ein körperlicher Defekt zugrunde, sondern sie ist immer ein vom Körper, genauer gesagt von dem Gehirnareal, das dem Ernährungsinstinkt zugeordnet ist, erzeugtes Signal, das sofort verschwindet, nachdem es seinen biologischen Zweck erfüllt hat.

Speziell beim Auftreten eines Völlegefühls kann es durchaus sein, daß der Magen gar nicht voll ist, sondern der Ernährungsinstinkt dieses Signal zwar gibt, um den Verzehr des momentanen Lebensmittels zu beenden, bei anschließender Auswahl eines anderen Lebensmittels und dessen Verzehr das Gefühl aber verschwunden ist.

Abartige und seltsame Sperren

Neben den bisher beschriebenen Phänomenen, die als Halt-Signal bei einer Mahlzeit auftreten, gibt es eine Reihe von Signalen, die durch den Verzehr denaturierter Lebensmittel hervorgerufen werden. Sie sind daher als unnatürlich anzusehen und werden hier nicht weiter beschrieben. Der Abschnitt Anormale Sperren widmet sich ihnen.

Phänomene, die keine Sperre sind

Mitunter treten bei einer Mahlzeit Phänomene auf, die irrtümlich für eine instinktive Sperre gehalten werden, jedoch einen anderen biologischen Grund haben. Auch hier ist die Aufzählung nicht als vollständig zu betrachten. Es sind folgende Phänomene:

  • spontanes Naselaufen während des Essens (Sofortentgiftung)
  • leichtes Hüsteln während des Essens (ebenfalls Sofortentgiftung)
  • Aufstoßen (normaler biologischer Vorgang, um verschluckte Luft entweichen zu lassen)
  • Harn- oder Stuhldrang

Das Phänomen der Sofortentgiftung bedeutet, daß der Körper die minimalen Nährstoffmengen, die er durch die Mundschleimhaut während der bisherigen Mahlzeit aufgenommen hat, sofort nutzt, um notwendige Entgiftungen in Gang zu bringen. In der Regel tritt diese Erscheinung nur bei Anfängern der Rohkost auf.

Die Notwendigkeit, während einer Mahlzeit die Toilette aufsuchen zu müssen, spricht für noch nicht eingespielte Aufnahme-, Verdauungs- und Ausscheidungszeiten und tritt ebenfalls meist nur bei Anfängern auf. Siehe dazu auch der Artikel Die drei Phasen des menschlichen Körpers.

Die Sättigung

An dieser Stelle soll ein positives Phänomen vermerkt werden, das zwar keine Sperre ist, aber ebenfalls zur Beendigung einer Mahlzeit führen sollte:

  • ein Gefühl von vollkommener Zufriedenheit und Sättigung

Es tritt in der Regel nicht mitten beim Verzehr eines Lebensmittels auf, sondern erst kurze Zeit danach, d.h. die instinktive Sperre beendet wie üblich den Verzehr des aktuellen Lebensmittels und kurz danach stellt sich die Sättigung ein.

Selbstverständlich ist dieses Gefühl der beste Anlaß, den man sich überhaupt denken kann, die Mahlzeit zu beenden. Eine nach dem Auftreten dieses Gefühls mit dem Verstand vorgenommene Manipulation ("ich könnte doch noch x oder y essen") führt in der Regel zu einer erheblichen Reduktion des Lustniveaus und zum Verlust des positiven Sättigungsgefühls, oft sogar zu Beschwerden. Ein Abschnitt weiter hinten geht darauf genauer ein.

Biologische Grundlagen

In diesem Abschnitt werden die biologischen Grundlagen der instinktiven Sperre untersucht.

Voraussetzungen für das Auftreten der instinktiven Sperre

In dem Artikel Funktionsbereich und Grenzen von Instinkten wird ausführlich erklärt, daß es keinen Ernährungsinstinkt für denaturierte oder sonstwie manipulierte Nahrung gibt. Im Gegenteil, funktioniert der menschliche Ernährungsinstinkt in voller Präzision nur mit einwandfreier, nicht manipulierter roher Nahrung hoher Qualität. Es kann zwar sein (und tritt in der Praxis auch auf), daß bei manipulierter Nahrung, zum Beispiel einem gemischten Salat oder gesalzenen Avocados, eine instinktive Sperre auftritt, weil der Instinkt die Komponenten der Nahrung in jedem Fall analysiert und reagiert. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß in solchen Fällen die instinktive Reaktion auch nur annähernd richtig ist, sonst gäbe es keine übergewichtigen Menschen und keine Vergiftungen. Im Gegenteil ist es so, daß der Ernährungsinstinkt mit denaturierter und manipulierter Nahrung kaum noch oder gar nicht mehr funktioniert und sowohl Auswahl als auch Menge der Nahrung nicht mehr von ihm gesteuert werden können.

Tatsächlich beobachtet man daß der Ernährungsinstinkt und mit ihm die instinktive Sperre am besten bei wilden rohen Lebensmitteln funktioniert, denn auch die Züchtung von Pflanzen ist bereits als Manipulation anzusehen, die meist zu Lasten der Klarheit der instinktiven Signale geht, weil in völliger Verkennung der echten Nährstoffbedürfnisse von Menschen nur auf Größe und maximalen eßbaren Anteil oder (noch schlimmer) auf leichte Verzehrbarkeit gezüchtet wurde. Ein gutes Beispiel sind Äpfel, die in ihrer Wildform gerade einmal so groß sind wie ein Hühnerei, sehr sauer und nur in kleinen Mengen für den Verzehr geeignet. Durch die Züchtung wurden sie extrem wasser- und zuckerhaltig und können nunmehr auch dann verzehrt werden, wenn an ihren ursprünglichen Inhaltsstoffen kaum ein Bedarf besteht.

Jede Manipulation roher Lebensmittel hat zur Folge, daß die Sperre weniger deutlich oder später eintritt als bei nicht manipulierten Lebensmitteln. Dies betrifft auch einfache und daher oft als harmlos angesehene Manipulationen wie das Abpulen des rosa Häutchens von Cashewkernen oder das Schälen dünnschaliger Früchte, siehe dazu der Artikel Manipulationsmöglichkeiten von Lebensmitteln. Wo im Einzelfall die Grenze zur Manipulation und darauf folgend zur schädlichen Überlastung liegt, kann eine schwierig zu beantwortende Frage sein. Meist kann nur die Praxis die Antwort geben, indem man beobachtet, ob man beispielsweise nach einer Mahlzeit mit Eßkastanien, bei denen das Häutchen entfernt wurde, Überlastungserscheinungen bei sich feststellt.

Biologische Mechanismen der instinktiven Sperre

In diesem Abschnitt soll versucht werden, zu ergründen, welcher biologischen Vorgänge die instinktive Sperre bewirken. Dazu sollen die einzelnen Phänomene der instinktiven Sperre in Kategorien eingeteilt werden.

Erscheinungsweise der
instinktiven Sperre
Zugrundeliegender biologischer
Mechanismus
Umschlag des Geschmacks der Nahrung Fälschung der Signale der Geschmacksknospen und der Riechschleimhaut
Änderung der Konsistenz des Mundinhalts Einstellung der Speichelproduktion, Fälschung von Signalen, Einstellung der Produktion von Antistoffen
Versiegen des Speichelflusses selbsterklärend
Lähmung der Kau- oder Schluckmuskulatur Überlagerung der Signale der Hirnareale für die Muskelbetätigung
Mißempfindungen im Mundbereich Einstellung der Produktion von Antistoffen
Essen bleibt zwischen den Zähnen hängen Der Kiefer zieht sich zusammen
Körperliche Ungeschicklichkeit, Koordinationsprobleme Überlagerung und Störung der Signale der Hirnareale für die Muskelbetätigung
Verlust des Interesses am Essen Dämpfung der Signale vom Appetit-Zentrum im Gehirn

Bekanntlich beruht der Geschmackssinn zum größten Teil auf dem Geruchssinn, wie man durch einen Versuch, mit zugehaltener Nase zu essen, sofort verifizieren kann.

Die Fälschung von Signalen, die von der Riechschleimhaut der Nase und den Geschmacksknospen der Zunge abgegeben werden, ist plausibel, weil diese Signale nicht nur direkt die Hirnzentren für Geschmackswahrnehmung (sogenanntes Riechhirn im Paleocortex) erreichen, sondern auch eine Modulation der Signale des Riechkolbens durch den Hypothalamus erfolgt. Diese Modulation kann zur Unterdrückung oder Verstärkung einzelner Geruchs- und damit Geschmackskomponenten führen.

Ferner kann jeder Mensch die Beobachtung machen, daß sein Geruchssinn vor dem Essen wesentlich empfindlicher ist als danach. Es ist sogar oft so, daß ein Lebensmittel vor dem Beginn einer Mahlzeit einen deutlich wahrnehmbaren Geruch aufweist, dieser aber sofort verschwindet, sobald man mit dem Verzehr beginnt. Natürlich kann das Geruchssignal nicht völlig verschwunden sein, sonst würde man nichts mehr schmecken, aber es ist deutlich schwächer geworden. Dieser Ablauf erscheint plausibel, weil ein starkes Signal für das Auffinden von Nahrung in freier Natur überlebenswichtig, nach Beginn der Mahlzeit aber nicht mehr nötig ist.

Die Produktion von Antistoffen beim Verzehr einiger Lebensmittel ist plausibel, weil die selben Lebensmittel, gegen den instinktiven Bedarf gegessen, sofort Beschwerden auslösen. So enthalten beispielsweise Ananas und Papaya verschiedene proteolytische (=eiweißauflösende) Enzyme, wie man leicht verifizieren kann, indem man Ananassaft eine Weile auf der Haut läßt. Diese Enzyme würden auch die Mundschleimhaut angreifen, falls der Körper während des Essens keine Schutzstoffe produzieren würde. Genau das tun sie, sobald der Körper diese Schutzstoffe nicht mehr produziert und dadurch das Ende der Nahrungsaufnahme signalisiert. Die Säuren bzw. Enzyme der Nahrung zerfressen einem dann regelrecht den Mund.

Die Störung anderer Signale des Gehirns, die zum Beispiel zur Muskelbetätigung und -koordination erforderlich sind, erscheint plausibel, wenn man den Ausführungen über die Modulation der Signale von der Riechschleimhaut gefolgt ist. Der Wissenschaft mag es überlassen bleiben, die dafür nötigen Verschaltungen physisch nachzuweisen, wie sie es bei den Verschaltungen von Hypothalamus und Riechkolben bereits getan hat.

Das Zusammenziehen des Kiefers kann man leicht überprüfen, indem man kurz nach dem Essen mit Zahnseide zwischen den Zähnen hindurchgeht und dies nach einer Stunde wiederholt. Der Effekt ist sehr deutlich. Hat man die Sperre exakt eingehalten, tritt so gut wie kein Zusammenziehen auf.

Die Stärke der Sperre in Abhängigkeit von der Art der Lebensmittel

Je wilder und damit natürlicher ein Lebensmittel ist, desto klarer tritt die instinktive Sperre ein. Je stärker gezüchtet ein Lebensmittel ist, desto undeutlicher werden die instinktiven Signale. Diese Überlegungen haben zum Ausschluß von Weizen aus der Lebensmittelpalette der Rohkost-Ernährung geführt und zu Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf stark gezüchtete Lebensmittel wie Avocados der Sorte Hass, Durian der Sorte Morn Thong und Fleisch von Zuchttieren.

Bei hinreichend natürlichen Lebensmitteln tritt die instinktive Sperre meist schlagartig ein, d.h. von einer Sekunde auf die andere. Ignoriert man das Signal, so verschlimmern sich die Phänomene so stark, bis ein Übergehen nicht mehr möglich ist. Dazu weiter unten noch mehr.

Bei gezüchteten Lebensmitteln beobachtet man oft, daß die negativen Signale sich allmählich steigern. Dies kann dazu führen, daß man die Mahlzeit erst bei einem unüberwindbaren Völlegefühl beendet. Jedoch ist dann bereits eine grobe Überlastung eingetreten und das Ziel der Mahlzeit, dem Körper genau die Menge an Nährstoffen zu geben, die er benötigt, wurde verfehlt.

Anmerkung zu Trockenfrüchten: Trockenfrüchte gehören zu den Lebensmitteln, die in freier Natur eine sehr geringe oder saisonal sehr kurze Verfügbarkeit aufweisen. Der Ernährungsinstinkt äußert sich daher bei der Konfrontation mit jederzeit verfügbaren beliebig hohen Mengen von Trockenfrüchten nicht sehr präzise. Man stellt oft fest, daß die instinktive Sperre einmalig kurz, meist in Form von Brennen oder Kratzen im Hals auftritt, und dann wieder verschwindet. Übergeht man dieses Signal, endet die Mahlzeit erst beim Völlegefühl und damit in der Überlastung.

Knollensellerie

Generell stellt man fest, daß die instinktive Sperre bei Gemüse sehr stark ausgeprägt ist und oft schon nach kleinen Mengen eintritt. Das führt dazu, daß Gemüse von vielen Rohköstlern nur ungern verzehrt wird. Der Grund dafür ist, daß Gemüse daraufhin gezüchtet wurde, auch nach dem Kochen noch einen Geschmack aufzuweisen und daher bei Rohverzehr meist viel zu stark schmeckt. Abhilfe kann man hier nur schaffen, indem man auf milde Varianten ausweicht und die Mahlzeit um Wildkräuter ergänzt.

Das zeitliche Auftreten der Sperre

Grundsätzlich kann die instinktive Sperre jederzeit auftreten, also auch bereits beim ersten Bissen eines Lebensmittels. In diesem Fall wurde das Lebensmittel entweder nicht richtig (also mit dem Geruchssinn) ausgewählt oder die vom Körper benötigte Menge war sehr klein.

Es gibt einen Faktor, der das Auftreten der Sperre zeitlich erheblich nach hinten verschieben kann: die Darreichungsform der rohen Lebensmittel. Verzehrt man beispielsweise Nüsse, die bereits geschält vorliegen, so kann die Form der instinktiven Sperre, bei der man keine Lust mehr hat, eine weitere Nuss zu knacken bzw. zu öffnen, nicht eintreten. Dies kann dazu führen, daß bei besonders schwierig zu öffnenden Nüssen wie zum Beispiel Macadamias oder Paranüssen die Verzehrsmenge von geschälten Exemplaren weitaus höher ist, als wenn man sie während der Mahlzeit selbst hätte knacken müssen. Hier ist der Überlastung Tür und Tor geöffnet. Analoges gilt für andere Lebensmittel, die recht umständlich zu öffnen sind, wie etwa Ananas, Kokosnuss, Pomelo und weitere. Man sollte sich den Verzehr geschälter Nüsse oder vorbereiteter Nahrungshäppchen also keinesfalls zur Gewohnheit machen. Siehe dazu auch den Artikel Manipulationsmöglichkeiten von Lebensmitteln.

Speziell für Kinder gilt, daß man sie auf der einen Seite nicht überfordern sollte, indem man sie mit einer Kokosnuss sich selbst überläßt, es ihnen auf der anderen Seite aber nicht zu leicht machen sollte, etwas zu essen, weil sie sonst dazu tendieren, sich zu überlasten. Sobald sie in der Lage sind, eine Nuss oder Frucht selbst zu öffnen, sollte man ihnen diese Tätigkeit überlassen.

Umgang und Auswirkungen

In diesem Abschnitt wird erörtert, wie man als Rohköstler mit dem Phänomen der instinktiven Sperre umgehen sollte und welche Auswirkungen sie hat.

Der Umgang mit der instinktiven Sperre

Ein Tier hat keine Wahl, ob es eine instinktive Sperre beachten soll oder nicht, weil es rein nach dem Lustprinzip lebt. Da sich jegliche instinktive Sperre als lustmindernd äußert, stellt ein Tier den Verzehr des aktuellen Lebensmittels sofort ein. Eben so verhalten sich Kleinkinder, die roh ernährt werden. Sobald die instinktive Sperre bei ihnen auftritt, verweigern sie die weitere Aufnahme des Lebensmittels und lassen oft die noch im Mund befindliche restliche Nahrung herauslaufen.

Nebenbemerkung: Da bei Kindern die instinktive Sperre selbst beim Verzehr denaturierter Nahrung oft mit großer Deutlichkeit auftritt, sind schon Millionen von kochenden Müttern an diesem völlig natürlichen Verhalten, das sie nicht verstanden, verzweifelt und haben ihr Kind mit allen Mitteln genötigt, das zu essen, was sie von Menge und Auswahl her als sinnvoll erachteten. Wir, die wir uns roh ernähren, wissen, daß der menschliche Verstand nicht in der Lage ist, die Nährstoffbedürfnisse eines anderen Lebewesens auch nur annähernd richtig einzuschätzen und es daher ein sinnloses und biologisch sogar schädliches Unterfangen ist, einen anderen Menschen mit mehr oder minder starken Druckmitteln zu zwingen, etwas zu essen, was seinen körperlichen Bedürfnissen nicht entspricht. Bei Menschen, die nicht mit roher Nahrung aufgewachsen sind, ist der Verstand in der Regel nicht einmal fähig, die eigenen Nährstoffbedürfnisse treffend einzuschätzen. Dies führt bei Anfängern der instinktiven Rohkost zu häufigen Frustrationen, weil Denken und Wirklichkeit durch einen nicht überbrückbaren Abgrund getrennt sind. Hier hilft es, das Denken loszulassen und dem Instinkt zu vertrauen, also genau das Gegenteil dessen, was man zu tun gelernt hat.

In jedem Fall ist es sinnvoll, die biologische Funktion der instinktiven Sperre zu respektieren und bei ihrem Auftreten den Verzehr des momentanen Lebensmittels sofort zu beenden. Sogar vom Herunterschlucken des noch im Mund befindlichen Bissens ist abzuraten. Stattdessen sollte der Mundinhalt sofort ausgespuckt werden, ein Verhalten, das zwar nicht mit heutigen Tischsitten kompatibel ist, wohl aber mit einem Leben in freier Natur wie es die längste Zeit der Evolution der Menschheit der Fall war.

Folgen der Mißachtung der instinktiven Sperre

Das Mißachten der instinktiven Sperre führt je nach Art des verzehrten Lebensmittels zu mehr oder weniger drastischen Folgeerscheinungen, die hier erläutert werden sollen.

Die stets eintretende Folge ist selbstverständlich die Überlastung. Genaueres wird in dem Artikel Überlastung mit Nährstoffen beschrieben.

Bei Lebensmitteln wie Ananas oder frischen Feigen kann das Übergehen der ersten Sperre dazu führen, daß schließlich die Mundschleimhaut anfängt, an vielen einzelnen Punkten zu bluten. Das Übergehen der Sperre bei Pilzen kann dazu führen, daß einem auch nach einer Stunde noch der Mund brennt. Selbst Ausspülen mit Wasser hilft nicht.

Brauner Zuchtchampignon

Hinweis: Bei Beeren, Pilzen und Kräutern kann eine Mißachtung der instinktiven Sperre lebensgefährlich werden. Ausführliche Hinweise stehen in dem Artikel Vorsichtsmaßnahmen bei unbekannten rohen Lebensmitteln.

Positive Mechanismen beim Einhalten der Sperre

Wenn man die instinktive Sperre respektiert und bei einer Mahlzeit auf richtige Lebensmittelkombinationen achtet, dann ist der Lohn für dieses Verhalten eine wunderbar mühelose Verdauung: man spürt seinen Magen nicht mehr bzw. man merkt nicht mehr, daß man eine Verdauung hat.

Führt man dieses Verhalten konsequent fort, so erreicht man einen körperlichen Zustand, bei dem die Ernährungsbedürfnisse des Körpers exakt befriedigt werden. Es tritt ein optimales Gleichgewicht ein. Dieses Gleichgewicht äußert sich auch geistig in ausgeglichener Stimmung und einem großen Wohlbefinden. Ferner erhöht sich das Genußniveau der Mahlzeiten erheblich bis zu einem Maß, wo jede Mahlzeit ein Fest wird. Es treten häufig himmlische Phasen auf.

Diese positiven Mechanismen führen zusammen mit den negativen Signalen bei Mißachtung der Sperre dazu, daß man sein Eßverhalten allmählich an das annähert, was von der Natur vorgegeben wurde, nämlich Essen als Mittel zur Erfüllung der Nährstoffbedürfnisse des eigenen Körpers und nicht als Liebesersatz, Zeitvertreib, Fruststiller und was es sonst noch alles an pathologischen Zwecken gibt, die allesamt nichts mit dem biologischen Erfordernis der Nahrungsaufnahme zu tun haben. Es findet hier also tatsächlich ein Erziehungsprozeß statt, dem man als Mensch, der sich erst im Erwachsenenalter auf Rohkost umgestellt hat, mitunter mit einiger Verwunderung zusieht.

Zusammenfassend kann man sagen, daß bei konsequenter Einhaltung der instinktiven Sperre Genuß und Gesundheit wieder in Übereinstimmung kommen, wie es von der Natur weise vorgesehen wurde.

Tipps für die Rohkost-Praxis

Hier werden Tipps und Hinweise für die Praxis gegeben, die im Zusammenhang mit dem Phänomen der instinktiven Sperre stehen.

Gelegentlicher Test der Sperre

Wenn man sicher ist, ausschließlich einwandfreie Lebensmittel für die Praxis der Rohkost zur Verfügung zu haben, kann man stets so vorgehen, wie in dem Abschnitt Der Umgang mit der instinktiven Sperre beschrieben: man beachtet die instinktive Sperre bei einer Mahlzeit sofort.

Wenn eine sichere Versorgung mit einwandfreien, rohen Lebensmittel jedoch nicht oder nur teilweise gegeben ist, wie es unter den heutigen Lebensumständen sehr oft der Fall ist, dann ist es sinnvoll, hin und wieder zu prüfen, ob die verzehrten Lebensmittel klar und deutlich sperren. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind sie in den meisten Fällen denaturiert.

Speziell bei angefrorenen oder tiefgefrorenen Lebensmitteln geschieht es oft, daß eine Mahlzeit in Zufriedenheit endet, ohne daß eine klare Sperre aufgetreten ist. Man hört also im besten aller Fälle auf und nimmt an, daß man vor der echten Sperre die Mahlzeit beendet hat. Infolge der physikalisch-chemischen Wirkungen des Gefrierens hat das verzehrte Lebensmittel aber seine Sperre verloren und man ist in die Überlastung geraten. Oft wundert man sich nach so einer Mahlzeit darüber, daß trotz Aufhörens bei bester Zufriedenheit Überlastungs-Symptome auftreten.

Wenn man dies beobachtet, ist es geraten, eine Testmahlzeit zu machen, bei der man so lange ißt, bis eine klare und deutliche Sperre auftritt. Ist dies nicht möglich und die Mahlzeit endet lediglich mit vollem Bauch, dann sollte das verzehrte Lebensmittel genau geprüft werden. Ausführliche Hinweise dazu gibt der Artikel Qualitätsprüfung roher Lebensmittel.